„Sport Bild“: Mehr mehr und noch besser

Es ist kein Scherz: Pünktlich zur 1111. Ausgabe präsentiert sich die einst als "kicker"-Konkurrenz gestartete "Sport Bild" generalüberholt. Tatsächlich ist das Springer-Sportblatt im bereits 21. Jahr des Bestehens ein Stück erwachsener geworden. Die Optiken kommen moderner daher, der Zuschnitt auf König Fußball fällt noch stärker aus – lediglich Platz für einen "Sport Mix" ist noch im hinteren Blattteil. Inhaltlich will "Sport Bild" weiter durch Exklusiv-Geschichten auffallen.

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Es gibt wohl wenige Betätigungsfelder auf diesem Planeten, in dem Egos größer anschwellen als in der Welt des Sport. Mohamed Ali ist der Erste, der einem einfällt, Diego Maradona der nächste – und auch Tim Wiese dürfte sicher nicht fehlen, wenn man in die nationalen Arenen blickt.
 
Die kennt „Sport Bild“-Chefredakteur Alexander Steudel nach sechsjähriger Erfahrung als Vize beim Springer Sportblatt nur allzu gut. Seit Februar dieses Jahres sitzt der 43-Jährige im Chefsessel. Ein halbes Jahr später hat er nun seinen eigenen Rebrush bekommen, den er nun in ähnlich markigen Worten anpreist wie der FC Bayern lange Jahre seine Vorreiterrolle: „Von dieser 100 Seiten dicken Jubiläumsausgabe an, der 1111. seit unserem Start im Februar 1988, wird in Europas größtem Sportmagazin einiges anders. Und mit anders meinen wir: noch besser. Noch besser leidenschaftlicher.“

Rebrush statt Relaunch: Mehr Fußball und größere Bilder  

So viel zur Mir-san-mir-Mentalität aus dem Hamburger Axel-Springer-Platz. Allein: Ist der Anspruch angemessen? So richtig viel getan hat sich inhaltlich freilich nicht: Der Titel von Springers Sportmagazin erscheint immer überholter: Tatsächlich ist „Sport Bild“ eine Alleinveranstaltung des runden Leders – erst auf der 79. von 100 Seiten wird im neugeschaffenen „Sport-Mix“ über andere Sportarten als Fußball berichtet. Doch das gewollt: „Ab sofort noch mehr Fußball“ soll es geben, lockt die „Sport Bild“ auf der Seite 1 um neue Leser.

Optisch bietet die Jubiläumsausgabe etwas, aber eben nicht viel Neues: „Ein paar Balken und Trennlinien mussten ihr Leben lassen – dafür ist jetzt Platz für größere Bilder und längere Berichte“, referiert Steudel über den Rebrush. „Auch ansonsten gibt’s mehr: eine neue Seite eins, zwei Fotos der Woche und mehr Raum für Ihre Meinung auf unserer ausgebauten Leserseite.“


Ewiges Duell „Sport Bild“ vs. „kicker“

Berechtigt ist der selbstbewusste Auftritt des 21 Jahre alten „Bild“-Ablegers, der sich stolz im Untertitel „Europas Nr.1“ nennt, nach harten Fakten allemal: Mit im zweiten Quartal durchschnittlich verkauften 480.345 Exemplaren kann sich die „Sport Bild“ der unangefochtenen Marktführerschaft rühmen – und erreichte damit mehr als doppelt so viel wie der „kicker“, der es nur noch auf 218.299 verkaufte Exemplare bringt.
Aber inhaltlich? Es bleibt die ewige Geschmacksfrage zwischen Boulevard- und anspruchsvollem Journalismus, die auch im Genre der Fußball-Publikationen im Dauer-Duell zwischen der Springer-Sportblatt und dem altehrwürdigen „Kicker“ aus Nürnberg ausgefochten wird. Der Unterschied ist so groß wie die geografische Distanz – oder wie die grölende Fankurve zum überdachten Sitzplatz.

Geht der lange Abstand zwischen Redaktionsschluss und Erstverkaufstag gut?

Der „kicker“, das sind Portraits in vier engen Spalten, geprägt von leisen Untertönen und gut gesetzten Pointen. „Sport-Bild“, das sind Kracher-Headlines in Riesenlettern, gerne geprägt vom Drang nach neuesten Enthüllungsgeschichten. „Jetzt spricht Ribéry“, darf Bayerns Superstar auf der heute erschienenen Ausgabe verkünden. Und Dampfplauderer Lothar Matthäus Woche für Woche neu in seiner Kolumne vom Leder ziehen: „Heynckes ist jetzt reif“, fällt dem 48-jährigen Rekordnationalspieler nach dem gelungenen Saisonstart von Bayer Leverkusen ein. Wie gesagt, Geschmackssache.
 
Unbestreitbares Problem bleibt bei allen immer wieder interessanten Enthüllungsgeschichten indes der Erscheinungstermin – oder vielmehr die Diskrepanz zwischen Redaktionsschluss am Sonntag und dem Erstverkaufstag am Mittwoch. Gerade in der schnelllebigen Bundesliga-Medienzirkus erscheinen die drei Tage kaum überbrückbar.

Für den selbstbewussten Blattmacher Alexander Steudel ist das indes kein Problem: „Als Chefredakteur muss ich sonntags ein sicheres Gefühl dafür haben, was mittwochs noch exklusiv ist“, erklärt der „Sport Bild“-Chefredakteur der Printausgabe von „kress“. Über zwei Jahrzehnte ging das gut. Doch dass die Dominanz kein Naturgesetz ist, musste unlängst auch der FC Bayern erfahren.

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