Übernahmecoup: Yahoo kauft Maktoob

Carol Bartz landet den ersten Coup: Rund ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt kann die 60-Jährige die erste große Übernahme verkünden. Für 85 Millionen Dollar übernimmt der Online-Pionier Yahoo das arabische Web-Portal Maktoob, das seine Nutzerschaft innerhalb eines Jahres fast verdreifacht hat. Wichtiger noch: Auf einen Schlag bekommt Yahoo damit einen Kundenstamm von 16 Millionen Nutzern hinzu. Unterdessen überarbeitet Yahoo seine Mail-, Messenger- und Suche-Dienste.

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Es klingt ein bisschen wie Märchen aus 1001 Nacht: Nachdem der einstige Internetstar in Schlüsselmärkten in den USA und Europa in vergangenen Jahren immer weiter zurückgefallen war und von der Werbekrise schwer getroffen wurde, sucht Yahoo jetzt sein Heil im Nahen Osten.
Tatsächlich: Die Zukunft für Yahoo könnte in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Jordanien, Kuwait und Saudi-Arabien liegen. Das zumindest legt ein Investment nahe, mit dem Yahoo heute für Aufsehen sorgte: Stolze 85 Millionen Dollar opferte Yahoo aus seiner Kriegskasse, um wieder für Wachstumsfantasie zu sorgen.
 
Maktoob-Übernahme: „Zeitenwende für die Branche“?
 
Dafür bekommt das strauchelnde Webportal den Zuschlag beim dominierenden Portal aus dem Nahen Osten, Maktoob, das von nicht weniger als einem Drittel der genutzt wird. Maktoobs andere Online-Aktivitäten wie eine Auktionsseite, ein Bezahldienst, Internet-Spiele und die Internetsuche sind indes nicht Teil des Übernahmepakets.

„Zu Yahoos 20 Millionen Nutzern aus der arabischen Welt kommen weitere 16 Millionen“, erklärte Maktoob-Vizepräsident Ahmed Nassef. Das bedeutet „eine Zeitenwende für die Branche“, findet Nassef.

„Der Deal unterstreicht unsere Verpflichtung, in die Schwellenländer zu investieren“, erklärte Yahoos Vizepräsident für die Emerging Markets, Keith Nilsson, in einer Presse-Konferenz in Dubai, United Arab Emirates. „Der Online-Werbemarkt befindet sich in dieser Region gerade erst im Anfangsstadium, so dass wir großes Wachstumspotenzial sehen“, verbreitet Nilsson Optimismus.
 
„Kein anderes globales Unternehmen hat bisher so ein Investment getätigt“
Gleichzeitig bedeutet der Zukauf für die neue Yahoo-Chefin Carol Bartz, die nach dem vielfach kritisierten Such-Deal mit Microsoft unter Zugzwang stand, aber auch nicht weniger als ein Abenteuer. Das weiß Yahoo selbst: „Kein anderes globales Unternehmen hat bisher so ein Investment mit lokaler Bedeutung in der arabischen Welt getätigt“, erklärt das US-Internetportal in seiner eigenen Presserklärung.
 
Auch auf dem Heimatmarkt ist Yahoo unterdessen aktiv geworden. So überarbeitete Yahoo über Nacht seine Mail-, Messenger -und Suche-Dienste. Anleger goutierten die Neuigkeiten mit moderaten Aufschlägen: Die Yahoo-Aktie notiert zu Handelsbeginn an der Wall Street rund 1 Prozent fester bei rund 15 Dollar.

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