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Schirrmacher gesteht: „Ich war dabei“

Mit unverhohlener Ironie hat "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher zugegeben, Gast der umstrittenen Geburtagsfeier von Josef Ackermann im Kanzleramt gewesen zu sein. Seine Darstellung wirft die Frage auf, ob die Kritik der Medien an dem Fest auf Kosten der Steuerzahler begründet ist, oder ob es sich nicht eher um die Skandalisierung eines Allerwelts-Events handelt. Schirrmacher nennt auch Namen weiterer Mediengäste: Friede Springer, Mathias Döpfner, Kai Diekmann und "Focus"-Ressortleiter Stephan Sattler.

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Berechtigte Empörung oder Sommertheater? Das Abendessen für  den Chef der Deutschen Bank am 22. April 2008 erregt jedenfalls die Gemüter. Die „FAZ“ schreibt von einem „Sturm der Entrüstung“ und zitiert Grünen-Chefin Renate Künast mit der Aussage, eine Kanzlerin könne nicht jemandem anbieten, „auf Kosten des Steuerzahlers seinen 60. Geburtstag mit freier Entscheidung über 30 Gäste im Kanzleramt zu feiern“. Auch die SPD, die Linkspartei sowie der Bund der Steuerzahler hatten heftig protestiert.
Zuvor hatte die Bundesregierung auf die parlamentarische Anfrage einer Abgeordneten der Linken eingeräumt, dass Kanzlerin Merkel das Abendessen für Ackermann einige Wochen nach dessen 60. Geburtstag ausgerichtet und aus dem Haushaltsetat finanziert habe. Wie hoch die Kosten sind, ist unklar. Die Bundesregierung nannte lediglich einen Posten für externes Service-Personal in Höhe von 2100 Euro. Am Mittwoch soll die Regierung nun die exakten Kosten beziffern.
Der entscheidende Punkt dabei ist, ob es sich um eine private oder offizielle Veranstaltung gehandelt hat. Zwar soll Ackermann 30 Gäste selbst eingeladen haben, die meisten Teilnehmer bekleideten allerdings führende Ämter bei Verbänden. Selbst der Verbandsgeschäftsführer des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, relativierte gegenüber RP Online: „Es finden jede Woche Essen im Kanzleramt statt, die in der Regel immer offiziellen Charakter haben.“ Daher stehe der Vorwurf der Verschwendung von Steuergeldern auf „wackeligen Beinen“.
Schirrmacher erinnert sich seinem „FAZ“-Artikel wie folgt: „Sehr viel wurde über Bildung gesprochen und über die Präsentation deutscher Kultur im Ausland. Ich habe sehr profitiert. Niemand schien betrunken. Es wurde nicht getanzt. Petra Roth erwähnte Goethe.“ Klingt nicht gerade nach einem rauschenden Geburtstagsparty. Schirrmacher weiter: „Ich kann zu meiner Entschuldigung nur sagen, dass ich ähnliche Geburtstagsessen auch schon beim Bundespräsidenten erlebt habe, zum Beispiel bei Hans Magnus Enzensbergers siebzigstem Geburtstag, wo das Essen, wie mir schien, in jedem Fall nicht schlechter war. Ich habe nicht gesehen: Udo Walz, Sabine Christiansen oder Til Schweiger.“ Könnte es sich vielleicht doch um einen regelkonformen Abend im Kanzleramt gehandelt haben?
Dennoch widmet auch das Bildblog der Angelegenheit einen längeren Beitrag unter der Überschrift „Die Springers bei der Ackermann-Sause“, geht dabei allerdings vor allem der Frage nach, warum die „Bild“ dem Streit um das Abendessen keine Zeile widmet und ein Artikel zum Thema bei Bild.de nur über die Suche auffindbar ist. Darüber lässt sich sicher streiten, ansonsten ist man jedoch geneigt, Frank Schirrmacher zu vergeben, der sein Geständnis mit den salbungsvollen Worten schließt: „Ich habe bekannt. Nun richtet mich.“

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