Widerstand gegen DuMonts Synergie-Pläne

Da ist bei der "Berliner Zeitung" der verhasste Eigentümer David Montgomery durch das ehrenwerte Kölner Traditionsunternehmen DuMont abgelöst worden, aber die Redaktion kommt aus dem Protestieren nicht heraus. Die "Berliner Zeitung" soll laut Presseberichten ihre Ressorts Wirtschaft und Wissenschaft weitgehend an die "Frankfurter Rundschau" abgeben. In Berlin ist man mal wieder "entsetzt". Der Redaktionsausschuss der "Berliner Zeitung" hat sogleich ein Protestschreiben verfasst.

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Das Schreiben ging an an Chefredakteur Uwe Vorkötter, DuMont-Vorstand Franz Sommerfeld, Mit-Gesellschafter Helmut Heinen sowie Verleger-Sohn Konstantin Neven DuMont. Die neuen Pläne zur Zusammenlegung von Ressorts stellten einen „einen gravierenden Verstoß gegen das Redaktionsstatut der ‚’Berliner Zeitung'“ dar, heißt es in dem Schreiben. Von den Zusammenlegungsplänen sind offenbar auch die Ressorts Medien und Politik betroffen. So soll angeblich die Medienberichterstattung der „Frankfurter Rundschau“ künftig aus Berlin kommen. Was die Pläne einer Verzahnung der Politik-Ressorts betrifft, ist noch nichts genaues bekannt. Aber es scheint klar, dass auch hier die „Berliner Zeitung“ die Federführung übernehmen dürfte.

Insofern ist es fast erstaunlich, dass die Redaktion der „Berliner“ sich jetzt so lautstark beschwert und in dem Protestschreiben meint, die Sparmaßnahmen würden den „Qualitäts-Status der ‚Berliner Zeitung‘ unmittelbar und nachhaltig schädigen.“ Die Kooperationspläne, die jetzt durchgesickert sind, sind dabei durchaus differenziert. So soll das Wirtschaftsressort in Berlin formal offenbar bestehen bleiben, de facto aber von der „Frankfurter Rundschau“, die an Deutschlands wichtigstem Finanzplatz sitzt, bestückt werden. Das alles ist für einzelne betroffene Redakteure nicht schön, aber neutral betrachtet ergibt eine solche Arbeitsteilung durchaus Sinn.

Ein ähnliches Modell wäre in umgekehrter Richtung für das Politik-Ressort denkbar. Es sei sogar möglich, dass diese Kooperationsmodelle später auf weitere Ressorts, wie Sport, Feuilleton und Vermischtes ausgedehnt werden. Auch weitere Abo-Titel des Verlags, wie „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „mitteldeutsche Zeitung“, könnten bei Erfolg einbezogen werden. Die Umsetzung der ersten Kooperationsstufen könnten im Frühjahr 2010 erfolgen. Dass der Protest der Berliner-Redaktion etwas nützt, ist nicht zu erwarten. In der Tat dürfte es so sein, dass eine enge Zusammenarbeit der Redaktionen bei den DuMont-Tageszeitungen zwingend notwendig ist, um die Blätter zukunftssicher zu machen.

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