„So eine Sendung ist hartes Brot“

Nach der ersten Sendung "Ihre Wahl! Die Sat.1-Arena" hagelte es negative Kritik und schlechte Quoten. Moderator Stefan Aust hält die Sendung trotzdem für wichtig und gelungen. Die Zuschauer im Privatfernsehen müssten erst wieder an politische Formate gewöhnt werden. Im Detail werde das Sendungs-Konzept aber nachgebessert. Warum Stefan Aust mit den Quoten eigentlich doch ganz zufrieden ist und was bei den künftigen Sendungen verbessert werden soll, verrät er im MEEDIA-Interview

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Die Kritiken zu ihrer Auftaktsendung waren eher negativ. Haben Sie sich die Lektüre schon angetan?

Ja, einmal querbeet. Aber ich habe ehrlich gesagt auch keine besonders guten Kritiken erwartet. Erstens kann nicht alles immer aalglatt laufen, Leute müssen sich auch erst an so ein Format gewöhnen. Dass dann die Kollegen mit gespitzter Feder bereitstehen, das habe ich erwartet.

Wie beurteilen Sie selbst die erste Sendung?

Das Studio ist sehr gut, die Konzeption stimmt im Prinzip auch. Ich glaube, es ist richtig, die Zuschauer in Form von E-Mail, Twitter, Webcam und dergleichen einzubeziehen. Dass das eine komplizierte Angelegenheit ist und diese Unterbrechungen den Gesprächsfluss stören ist logisch. Daran werden wir aber noch arbeiten.

Gab es zuviel an interaktivem Klimbim?

Wenn man sich entscheidet, die Zuschauer einzubeziehen, dann muss man die Sendung eben interaktiv machen. Dass das an einzelnen Stellen vielleicht noch etwas unbeholfen war und den Gesprächsfluss stoppte, das mag sein. Ich bin traditionell auch eher ein Anhänger klassisch geführter Interviews. Es kann durchaus sein, dass es nachteilig ist, wenn man das Gespräch zu sehr kleinhackt. Wir werden das analysieren.

Die Quoten waren sehr schlecht – wie entsetzt sind Sie von den Zahlen?

Ich bin von den Quoten überhaupt nicht entsetzt. Ich bin ja nicht erst seit gestern in dem Gewerbe tätig. Unterm Strich war es etwas weniger als ich gehofft habe aber etwas mehr als ich gedacht habe. Man muss das mal vergleichen: RTL hat vor kurzem auf dem eingefahrenen Sendeplatz von „Spiegel TV“ eine Sendung mit Frank-Walter Steinmeier und eine mit der Kanzlerin gemacht. Diese Sendungen waren von den Quoten her nicht wesentlich besser. Dazu ist RTL der quotenstärkere Sender und der Sendeplatz von „Spiegel TV“ ist für ein politisches Format seit Jahren gelernt. Bei Sat.1 müssen sich die Leute erst wieder daran gewöhnen. Wenn man sich unter diesen Voraussetzungen in ungefähr derselben Quoten-Größenordnung bewegt, dann hat man nicht soviel falsch gemacht.

Sat.1 hat ihre Sendung gegen „Anne Will“ programmiert. War das unfair?

Wissen Sie, es ist ein verdammt hartes Brot, im Privatfernsehen so eine Sendung zu machen. Und es ist sehr schwer, damit eine gute Quote zu erzielen. Das private Fernsehen hat Werbeunterbrechungen, mit denen die Sender ihr Geld verdienen. Nach jeder Werbeunterbrechung fangen wir quasi neu an. Das kann man nicht mit „Anne Will“ vergleichen. Da machen es sich Kritiker viel zu leicht, wenn sie nur die absoluten Zahlen gegeneinander halten und nicht berücksichtigen, wie die zustande kommen. „Anne Will“ bekommt vorneweg siebeneinhalb Millionen Zuschauer vom „Tatort“ zugeliefert, was sich extrem auf die durchschnittliche Zuschauerzahl auswirkt. Dann gibt es keine Werbe-Unterbrechung vorneweg und keine während der Sendung. Und trotzdem waren wir beim Marktanteil der jungen Zielgruppe besser. Wenn man das alles berücksichtigt, dann steht unsere Sendung gar nicht schlecht da.

Leiden die politischen TV-Formate am lahmen Wahlkampf?

Ganz sicher. Wenn es schon im Wahlkampf nicht aufregend ist, ist es auch schwer in den Sendungen etwas Aufregendes zu bieten. Die Leute kennen die Kandidaten aus tausend Interviews und Talkshows, in denen immer wieder das Gleiche gesagt wurde. Deswegen haben wir sehr bewusst Stimmen von außen in die Sendung mit hineingenommen. Ich glaube aber, die schlichte Tatsache, dass sich nicht alle Zuschauer des Privatfernsehens nicht für Politik interessieren, sollte die Sender nicht davon abhalten, dennoch politische Sendungen zu machen.

Eigentlich waren zu Guttenberg und Lafontaine für einen politischen Journalisten eine Traumpaarung. Wenn man mit denen keine gute Quote holen kann, mit was dann?

Man muss die Leute erst wieder langsam an eine solche Gesprächskultur gewöhnen. Die Kritiker machen einen Fehler, wenn sie alles, was im Privatfernsehen an politischer Sendung neu gemacht wird, gleich von vorneherein sehr heftig angehen. Wir alle, auch die schreibenden Journalisten, müssen uns bemühen, den jungen Bürgern und Wählern Politik näher zu bringen.

Viele Kritiker haben moniert, man habe von Ihnen während der erweiterten Talkrunde zu wenig gehört. Die Süddeutsche notierte gar, dass Ihnen von Sabine Christiansen das Wort abgeschnitten worden sei? Fühlen Sie sich in dem Format mit sehr vielen, schnell wechselnden Elementen wohl?

Ich habe mich gefreut, dass ich neben Sabine Christiansen saß. Sie hat natürlich bei Talk-Formaten im Fernsehen weit mehr Erfahrung als ich. Deswegen habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn sie die An- und Abmoderationen der Einblendungen wesentlich übernimmt. Das kann man in einer solch komplexen Sendung nicht abwechselnd machen. Ich habe von vorneherein gesagt, dass das sie mal machen soll.

Werden die nächsten Sendungen anders aussehen?

Wir müssen noch üben, wie wir mit den Einblendungen und den Stellungnahmen von außen umgehen. An welchen Stellen wir das einblenden, ob wir das vielleicht lieber bündeln, statt das Gespräch zu häufig zu unterbrechen. Dann kann man sich auch fragen, ob nicht zwei Gäste und zwei Moderatoren am Tisch ausreichen. Das analysieren wir alles. Ich habe aber auch zur Sendung viel positiven Zuspruch bekommen. Viele haben gesagt, das sei etwas neues im Fernsehen und ein Entwicklungsschritt hin zu einer Sendung, die sich an die Leute richtet, die im Internet leben.

Es wurde zumindest bei Twitter viel über die Sendung diskutiert. Haben Sie das registriert?

Aber sicher. Das ist wirklich bemerkenswert. Und das muss man von der Wirkung her eigentlich auch noch bei der TV-Zuschauerzahl hinzurechnen.

Spiegel Online hat auch eine Kritik zur Sendung veröffentlicht. Fühlten sie sich von ihren ehemaligen Kollegen fair behandelt?

Das sind für mich Kritiker wie alle anderen auch. Ob jemand für Spiegel Online schreibt oder für „Welt“ oder „Bild“, das macht für mich keinen Unterschied. Ich erwarte jedenfalls nicht, dass Spiegel Online mit mir freundlicher umgeht als mit jedem anderen auch. Das haben die übrigens bisher auch nie gemacht. Sabine Christiansen und ich, wir könnten uns bequem zurücklehnen und sagen, wir haben unsere Meriten schon gehabt. Aber wenn man sich buchstäblich in die Arena begibt, dann muss man auch damit rechnen kritisiert zu werden. Damit habe ich überhaupt kein Problem.

Was halten Sie für die gelungenste politische Sendung im deutschen TV, außer ihrer eigenen?

Es gibt gelegentlich bei „Anne Will“ gute Sendungen, es gibt mal bei Frank Plasberg gute Sendungen. Es gibt immer mal bessere und mal weniger gelungene Sendungen. Ich kann nicht sagen, dass es eine regelmäßige Sendung gibt, die ich für die beste halte. Ich freue mich immer, wenn bei dem vielen Schund, der im Fernsehen läuft, Sendezeit an entscheidender Stelle für politische Sendungen zur Verfügung gestellt wird. Manchmal hat man den Eindruck, dass Kritiker alles dafür tun, eine politische Sendung, so schnell wie möglich wieder aus dem Programm zu entfernen. Aber das kann doch nicht Sinn der Sache sein.

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