„Reader’s Digest“ beantragt Gläubigerschutz

Planvoll in die Pleite: Mit einer Auflage von einst 18 Millionen Exemplaren galt der "Reader's Digest" lange als das größte Magazin der Welt. Das war einmal. Nachdem der US-Verlag vom Finanzinvestor Ripplewood ausgesaugt wurde, bleibt dem "Reader's Digest" nur noch der kontrollierte Gang in die Insolvenz. So hat der US-Verlag am heutigen Montag Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Auf die Deutschland-Tochter soll die Insolvenz keine Auswirkungen haben.

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Es ist das erwartete Ende einer Institution der US-Verlagszene. Die Reader’s Digest Association, die ihre gleichnamige Monatszeitschrift in 22 Sprachen bei einer Auflage von über 18 Millionen Exemplaren vertreibt, musste heute US-Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen. Bereits in der vergangenen Woche war über eine mögliche Insolvenz spekuliert worden.   

Die Reader’s Digest Association befindet sich schon seit Längerem in schwerem Fahrwasser. CEO Mary Berner hat bereits im November 2008 weltweit 280 Mitarbeiter abgebaut, einen einwöchigen, unbezahlten Urlaub verordnet und Sozialleistungen gestrichen.
Das US-Unternehmen hat derzeit etwas über zwei Milliarden US-Dollar Schulden und wird von den Rating-Agenturen Moodys und Standard & Poors als „Junk“ bewertet, die niedrigste Rating-Stufe.

Die Investmentgesellschaft Ripplewood Holdings hatte Reader‘s Digest 2007 für rund 2,6 Milliarden US-Dollar übernommen und daraufhin von der Börse genommen. Mit dem Antrag auf Gläubigerschutz verbindet das Traditionsunternehmen nun die Hoffnung auf einen geordnete Restrukturierung unter staatlicher Aufsicht. Die Schuldenlast soll sich durch die kontrollierte Insolvenz auf 550 Millionen Dollar sinken.
„Dies ist eine finanzielle Maßnahme zur Reduzierung der Schuldenlast des Konzerns, die sich ausschließlich auf die USA beschränkt“, erklärt der Konzern. Alle Reader’s Digest-Gesellschaften außerhalb der USA sollen ihre Geschäfte wie gewohnt weiterführen.

Deutschland-Chef Werner Neunzig stellt klar: „In den vergangenen fünf Jahren konnte unsere lokale Gesellschaft in Folge ein stetiges Wachstum von Umsatz und Gewinn erzielen. Angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds ist dies eine besondere Leistung.“ Weiter sagt der Geschäftsführer. „Unsere Geschäftstätigkeit ist stabil und hochprofitabel und wir werden sie daher in unserem lokalen Markt Deutschland, Schweiz und Österreich unverändert erfolgreich weiterführen.“

Für die Deutschland-Tochter (inklusive Schweiz und Österreich) war der Verlauf des Geschäftsjahres 2009, das am 30. Juni endete, laut Neunzig „sehr zufriedenstellend“. So konnte der Umsatz 5,4 Prozent gesteigert werden. Das Anzeigengeschäft legte sogar um 7,7 Prozent zu.

Reader‘s Digest ist nicht nur ein Medien- sondern nicht zuletzt auch ein Direkt-Marketing-Unternehmen. Über die Abo-Kartei werden auch hierzulande zahlreiche Produkte wie Bücher, CDs, Videos und auch Finanzdienstleistungen verkauft.

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