Kritik an Poschman nach Marzahn-Äußerung

Es sollte nur eine "humoristische Randnotiz" sein, doch jetzt wird die flappsige Bemerkung Wolf-Dieter Poschmanns über die Hammerwerferin Betty Heidler zum Politikum. "Wenn man in Marzahn aufgewachsen ist und das unbeschadet überlebt hat, ist man zu allem fähig", sagte der ZDF-Moderator über den Erfolg der Silbermedaillen-Gewinnerin Heidler. Die Berliner Politik reagierte prompt: "Was wir nicht brauchen, ist arrogantes Herabsehen aus dem Westen", sagte etwa Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau.

Anzeige

Es war das Finale der Hammerwerferinnen. Die deutsche Athletin musste sich nur der Polin Anita Wlodarczyk geschlagen geben, die im zweiten Durchgang Weltrekord warf: 77,96 Meter. Heidler verlor zwar ihren Titel, erzielte aber mit 77,12 Metern einen neuen deutschen Rekord und die Silbermedaille. In diesem Wettkampf rutschte ZDF-Moderator Wolf-Dieter Poschmann die umstrittene Äußerung heraus.

Die Berliner Politik reagierte empört über die verbale Entgleisung des ZDF-Sportjournalisten. Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) erklärte, dass ihr Heimat-Kiez Marzahn schon „sehr viele talentierte Künstler, Sportler und Paralympics-Sieger hervorgebracht“ habe. Auch andere Politiker verurteilten den Lapsus Poschmanns: „Ich bedauere es außerordentlich, dass Journalisten der Öffentlich-Rechtlichen, die selbst vermutlich noch nie in ihrem Leben einen Fuß in den Bezirk Marzahn-Hellersdorf gesetzt haben, sich in dieser Art und Weise diskreditierend über die Bewohner hier äußern“, sagte Barbara Pohle, Bürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf.

Auch die CDU-Politikerin Monika Grütters sagte, dass sich Poschmann schämen solle. „Solche Äußerungen helfen nicht beim Zusammenwachsen“, so die Bundestagsabgeordnete. Auch in den Medien wird der Fehltritt diskutiert. So bezeichnet etwa der „Tagesspiegel“ Poschmann als den großen Verlierer der Weltmeisterschaften.

Beim ZDF stellt man sich unterdessen hinter seinen Leichtathletik-Moderator. Sportchef Dieter Gruschwitz erklärte: „Die Formulierung sollte in keinster Weise den Bewohnern von Marzahn zu nahe treten.“ Die Äußerung sei als „humoristische Randnotiz“ gemeint gewesen. Gruschwitz bedauere, dass sie als solche nicht wahrgenommen worden war.

Beim ZDF waren auf MEEDIA-Anfrage bislang weder Poschmann noch Gruschwitz für weitere Stellungnahmen zu erreichen.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige