Das Medienecho zur Sat.1-„Wahlarena“

Sat.1 debütierte mit der Wahlkampf-Polit-Show "Ihre Wahl! Die Sat.1-Arena", und die deutsche TV-Kritik durfte die Griffel Spitzen. Das Doppel-Comeback der ehemaligen Talkstars Sabine Christiansen und Stefan Aust, das Sat.1 selbstbewusst gegen die ARD-Valium-Queen Anne Will programmierte, forderte die Kritik geradezu heraus. Und die haute auch prompt drauf. MEEDIA fasst das Medienecho zur Premiere der "Wahlarena" zusammen.

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Die „FAZ“ diagnostizierte „ein fahriges, ein fades Potpourri, ein sechzig Minuten langer Vorlauf ohne Finale.“ Als es endlich versprach, spannend zu werden, sei die Sendung schon vorbei gewesen. Redakteur Michael Hanfeld durfte offenbar bei der Live-Sendung vor Ort dabei sein. So wusste er zu berichten, dass das Warm-up mit Beteiligung interessanter gewesen sei, als die eigentliche Sendung: „Das einstündige Warmlaufen mit Publikumsbefragung zum Beispiel, in dem sich ein Gast als Nichtwähler, ein anderer als hartnäckiger CDU-Parteigänger zu erkennen gab – und das zu begründen wusste. Von Oskar Lafontaine erwarte er nicht viel, sagte der nächste, denn der habe als Superminister nach neun Monaten die Flinte ins Korn geworfen und klopfe seither nur Sprüche.“ Solch „provozierende Einschätzungen“ vermisste der „FAZ“-Kritiker in der eigentlichen Sendung.

Auch sueddeutsche.de-Chef Hans-Jürgen Jakobs ließ kaum ein gutes Haar an der „Wahlarena“: „Man nehme drei von gestern gegen einen von heute, lasse sie über die üblichen aktuellen politischen Girlanden reden, mische das Ganze mit etwas Twitter, zwei Einheiten Webcam, ein paar E-Mails und reichlich SMS – und schon glaubt der älteste deutsche Privatsender, ein Rezept für eine Show im Wahlkampf zu haben.“ Das Moderatoren-Duo Aust/Christiansen sei „der perfekte Gruß aus der Vergangenheit, ein freundlich-lautes ‚Hallo!‘ aus den neunziger Jahren des alten Jahrhunderts“ gewesen. Immerhin attestierte der Kritiker von sueddeutsche.de Sat.1, ambitioniert zu sein, allerdings „zu ambitioniert“. Die Zeit sei für zu viele Mätzchen draufgegangen. „Je länger das hektische Treiben währte, desto stärker wurde der Wunsch nach einer einfachen Gesprächsrunde im Stuhlkreis.“

Den Stuhlkreis bekam man parallel bei „Anne Will“ in der ARD geboten. stern.de beschäftigte gleich zwei TV-Kritiker, die sich „Anne Will“ und die „Wahlarena“ vornahmen. Bei der Kritik zur Sat.1-Show stand dann erstmal das äußere Erscheinungsbild der Sabine Christiansen im Mittelpunkt: „Und nun steht sie da in knallengen Jeans, hohen Absätzen und mit merkwürdig starrer Miene – ein Schelm, wer Schöhnheitschirurgisches dabei denkt.“ In der Folge macht sich die „stern.de“-Kritik vor allem über Patzer lustig: „Natürlich versemmelt La Christiansen gleich die erste Ansage. Die Zuschauer dürften in der neuen ‚Sat.1-Wahlarena‘ mitmachen, sagt sie. ‚Zum Beispiel, indem Sie uns eine Webcam senden.‘ Ja, dann alle bitte schnell Pappkarton und Briefmarke raussuchen, spätestens in drei Tagen liefert die Post die Webcam aus.“

Am Ende dann ein fast versöhnliches Fazit. Bei „Anne Will“ hätten sich mal wieder alle mit allen verquatscht (Thema war übrigens der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr), die „Wahlarena“ sei „fokussierter“ gewesen. Außerdem wurde das Fehlen der „Betroffenheitscouch“ gelobt. Bei Aust/Christiansen saß die „betroffene“ Mittelständlerin mit am Tisch. Aber auch stern.de meinte: „Sat.1 muss medial abrüsten. Dieser Overkill an Einspielfilmen, SMS-Laufbändern, Twitter-Fragen und Krumbiegeleien ist nervtötend. Schön, dass die TV-Sender das Internet entdeckt haben. Jetzt müssen sie nur noch lernen, es geschmeidig zu nutzen.“

Focus Online tutete ins selbe Horn und legte noch ein bisschen an Kritik zu. „Noch nie war Politik-TV so peinlich“, befand die Focus-Online-Kritikerin zur Sat.1 „Wahlarena“: „Inhalte? Haltungen? Programme? Gab es leider keine. Falls doch? Unter den schönen Spielzeugen, die Sat.1 vorgeführt hat, kann sie keiner wahrgenommen haben. Auf jede Microfaser-Stretch-Hose bei QVC wird liebevoller eingegangen als auf die Politiker und ihre Politik in dieser Sendung. Wenn eine Talk-Show dem Talk nicht mehr vertraut, hat sie sich vom Start weg überflüssig gemacht.“

Bei Welt Online wurde gar nicht so sehr auf das mediale Durcheinander der „Wahlarena“ draufgehauen. Der Kritiker war zu sehr damit beschäftigt, Karl Theodor zu Guttenberg zu bewundern: „Verbindlich lächelnd meistert Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die erste Runde der Sat-1-Arena. Hochaufgeschossen steht er dem Moderatoren-Duo Sabine Christiansen und Stefan Aust gegenüber. Scharf analysiert der schwarze Baron die Themen und gibt im Schnelldurchlauf seine eigenen Thesen zum Besten.“ Sogar von Oskar Lafontaine lasse sich „KT“ nicht aus der Bahn werfen, analysiert Welt Online: „Er dreht den Spieß vielmehr um und bremst den Linken aus, indem er versucht, ihn auf die Ebene der Sachthemen zu ziehen.“ Das haben viele andere anders gesehen.

Und Spiegel Online? Zeigt keine Scheu die Sendung mit Ex-„Spiegel“-Chef Stefan Aust ebenfalls zu kritisieren, vermeidet dabei aber Häme oder allzu harte Töne. „Stefan Aust schweigt. Vielleicht bräuchte er, ähnlich wie die Zuschauer, einen Moment der Ruhe. Um seine Gedanken zu sortieren. Es geht einfach alles zu schnell. Ist alles zu viel“, heißt es in der Kritik. Das „Zuviel“ wird auch bei SpOn kritisiert: „Das Experiment artet aus. Sabine Christiansen, deren Firma TV21 die Sendung produziert, hat den Polittalk ein bisschen zu gründlich aufgepeppt.“ Am Ende, nach einem Hinweis auf die miesen Quoten, aber immerhin ein vergleichsweises wohlwollendes Fazit: „Eins aber hat die neue Sat1.-Talkrunde trotzdem geschafft. Die Zeit zwischen den Werbeblöcken verging wie im Fluge.“

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