RTL kritisiert den neuen Kanal ZDFneo

Die vorhersehbare Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Kurz nach der Ankündigung des neuen ZDF-Kanals ZDFneo, der den bisherigen ZDF Dokukanal ab 1. November ersetzen soll, gibt es kritische Stimmen aus dem Lager des Privatfernsehens. Tobias Schmid, Bereichsleiter Medienpolitik bei RTL, sagte der "FAZ", er halte es für eine politische Fehlentscheidung, dass dem ZDF der neue Kanal genehmigt wurde. RTL und Co. sehen in dem als Familien-Spartenprogramm angekündigten ZDFneo so etwas wie ein verkapptes Vollprogramm.

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Schmid nannte ZDFneo wörtlich einen „indifferenten Jugendfamilienmusikunterhaltungskanal“. Weiter bezeichnete er es als fragwürdig, dass die Mainzelmännchen die Neo-Zielgruppe zwischen 25 und 49 Jahren als Sparte definieren. „Für wen sendet dann eigentlich noch das ZDF-Hauptprogramm mit Auftrag zur Grundversorgung“, fragte RTL-Mann Schmid. Mit ZDFneo will Intendant Markus Schächter vor allem junge Familien ansprechen. Die Primetime des Kanals wurde darum auch von der bekannten Uhrzeit 20.15 Uhr auf 21 Uhr verlegt, weil berufstätige Familienoberhäupter oft erst nach 20 Uhr Zeit zum Fernsehen fänden.

Man kann die späte Primetime freilich auch als vorgezogenes Argument gegen die Kritik aus den Reihen der Privatsender interpretieren. Denn dass die sich über einengebührenfinanzierten ZDF-Kanal mit der expliziten Zielgruppe 25 bis 49 ärgern würden, war eigentlich klar. Traditionell liegt der Schwerpunkt der privaten Vollprogramme bei der so genannten jungen,werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Ein werbefreies ZDF-Programm, das explizit in dieser Zielgruppe fischt, kommt den ohnehin unter finanziellem Druck stehenden Privatsendern so gelegen wie Pest und Cholera.

Nützen werden die Klagen von privater Seite nichts. Die Bundesländer haben ZDFneo bereits abgesegnet. In einem Interview mit dem Online-Mediendienst DWDL gab sich Intendant Schächter demonstrativ gelassen: „Die Sache selbst ist durch, da gibt es keine Diskussion mehr. Das ist im 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag so definiert. Wir werden, keine Frage, am 1. November starten.“ Schächter will bei ZDFneo vor allem auch mit Dokumentationen punkten. So soll um 20.15 Uhr beispielsweise „Terra X“ laufen und zur 21-Uhr-Primetime dann eine Wiederholung der erfolgreichen Geschichtsreihe „Die Deutschen“.

Derzeit hat ZDFneo eine technische Reichweite von 50 Prozent der deutschen Haushalte. Schächter rechnet aber damit, dass dieser Wert schnell steigen wird. Bei Erfolg deutet der oberste Mainzel-Mann bereits weitere Zusatzkanäle nach dem ZDFneo-Vorbild an. „Erfolg liegt heute im Angebot einer starken Senderfamilie, in der sich die unterschiedlichen Zielgruppen unter dem Dach des ZDF wiederfinden“, sagte Schächter bei der Vorstellung von ZDFneo. Den Interessensvertreter des Privatfernsehens wird die Arbeit in naher Zukunft nicht ausgehen.

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