Anzeige

Piratenpartei besiegt etablierte Parteien

Überall wird derzeit die Wichtigkeit des Wahlkampfes im Internet betont. Parteien und Kandidaten dürften das Netz nicht unterschätzen, hier würde sich womöglich sogar die Wahl entscheiden. Aber ist das so? Interessieren sich die Nutzer im Internet überhaupt für Parteipolitik? MEEDIA hat mit Hilfe des Google-Research-Tools Ad Planner nachgeschaut, wie viele Besucher die offiziellen Websites der Parteien haben. Das Ergebnis ist für die großen Parteien erschreckend.

Anzeige

Für unsere kleine Untersuchung haben wir alle 27 zur Bundestagswahl im September zugelassenen Parteien in die Wertung genommen und im Ad Planner nachgeschaut, wie viele Unique Visitors, also unterschiedliche Nutzer, die jeweiligen offiziellen Partei-Websites im Juli hatten. Nur 14 Parteien kamen schließlich ins Ranking, die anderen 13 – darunter u.a. die Bayernpartei, die Partei Bibeltreuer Christen oder die Rentner-Partei-Deutschland – hatten so wenige Nutzer, dass der Ad Planner keine Zahl ausspuckt.

Das Ranking der 14 Parteien, für die Zahlen vorliegen, wird – wenig überraschend – von der Piratenpartei angeführt. 160.000 Leute besuchten im Juli laut Ad Planner die Website der Partei. Wenig überraschend ist dieser Platz 1 deswegen, weil keine andere kleine Partei derzeit so viel Medienpräsenz bekommt und die Piraten zudem eine extrem internet-affine Zielgruppe haben. Überraschender sind allerdings der Vorsprung der Piratenpartei und die miserablen Zahlen der etablierten Parteien. So verfügte spd.de, offizielle Website der Sozialdemokraten auf Platz 2 nur über 58.000 Unique Visitors. Mit anderen Worten: Selbst wenn die 58.000 Leute allesamt im wahlfähigen Alter waren, so besuchten im Juli nur 0,09% der 62,2 Mio. Wahlberechtigten spd.de. Eine verheerend niedrige Zahl. Auf Platz 3 folgt Bündnis 90 / Die Grünen, dahinter dann die CDU und die Linke.

Würde man die Zahlen von cdu.de und csu.de zusammenzählen und Doppelnutzer herausrechnen, lägen die beiden Parteien wohl in etwa auf SPD-Niveau und vor den Grünen. Nur auf Platz 6 findet sich die FDP, erschreckenderweise gleichauf mit der NPD. Mit aufgelistet haben wir – wenn auch außer Konkurrenz – noch die beiden Parteien, die nicht für die Bundestagswahl zugelassen wurden und damit für Diskussionen sorgen: Gabriele Paulis Freie Union verfügte – wohl wegen des Medienrummels – über 18.000 Unique Visitors und läge damit nicht weit hinter der CSU. Martin Sonneborns Die Partei kam auf 11.000 Unique Visitors und hätte damit im Internet ebenfalls einen Top-Ten-Platz erreicht.

Natürlich sind die Websites der Parteien nur ein Teilaspekt des Wahlkampfes im Internet. Hinzu kommen virale Kampagnen, soziale Netzwerke oder Plattformen wie Twitter. Doch der Ausgangspunkt aller Wahlkampf-Bestrebungen sind nunmal die Parteien-Websites. Die Nutzerzahlen dieser Seiten sind für die Parteien daher ziemlich ernüchternd. Ein Massenpublikum lässt sich im Netz mit Parteienpolitik offenbar noch lange nicht erreichen. Sobald die August-Zahlen vorliegen, werden wir unsere Untersuchung wiederholen und nachschauen, ob die heiße Phase des Wahlkampfes mehr Publikum auf die Websites spült.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige