Günther Jauch sinniert über TV-Rückzug

Das aktuelle "Zeit Magazin" veröffentlicht ein ebenso bemerkenswertes wie langes Gespräch mit Deutschlands TV-Liebling Günther Jauch. Darin sinniert Jauch mehrfach mit einem Teil-Rückzug aus dem TV-Geschäft. "Was wäre, wenn ich kein Fernsehen mehr machen würde?", fragt er sich gleich zu Beginn des Textes. Zumindest kürzer treten wolle er in Zukunft, was das Fernsehen betrifft. Doch das Thema politische Talkshow in der ARD hat er offenbar immer noch nicht ganz abgehakt.

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Vor drei Jahren war Jauch der Wunschkandidat der ARD für das Nachfolgeformat zur sonntagabendlichen Talkshow Sabine Christiansens. Sender und Moderator wurden sich fast handelseinig, im letzten Moment machte Jauch einen Rückzieher. Er fürchtete das Gremien-Hickhack der ARD und Einflussnahme der Sender-Chefredakteure. „Ich hatte die Befürchtung, dass ich den Sender und mich unglücklich mache. Ich weiß aber nicht, ob das tatsächlich so passiert wäre. Ich werde es wohl nie erfahren“, sagte er jetzt dazu in dem „Zeit“-Magazin. Ganz aus dem Kopf verbannt hat er die Idee aber offenbar nicht, irgendwann eine politische Sendung zu machen. Viele glauben, dass er genau der richtige für den Job wäre. Er selbst denkt das auch: „Ich sitze oft vor dem Fernseher und denke: So, jetzt hat sie oder er den Politiker! Der Ball liegt vor dem leeren Tor, man muss ihn nur noch reinschieben. Aber was passiert? Die Kollegen stoppen den Ball und laufen mit ihm in die andere Richtung.“

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt habe Jauch Kontakt zu ARD-Bossen gehalten, notiert das „Zeit Magazin“. Seine Firma I & U produziert für die ARD und Jauch selbst sagt in dem Gespräch: „Die Signale, die in der Zeit nach meiner Absage von der ARD kamen, waren durchaus freundlich.“ Klingt fast nach einer Perspektive. In den Niederungen des TV-Alltags bei seinem Brötchengeber RTL wird er ab September für die neue Show „5 gegenJauch“ vor der Kamera stehen. Dort muss er unter der Moderation von Oliver Pocher sein Allgemeinwissen unter Beweis stellen.

Die zehn Jahre „Wer wird Millionär?“ sind an Jauch nicht spurlos vorübergegangen. In den Zeilen des Gesprächs-Protokolls schimmert eine gewisse Amtsmüdigkeit durch. Jauch kommt als einer rüber, der viel erreicht hat und trotzdem nicht recht zufrieden ist mit sich und seinem Lebenswerk. Alles, was er gemacht hat, sei flüchtig gewesen, sagt er. „Die Sendungen an sich“ würden im schon noch Spaß machen, sagte er, um hinterherzusetzen: „…aber das Drumherum…“Jauch, der Zerrissene . Er kritisiert die heutige Fixierung auf Kosten beim TV-Geschäft. Die entscheidende Frage sei längst: Wie viel Geld bleibt pro Stunde übrig?“ Gute Quoten alleine seien heutzutage kein Garant mehr dafür, dass eine Sendung fortgesetzt wird. Und selbst mischt er in diesem Geschäft mit seiner Firma I & U, die Shows produziert wie „Das unglaubliche Quiz der Tiere“, kräftig mit.

Nach der Lektüre des fast 20.000 Zeichen umfassenden Jauch-Textes im „Zeit Magazin“ kann man die Seelenlage von Deutschlands beliebtesten TV-Moderator wie folgt kurz zusammenfassen: GüntherJauch fehlt es an Substanz.

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