Warum Thomas Garms Springer verlässt

Nach acht Jahren bei Springer ist für Thomas Garms Schluss. Der 51-Jährige hatte sich weder als Chefredakteur der "Welt am Sonntag" noch der "Hörzu" behaupten können und führte seit April den diffusen Titel "Vice President Business Development International", eine Position, die eigens für ihn geschaffen worden war. Im Konzern wird kolportiert, die Chemie zwischen Garms und Zeitschriften-Vorstand Andreas Wiele habe nicht gestimmt. Andere Quellen halten diese Variante für irreführend. Garms verfolgt nun eigene Projekte.

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Dass Garms nach seiner Ablösung als „Hörzu“-Chefredakteur durch den „TV Digital“-Gründer Christian Hellmann Ende März im Konzern verblieb, überraschte Insider nicht. Der langjährige Weggefährte und Studienkollege von Vorstandschef Mathias Döpfner fiel ebenso weich wie vor ihm „Welt“-Chefredakteur Jan-Eric Peters (leitet heute die Springer-Journalistenschule) oder Ex-„WamS“-Chef Christoph Keese (inzwischen Konzerngeschäftsführer Public Affairs) – beide hatte Döpfner geholt und nach dem Entzug ihrer operativen Aufgaben weiterbeschäftigt.
Garms, der vor seiner Springer-Zeit bei der Milchstraße („Fit for Fun“) sowie bei der Motorpresse („Men’s Health“) im Lifestyle-Segment Chefredakteurs-Posten innehatte, fühlte sich in der neuen Rolle offenbar von Anfang an unwohl. Statt der gewohnten redaktionellen Hektik oblag ihm nun die Sondierung ferner Märkte. Nicht gerade das, was einen langjährigen Magazinmacher ausfüllt. Hinzu kamen angeblich noch atmosphärische Verspannungen im Binnenverhältnis mit dem einflussreichen Zeitschriftenvorstand Andreas Wiele. Diese Erklärung wird von mit den Vorgängen vertrauten Personen allerdings in Zweifel gezogen: Zwischen Wiele und Garms habe es zuletzt kaum noch Berührungspunkte gegeben, die „Zerrüttungstheorie“ gebe der Angelegenheit „einen falschen Spin“. Wie dem auch sei: Trotz oder auch wegen des guten privaten Drahts zum Vorstandschef zog Garms die Konsequenzen – im Einzelbüro fernab vom Machtkonzert fühlte sich der promovierte Musikwissenschaftler fehlbesetzt.
Eine Anekdote aus der Zeit seines Wirkens bei Springer wird Garms wohl noch geraume Zeit verfolgen. Als „WamS“-Chefredakteur hatte er 2002 in der Rubrik „Immobilie der Woche“ ein eigentümliches Objekt platziert: Wo sonst millionenteure Anwesen in ganz Europa angepriesen wurden, bot Garms sein privates „Architektenhaus“ bei Hamburg für schlappe 459.000 Euro an. Für ihn wohl die teuerste Immobilienanzeige seines Lebens, sie kostete ihn neben 11.000 Euro, die Döpfner im Nachhinein von ihm einforderte, letztlich den Chefrakteurs-Job bei der Zeitung. „‚WamS‘-Chef makelte in eigener Sache“, spottete das „Manager Magazin“.
Der Verlag bestätigte den Abgang und teilte mit, dass Garms „auf eigenen Wunsch und in bestem Einvernehmen“ ausscheide. Auch wenn davon auszugehen ist, dass Thomas Garms den Verlag im Besitz eines finanziell mehr als fairen Aufhebungsvertrags verlässt, dürfte er in der Print-Szene alsbald wieder in Erscheinung treten – man darf gespannt sein, mit welchem Konzept.

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