Anzeige

Die dpa zum Geburtstag am Scheideweg

Am diesem Dienstag feiert die Deutsche Presseagentur (dpa) ihren 60. Geburtstag. Am 18. August 1949 wurde die bedeutendste deutsche Nachrichtenagentur in Goslar im Hotel Achtermann gegründet. In ihrer bewegten Geschichte verschickte die Agentur ganze zwei Dutzend der äußerst seltenen Blitzmeldungen. Zum Beispiel beim Tod John F. Kennedys oder bei der Ermordung Hans-Martin Schleyers durch die RAF. Feierlaune will bei der dpa in diesen Tagen aber nicht aufkommen. Die Agentur befindet sich im Umbruch.

Anzeige

So werden die dpa-Redaktionen im kommenden Jahr eine neue Zentralredaktion in Berlin beziehen. Es soll einen neuen, integrierten Newsroom geben und viele Synergien sollen die dpa fit für die nächsten 60 Jahre machen. Die dpa blickt an ihrem Geburtstag auf eine ruhmreiche Vergangenheit und in eine ungewisse Zukunft. Das Internet und die Krise vieler Zeitungen bedrohen das klassische Geschäftsmodell der Nachrichtenagentur. Große Zeitungsgruppen, wie die WAZ in Nordrhein-Westfalen, glauben schon, dass es auch ohne sie geht.

Der zum Jahresende ausscheidende dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn bezeichnete in einem aktuellen Interview mit tagesschau.de das Internet als größte Herausforderung für die Agentur. Es gehe künftig darum, nicht nur die Nachricht zu benennen, sondern sie zu veredeln: „Der Hintergrund, die Analyse, die die Erklärung dazu gibt, und wie man Themen setzt – darauf kommt es immer mehr an.“ Im neuen Jahr bekommt die dpa dann mit Wolfgang Büchner einen neuen Chefredakteur. Als ehemaliger „Spiegel Online“-Macher steht er auch als Person für die neue Zeit.

Seine Aufgabe wird es sein, die große Vergangenheit der dpa mit der unsicheren Zukunft zu verheiraten. Internationalen Ruhm erntete die Agentur erstmals 1963 mit einer ihrer höchst seltenen Blitzmeldungen. Die dpa brachte als erste Agentur weltweit die gesicherte Nachricht vom Tod des damaligen US-Präsideten John F. Kennedy. Ein Jahr später setzte sie den guten Ruf wieder aufs Spiel, ebenfalls mit einer Todesmeldung. 1964 meldete die dpa den Tod des sowjetischen Staatschefs Chruschtschow – der lebte allerdings noch. In ihrer 60-jährigen Geschihte verschickte die Agentur nur rund zwei Dutzend Blitzmeldungen. Normale Eilmeldungen gibt es weitaus öfter.

Gegründet wurde die dpa mit Hilfe angloamerikanischer Nachrichten-Offiziere unter dem Eindruck des gerade zu Ende gegangenen Zweiten Weltkriegs. Der langjährige dpa-Chefredakteur Hans Benirschke erinnert sich, dass die alliierten Presseoffiziere vor allem auf die saubere Trennung von Nachricht und Meinung und eine sichere Quellenlage Wert legten. Auch die deutsche Agentursprache sollte von jedem Nazi-Jargon befreit werden, das Wort „Führer“ war tabu. Der „Lokomotivführer“ schaffte es später dann doch wieder in den dpa-Wortschatz.

Die Grundprinzipien der strikten Trennung von Meinung und Nachricht und die jahrzehntelang gepflegte, nüchtern, sachliche Agentursprache, werden heute auch kritisch hinterfragt. Die dpa-Sprache wirke manchmal zu hölzern, kritisierte Chefredakteur Herlyn selbst schon in Interviews. Die Agentur versucht, sich der neuen Zeit anzupassen, ohne die Tradition einer seriösen Nachrichtenagentur über Bord zu werfen. Über das reine deutsche Basisangebot der dpa hinaus sind mittlerweile auch andere Dienste wichtig geworden für das Geschäft. Die Tochtergesellschaft News Aktuell verschickt erfolgreich Pressemitteilungen gegen Geld und auch fremdsprachige dpa-Dienste erfreuen sich einiger Beliebtheit. Zumindest der englischsprachige und arabische dpa-Dienst würden profitabel arbeiten, heißt es. Im Frühjahr hat die dpa zusätzlich einen türkischsprachigen Dienst gestartet. Vom Ruhestand ist die Deutsche Presseagentur an ihrem 60. Geburtstag weit entfernt.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige