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TV-Auftritt: Steinmeier scheitert an 5%-Hürde

Niemand soll denken, dass eine schwache Quote nicht zu unterbieten wäre: Drei Monate nach den schon äußerst mäßigen Werten der Zuschauer-Fragestunde mit Angela Merkel durfte gestern der Kanzlerkandidat ran – und bescherte RTL einen Flop auf ganzer Linie. Frank-Walter Steinmeier scheiterte im Gesamtpublikum mit 4,0 Prozent sogar an der Fünf-Prozent-Hürde, in der Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen schalteten die Zuschauer scharenweise weg: unzweifelhaft der Tiefpunkt der Sonntagabend-Unterhaltung.

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Niemand soll denken, dass eine schwache Quote nicht zu unterbieten wäre: Drei Monate nach den schon äußerst mäßigen Werten der Zuschauer-Fragestunde mit Angela Merkel durfte gestern der Kanzlerkandidat ran – und bescherte RTL einen Flop auf ganzer Linie. Frank-Walter Steinmeier scheiterte im Gesamtpublikum mit 4,0 Prozent sogar an der Fünf-Prozent-Hürde, in der Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen schalteten die Zuschauer scharenweise weg: unzweifelhaft der Tiefpunkt der Sonntagsabend-Unterhaltung.
Das Konzept der Sendung entsprach dem Vorläufer mit der Kanzlerin: Zwei Moderatoren, Spiegel TV-Frontfrau Maria Gresz und RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel, dazu Einspieler mit Bürgerfragen und vereinzelte Nachfragen von den Studiogästen. Sowas kann funktionieren oder wenigstens nicht peinlich wirken, wenn der Hauptdarsteller seine Rolle ausfüllt. Das war leider nicht der Fall.
Vielleicht hat Frank-Walter Steinmeier, dem es ja nicht an politischer Erfahrung mangelt, im Wahlkampf einfach die falschen Berater. Vielleicht, und das ist wohl wahrscheinlicher, liegt ihm die Rolle als Kanzlerkandidat und Hoffnungsträger so ganz und gar nicht. Sein Versuch, Gestik, Mimik und Ansprache des vormaligen Volkstribuns Gerhard Schröder zu kopieren, scheiterte auf ganzer Linie und raubte dem in Umfragen hoffnungslos zurück liegenden Kandidaten jeglichen Rest von Authentizität. Und das ebenso offenkundige Bemühen, die Fragestunde im Merkel-Stil mit dem Griff in die Phrasenkiste der persönlichen Lebensberater über die Runden zu bringen, machte den Abend geradezu bleiernd inhaltsleer. Was auf der großen Fernsehbühne ablief, war so mitreißend wie ein Ortstermin eines Kommunalwahlkämpfers in der Fußgängerzone.
Tröstende Floskeln und die Punkte 13 c) oder 47 f) aus dem Wahlprogramm: Steinmeier redete viel und sagte doch kaum was: Der Mann, der die Republik führen will, menschelte und laberte sich ins politische Niemandsland – und ins Quotenloch: Nur 4,0 Prozent Marktanteil im Gesamtpublikum und 5,2 in der werberelevanten Zielgruppe dürften den schlechtesten Wert markieren, den RTL jemals auf diesem Sendeplatz eingefahren hat. Mit Kanzlerin Merkel hatten die Kölner hier lange vor der heißen Phase des Wahlkampf noch 5,9 sowie 7,1 Prozent geholt.
Die Quoten-Bilanz Steinmeiers ist umso aussagekräftiger, als der RTL-Vorfilm mit 18,9 Prozent in der Zielgruppe sehr ordentlich gelaufen war. Zu Beginn der Steinmeier-Stunde (nach dem Werbebreak um 22.05 Uhr) hatte RTL immerhin noch einen Marktanteil von 8,3% bei den 14- bis 49-Jährigen. Der schrumpfte dann rapide zusammen. Im letzten Teil der Sendung (22.55 Uhr bis 23.22 Uhr) gab es nur noch 4,4%. Im Gesamtpublikum herrschte hingegen von Beginn an kein Interesse, hier gab es über die gesamte Sendung gesehen konstant schwache Marktanteile um 4%.
Angesichts des desaströsen Ergebnisses wird man sich bei RTL überlegen, ob ein solches Format zukunftsfähig ist. Dem Vernehmen nach hatten die Kölner zunächst nur die Sendung mit der Kanzlerin geplant. Auf Drängen von SPD-Kreisen habe man dann auch dem Kandidaten ein Forum gegeben. Gewarnt war man ohnehin, denn die ZDF-Porträts „Kanzlerin Merkel“ und „Kandidat Steinmeier“ hatten einen Vorgeschmack geliefert, wie letzterer in der Quote „performen“ würde – die Amtsinhaberin erzielte auch hier im Gesamtpublikum wie in der Zielgruppe beinah doppelt so hohe Quoten wie der Herausforderer.

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