Web-Echo zu Springers Bezahl-Offensive

Die Ankündigung von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, für digitale Inhalte künftig Geld zu verlangen, ist ein Paukenschlag. Zwar will Döpfner zunächst nur mit kostenpflichtigen iPhone-Apps für Bild.de oder Welt.de starten, die Bezahlstrategie danach aber konsequent ausbauen. Die Reaktionen auf die Paid-Content-Offensive lassen nicht lange auf sich warten. Blogger Don Alphonso schäumt, bei Twitter macht man sich lustig. Dabei befindet sich Döpfner ganz auf der Linie von Web-Vordenker Chris Anderson.

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Anderson propagiert in seinem aktuellen Buch „Free“ das sogenannte Freemium-Modell. Also kostenpflichtige Premium-Inhalte und kostenlose Basis-Infos. Diesen Begriff nahm Springer-Chef Döpfner bei der Ankündigung seiner Paid-Content-Offensive auch in den Mund. Das Konzept dahinter erläuterte Anderson kürzlich in einem „Zeit“-Interview: „Etwa 90 Prozent sind bei Freemium kostenlos, ein Zehntel können Sie verkaufen. Sie benutzen das frei zugängliche Angebot, um die Nachfrage nach dem bezahlten Teil zu steigern.“

Gleichzeitig setzt Döpfner darauf, dass Kunden bereit sind, für Inhalte auf Mobilgeräten wie dem iPhone zu zahlen. Blogger Don Alphonso hält dagegen: Bereits 2003 beim Ende der New-Econmy sei von der „Kostenlos(un)kultur“ die Rede gewesen und schon damals habe es geheißen, der Impuls für das kostenpflichtige Internet müsse von mobilen Diensten kommen für die der Kunde zu zahlen bereit sei. Alphonso ätzt: „Ergänzt man das Geschwalle um die Wort „iPhone“ und „Apps“, ist man 2009, in der nächsten Wirtschaftskrise, bei Herrn Döpfner von Springer angekommen.“ Prinzipiell sei es „gar nicht so dumm“, Inhalte online gegen Geld anzubieten, so Alphonso weiter. Er bezweifelt nur, dass die Inhalte der etablierten Medienhäuser gut genug sind, dass jemand dafür bezahlt. In den Worten des Bloggers: „Ich glaube nur nicht, dass der aktuelle Infomüll von BurdaSpringerSZ und wer da sonst noch an den bezahlweihnachtsmann glaubt, dazu angetan ist, jemanden zahlen zu lassen.“

Spiegel Online wägt Für und Wider einer solchen Bezahl-Strategie ab. Immerhin hat der Spiegel Verlag sich vor einiger Zeit entschlossen, sogar das Heft-Archiv online komplett kostenlos zur Verfügung zu stellen. In demSpOn-Beitrag wird aber darauf verwiesen, dass man in den USA, wo die Medienkrise noch viel drastischer ist, bereits über Bezahlinhalte hinausdenkt. Einige Verlage wollen sich dort das Recht einräumen lassen, auf ihren Websites auch Glücksspiele anzubieten, um den Journalismus zu subventionieren. Allein solch eine Idee wäre in Deutschland undenkbar.

Skepsis gegenüber der Paid-Content-Offensive von Springer klingt beim Artikel von Silicon.de durch. Der Online-Dienst verweist auf eine Aussage vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, wonach die Nutzerzahlen dramatisch zurückgehen, sobald im Netz für Inhalte Geld verlangt wird.“

Auch bei Twitter überwiegt die Skepsis gegenüber den Bezahlplänen von Axel Springer. Einige Twitter-Kommentare: “ So, so, Axel Springer will Kostenlos-Kultur im Internet durchbrechen. Wieviel bezahlen die mir dann?“ „Springer-Inhalte auf dem iPhone ansehen? Nope, sorry!“, „Glaube kaum, dass sich der Bildleser ein iPhone leisten kann. Noch nicht.“

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