USA: Medienkonzerne fordern Nielsen heraus

US-Medienkonzerne fordern die Vorherrschaft des Marktforschungsunternehmen Nielsen Research bei der Reichweitenmessung des Bewegtbildkonsums heraus. Zu diesem Zweck haben nach einem Bericht von FT.com Branchen-Giganten wie NBC Universal, Time Warner, News Corp, CBS und Walt Disney ein Konsortium gegründet. Anlass für den Schritt ist ihre Unzufriedenheit mit Nielsens Messmethoden: Die separate Erfassung der Reichweiten bei Fernsehen und Online-Video ist ihrer Ansicht nach mangelhaft.

Anzeige

Die Liste der Nielsen-Herausforderer liest sich wie die Allianz der Mächtigen im US-Mediengewerbe. Neben den oben genannten Konzernen beteiligen sich Viacom und Discovery an dem Vorstoß, Procter & Gamble, AT&T und Unilever sind im Boot, außerdem die WPP Medienagentur GroupM und Starcom MediaVest.

Das Problem bestehe vor allem darin, dass es keine gemeinsame Messung für die verschiedenen Bewegtbildquellen Fernsehen und Internet gebe, zitiert FT.com Sam Armando, der bei Starcom Mediavest für die Reichweitenanalyse zuständig ist.

Der US-Fernsehwerbungsmarkt hat ein Volumen von umgerechnet rund 50 Milliarden Euro im Jahr. Bei der Verteilung von diesem Geld sind die Zuschauerzahlen das maßgebliche Kriterium. Nielsen befragt das Fernsehverhalten von 18.000 Haushalten und außerdem den Online-Konsum einer anderen repräsentativen Gruppe.

Nach Ansicht des Konsortiums reicht die separate Untersuchung des TV-Zuschauerverhaltens auf einzelnen Plattformen nicht mehr aus. Das boomende Video-Angebot im Internet hat das Konsumverhalten völlig verändert. Nur cross-mediale Erhebungen könnten messen, welche Bewegtbilder wirklich beim Kunden ankommen. Darüber hinaus habe sich die Umstellung der Nielsen-Messmethode von schriftlichen Einträgen auf Fernbedienung als Fehler erwiesen; die neue Datenerhebung habe nachweislich dazu geführt, dass die Ergebnisse verfälscht wurden.

Erste Aufträge an Marktforschungsunternehmen will die Allianz im vierten Quartal dieses Jahres vergeben. Beobachter sind allerdings keineswegs davon überzeugt, dass das Konsortium überhaupt ernst machen will. Möglicherweise hat der Vorstoß nur den Zweck, Nielsen unter Druck zu setzen, die eigenen Methoden zu verbessern. Immerhin äußerte auch Armando diplomatisch, der Schritt solle nicht als „lasst uns ausziehen, Nielsen zu ersetzen“ verstanden werden.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige