Döpfner kündigt Paid-Content-Offensive an

Im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kündigt Mathias Döpfner, Vorstandschef von Axel Springer, eine Paid-Content-Offensive für diesen Herbst an. Geplant sei zunächst ein kostenpflichtiges iPhone-Programm für digitale Inhalte von Bild.de, Welt.de, Computerbild.de und eventuell noch weitere Springer-Angebote. Auch im Internet, u.a. bei Abendblatt.de, will Döpfner künftig immer mehr Inhalte nur gegen Bezahlung anbieten.

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So plane der Verlag für Regionalzeitungen ein so genanntes „Freemium“-Modell wie es von „Wired“-Chefredakteur und Web-Vordenker Chris Anderson in seinem neuen Buch „Free“ propagiert wird. Allgemeine Nachrichten sollen etwa bei Abendblatt.de weiter gratis sein. Artikel in Regionalzeitungen, die aber etwa exklusiv aus einer Stadtverordnetenversammlung berichten und sonst nirgends zu lesen sind, sollen Geld kosten. Ebenso für das Archiv oder Services wie einenStaumelder will Döpfner digital zur Kasse bitten.

Der Erfolg von Apples App-Store für das iPhone hat den Springer-Chef ganz offenbar angefixt. „Wir werden den Markt nicht über Nacht verändern, aber die Zahlungsbereitschaft ist gerade bei Mobilfunkkunden, insbesondere bei Besitzern des iPhones, groß“, bemerkt Döpfner in der „FAZ“. Interessant am Rande: Weit über die Häfte der mobilen Zugriffe auf digitale Springer-Inhalte stammen vom iPhone, so Döpfner.

Immerhin schränkte er ein, dass der Wechsel von Gratis- zu Bezahlinhalten nicht über Nacht von statten gehen könne. Auch die Nachrichten selbst sowie deren Aufbereitung müsse kreativer, exklusiver oder individueller sein als heute.Döpfner befindet sich mit dem Ruf nach Paid Content in guter Gesellschaft. Gerade vor kurzem hat News-Corps-Chef Rupert Murdoch verkündet, alle Websites seines Medienreiches von der Londoner „Times“ bis hin zu Boulevardtiteln wie der „Sun“ kostenpflichtig zu machen. Ganz so radikal ist Döpfner nicht, er wirkt aber auch fest entschlossen, den „Gratis-Geburtsfehler“ des Internet, wie es „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann mal ausdrückte, zu beheben.

Wie er sich den von Verlagen gerne geforderten Leistungsschutz vorstellt verriet Döpfner der „FAZ“ auch noch. Ihm schwebt offenbar eine Art Gema für Print- und Online-Inhalte vor. „Wie etwa in der Musikbranche bietet es sich an, eine Verwertungsgesellschaft für Inhaltenutzung durch Firmenkunden und die Zweitverwertung von Inhalten zu betreiben“, sagte er. Und zwischendurch rutschte er dann sogar ein wenig ins Pathetische ab: „Wir haben als Verleger geradezu eine heilige Verantwortung, alles zu versuchen, um eine Wirtschaftsgrundlage für die digitale Welt zu schaffen.“ Man darf gespannt sein,was geschieht, wenn die „heilige Pflicht“ in die Realität umgesetzt wird.

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