CDU-Minister fordert türkische Redakteure

Kurioser Vorschlag aus dem Integrationsministerium Nordrhein-Westfalens: Minister Armin Laschet fordert, dass "Menschen mit Zuwanderungsgeschichte noch stärker in deutsche Redaktionen einziehen". Hintergrund dieser skurrilen Forderung ist eine Studie, die das Ministerium in Auftrag gegeben hat und die stern.de vorliegt. Demnach sehen zwar 88 Prozent der türkischstämmigen Migranten sowohl deutsches als auch türkisches Fernsehen. Aber 55 Prozent bevorzugen Programme aus der alten Heimat.

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Der Minister sieht in diesen Zahlen einen Missstand, der die Zukunft des deutschen Fernsehens nachhaltig bedrohe. „Bereits heute stammen in vielen nordrhein-westfälischen Städten 40 bis 50 Prozent der Kinder aus Zuwandererfamilien. Wenn diese sich und ihre Lebenswirklichkeit in den deutschen Medien nicht wiederfinden“, so der Integrationsminister, „dann gehen dem deutschen Fernsehen langfristig Zuschauer aus.“ Bundesweit seien es nur 16 Prozent der türkischstämmigen Migranten, die deutsche TV-Sender lieber sähen als türkische. Laschet erklärte dies gegenüber stern.de damit, dass türkische Sender verstärkt Emotionen ansprechen und mehr Unterhaltung böten.

Um im deutschen Fernsehen besser auf die Rezeptionsgewohnheiten der Migranten einzugehen, entwickelt der Minister eine abstruse Idee: „Eine Lösung könnte sein, dass Menschen mit Zuwandersgeschichte noch stärker als bislang in deutschen Redaktionen einziehen“, so Laschet gegenüber stern.de. Ob das ein sinnvolles Konzept darstellt, um Migranten in die deutsche Medienlandschaft zu integrieren, darf bezweifelt werden.

Die Studie bietet an anderer Stelle einen viel interessanteren Ansatz. Türken werden als Nicht-EU-Ausländer nicht bei der Quotenmessung der Fernsehforschung berücksichtig. Migrationsexperte Klaus J. Bade bringt es auf den Punkt, indem er sagt, dass man mehr auf die Vorlieben der Einwanderungsgesellschaft eingehen sollte. Dazu müsste freilich die Quotenmessung nivelliert werden. „Integration sollte auch im Fernsehen mit einer Vielfalt der Geschmäcker leben“, so Bade.

In der Studie wurden 1650 Migranten mit türkischem Hintergrund befragt. Als Ergebnis der Studie hält das Ministerium fest, dass die befragte Gruppe „medial bikulturell integriert“ sei. Dennoch sehen 55 Prozent der Migranten bundesweit und 58 Prozent in Nordrhein-Westfalen mehr türkisches als deutsches Fernsehen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland ist die Tendenz laut Ministerium leicht steigend.

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