Wikipedia stößt an Wachstumsgrenzen

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia wird voraussichtlich in den kommenden Wochen bei der Anzahl der Artikel die 3-Millionen-Grenze durchbrechen. Doch nach einem Bericht von Guardian.co.uk scheint gleichzeitig die Phase des ungehemmten Wachstums des Projekts zu Ende zu gehen: Die Zuwächse haben sich sowohl bei der Anzahl der Artikel als auch der aktiven und beitragenden Nutzer augenfällig verlangsamt. Die Ursache vermuten Wissenschaftler in einem Machtkampf zweier Fraktionen von Redakteuren.

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Während im Juli 2007 täglich durchschnittlich noch 2.200 Artikel veröffentlicht wurden, sind es heute rund 1.300 Einträge. Nach dem rasanten Anfangswachstum brauchte es für die zweite Million Artikel gerade einmal 17 Monate. Um die dritte Million hinzuzufügen hat die Community nun rund zwei Jahre benötigt. Auch die Zahl der aktiven Wikipedia-Nutzer wächst deutlich langsamer als in der Vergangenheit.

Ed H Chi, ein Wissenschaftler vom Palo Alto Research Center in Kalifornien, hat mit seinem Team die gesamte Struktur von Wikipedia untersucht. Ein Befund: Während das Online-Projekt ursprünglich offen für alle aktiven Nutzer war, kontrolliert heute eine relativ kleine Gruppe von hochrangigen Redakteuren die Änderungen der Enzyklopädie. Während diese Gruppe sich etabliert hat, verlieren Gelegenheits-Mitarbeiter zunehmend das Interesse. Für sie ist die Wahrscheinlichkeit gesunken, einen Eintrag unverändert durchzubekommen.

Als Ursache für das abknickende Wachstum der Wikipedia macht das Chi-Team einen Kampf zwischen zwei Fraktionen von Redakteuren aus, die seit den Anfangstagen miteinander ringen: den „Deletionisten“ und den „Inclusionisten“. Während die Deletionisten (von engl.: to delete = löschen) für eine „saubere“ Wikipedia eintreten, aus der alles Überflüssige entfernt werden muss, kämpfen die Inclusionisten (to include = einbeziehen) für eine uferlose Fülle von Information, auch wenn diese in mangelhaften Artikeln enthalten ist.

Die Wachstumsentwicklung vergleicht Chi mit Hungersnöten: „Nach meiner Erfahrung haben wir diese Wachstumsmuster zuvor nur bei Studien zum Bevölkerungswachstum gefunden – die irgendeine Art von Resourcen-Verknappung als Voraussetzung haben.“ Auch bei einem Lebensmittelmangel konkurrierten die Menschen um das verfügbare Essen – „was eine Verlangsamung des Bevölkerungswachstums auslöst und dazu führt, dass der stärkere, besser angepasste Teil der Bevölkerung Macht gewinnt.“

Bei der Wikipedia scheinen sich nun die Deletionisten durchgesetzt zu haben.

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