„Zeit“ lehnt Vergleich mit Mosley ab

Kein Entgegenkommen: Anders als Springer und die dpa denken die Zeit-Gruppe und ihr Herausgeber Josef Joffe gar nicht daran, in dem Prozess gegen Max Mosley klein beizugeben. So bestätigte eine Verlagssprecherin gegenüber MEEDIA: "Wir schließen keinen Vergleich, sondern lassen das Verfahren laufen und gehen gegebenenfalls in die zweite Instanz." Aber auch der Rennsportfunktionär ist noch nicht fertig mit der Presse. Vor dem Europäischen Gerichtshof kämpft er um ein Grundsatzurteil.

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In dem Prozess gegen den Hamburger Verlag fordert Mosley von der „Zeit“ 50.000 Euro, von Zeit Online 25.000 Euro, außerdem Unterlassung, Widerruf und Richtigstellung. Hintergrund ist die Berichterstattung über Mosleys Teilnahme an einer Sex-Orgie. In den Texten wurden möglicherweise unzulässige Nazi-Bezüge hergestellt. Pikant dabei: Den beanstandeten „Zeit“-Artikel, eine sozial psychologische Betrachtung, hatte „Zeit“-Hauserausgeber Josef Joffe selbst verfasst. Sicher einer der Gründe für die unnachgiebige Haltung der Zeit-Gruppe. Zudem könnte ein „Durchziehen“ des Verfahrens für den Hamburger Verlag auch finanziell lohnend sein. Denn in diesem Fall müsste das Gericht den Streitwert festlegen, der dann sicherlich weit geringer ausfiele als die von Mosleys Anwälten geforderten Summen.

Bei einem ersten Gerichtstermin mit der Zeit regte der Richter einen Vergleich an: Mosley solle auf eine Geldentschädigung und den geforderten Widerruf verzichten, die Zeit-Gruppe im Gegenzug eine Unterlassungserklärung abgeben und die Angelegenheit in redaktioneller Form richtigstellen.

Der Deal erinnert an die Lösung zwischen Mosley und Springer. So druckte die „Bild“ am vergangenen Samstag ein großes Interview mit dem Rennsportfunktionär, in dem er seine Sicht der Dinge erläutern könnte. Zusätzlich verpflichtet sich das Medienhaus, nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“, 200.000 Euro zu spenden. Jeweils die Hälfte davon soll an eine Stiftung der Formel-1-Organisation und an eine Kinderklinik des Berliner Herzzentrums fließen.

Auch in dem dritten großen deutschen Mosley-Verfahren – zwischen dem 69-Jährigen und der Deutschen Presse-Agentur, kam es zu einer außergerichtlich Einigung. Das bestätigte die dpa auf MEEDIA-Anfrage. Wie der Deal allerdings im Detail aussieht ist unklar.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Vereinbahrung auch für die Hamburger Presse-Agentur nicht billig war, denn alleine die Anwalts und Gerichtskosten in solchen Verfahren sind enorm. Sowohl Springer, als auch die dpa mussten diese Kosten voraussichtlich tragen. Alleine die Anwaltskosten für Mosleys ersten Prozess gegen „News of the world“ beliefen sich nach Schätzungen auf rund 570.000 Euro.

Bereits im Sommer 2008 hatte der 69-jährige die britische Zeitung wegen Verletzung seiner Privatsphäre verklagt. Die „News of the world“ hatte auch ein Video veröffentlicht, das Mosley bei sexuellen Handlungen mit fünf Prostituierten zeigt. Mosley hatte den Kontakt zu den Prostituierten zwar eingeräumt, Bezüge zur Nazi-Zeit aber zurückgewiesen. Pikanter Hintergrund: Mosleys Vater Oswald war der bekannteste Faschistenführer Großbritanniens in den 30-er Jahren. Der hergestellte Nazi-Bezug kam die Boulevardzeitung nun teuer zu stehen. Das Blatt musste eine Entschädigung von 76.000 Euro bezahlen.

Auch vor dem Europäische Gerichtshof für Menschenrechte kämpft Mosley weiter gegen die Presse. Der Brite will ein Grundsatzurteil erzwingen, das der europäischen Presse verbieten soll über das sexuelle Leben der Bürger zu berichten. Im „Bild“-Interview sagt Mosley dazu: „Es ist absolut falsch, dass Zeitungen damit Geld verdienen und das Leben von Menschen zerstören.“

Am Freitag, den 4. September soll die Verhandlung zwischen Mosley und der Zeit-Gruppe fortgeführt werden.

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