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Tabloid: Wie riskant ist die Umstellung?

Beim "Handelsblatt" in Düsseldorf hat man sich laut übereinstimmenden Berichten von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" auf eine Verkleinerung des Formats geeinigt. Demnach soll die komplette Wirtschaftszeitung ab 2. November im handlichen Tabloid -Format erscheinen. Offiziell werden noch mehrere Varianten diskutiert. Zur Debatte steht theoretisch auch, dass der bereits geschrumpfte Finanz-Teil ins Unternehmens-Ressort integriert wird. MEEDIA stellt die Vor- und Nachteile des Tabloid-Formats zur Diskussion.

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Pro Tabloid-Format

Handliche Größe: Das Tabloid-Format lässt sich vor allem unterwegs leichter lesen. Gerade für die vielreisende Manager-Kaste, die Zielgruppe des „Handelsblatts“, mag dies ein gutes Argument sein. Im Flugzeugsitz und im Fond der Dienst-Limousine lässt es sich mit einem Tabloid leichter blättern.

Berühmte Vorbilder: Die ehrwürdige Londoner „Times“ und das „Wall Street Journal Europe“ haben es vorgemacht. Beide Zeitungen haben aufs Tabloid-Format umgestellt und beweisen seither, dass kleines Format und großer Anspruch durchaus zusammenpassen.

Geringere Kosten: Mit einem Tabloid-Format spart der Verlag beträchtliche Druck- und Produktionskosten. Man verbraucht schlicht weniger von dem teuren Rohstoff Papier.

Flexiblere Ressorts: eine Tabloid-Zeitung würde als ein Produkt oder Buch erscheinen. Damit fallen die Zwänge weg, dass ein bestimmtes Ressort auf eine bestimmte Seitenzahl festgelegt ist, egal, was die Nachrichtenlage hergibt. Im Tabloid-Format kann die Redaktion je nach Nachrichtenlage den Umfang der Berichterstattung flexibel anpassen.

Magazinige Anmutung: Mit einem Tabloid-Format wirkt die Zeitung schon rein äußerlich mehr wie ein Tagesmagazin. Das Format erlaubt neue optische Spielarten, z.B. ein großes Titelfoto über die gesamte erste Seite. Die Zeitung kann so im Wettbewerb mit dem Internet Punkte machen und hintergründiger werden.

Alleinstellungsmerkmal: Zumindest in Deutschland sind Tabloid-Zeitungen außerhalb des Boulevard-Segments noch ungewöhnlich. Die „Frankfurter Rundschau“ hat den Schritt gewagt, Springers „Welt Kompakt“ erscheint alsTabloid, ansonsten: Fehlanzeige. Mit einer Umstellung auf das Tabloid-Format könnte sich das „Handelsblatt“ von der Konkurrenz abgrenzen und für einen positiven Image-Effekt sorgen.

Contra Tabloid-Format

Weniger Platz: Auf kleinere Seiten passt auch weniger drauf. Der Überblick, den eine große Zeitungsseite im nordischen Format bietet, lässt sich mit einer Tabloid-Zeitung nicht mehr herstellen. Auch große Schaubilder wirken geschrumpft nur halb so gut.

Umstellungskosten: Die gesamte Zeitungsproduktion muss auf das neue Format umgestellt werden und auch die Redaktion muss sich an neue Arbeitsweisen gewöhnen. Das schafft zumindest am Anfang erst einmal Reibungspunkte und zusätzliche Kosten.

Kleines Format = kleine Bedeutung: Eine große Zeitung braucht ein großes Format. Diese Denke ist in Teilen der Leserschaft immer noch verankert. Der Effekt, den eine Formatumstellung aufs Image hat, kann demnach auch negativ ausfallen. Viele konservative Leser assoziieren mit großen Zeitungen auch einen gewissen seriösen Anspruch. Das kleineTabloid-Format wurde traditionell nur von krawallige Boulevardtiteln benutzt. Der emotionale Faktor, wenn ein Manager mit geschrumpften „Handelsblatt“ den Kollegen mit großer „FAZ“ unterm Arm begegnet, lässt sich nur schwer voraussagen.

Probleme der Klammerbindung: Damit das „Handelsblatt“ noch magaziniger wirkt, überlegen die Manager, die Zeitung mit Heftklammern zu binden. Das wäre relativ teuer und würde Spar-Effekte durch die geringeren Druck- und Papierkosten zumindest teilweise wieder zunichte machen.

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