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Max Mosley und Springer einigen sich

Die Samstag-Schlagzeile der "Bild"lautet: "Der Formel-1-Boss spricht über Sex-Party". Über der Headline steht das Zitat: „Das hat mit Nazi nichts zu tun“. Die Story ist – laut "SZ" – offenbar Teil einer außergerichtlichen Einigung zwischen Springer und Mosley. Dieser hatte den Verlag auf 1,5 Millionen Euro Schadensersatz verklagt, weil „Bild“ bzw. Bild.de über die Teilnahme des Automobilfunktionärs an einer Sex-Orgie berichtet und Nazi-Bezüge hergestellt hatten.

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Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ hat sich Springer neben dem Abdruck des Interviews zudem noch verpflichtet, 200.000 Euro zu spenden. Jeweils die Hälfte davon soll an eine Stiftung der Formel 1-Organisation und an eine Kinderklinik des Berliner Herzzentrums fließen.

Neben Springer hatte der Brite auch die Deutsche Presse-Agentur, die „Zeit“ und Zeit Online verklagt. Ob es auch in diesen Fällen zu einer außergerichtlichen Einigung kam, ist noch unklar.

Bereits im Sommer 2008 hatte Mosley die britische Zeitung „News of the world“ wegen Verletzung seiner Privatsphäre verklagt. Die „News of the world“ hatte auch ein Sexvideo veröffentlicht, das Mosley bei sexuellen Handlungen mit fünf Prostituierten zeigen soll. Mosley, hatte den Kontakt zu den Prostituierten zwar eingeräumt, Bezüge zur Nazi-Zeit aber zurückgewiesen: Er sei seit 45 Jahren an sadomasochistischen Praktiken interessiert, dabei spielten Nazi-Phantasien aber keine Rolle. Mosleys Vater Oswald war der bekannteste Faschistenführer Großbritanniens in den 30-er Jahren. Der hergestellte Nazi-Bezug kommt die Boulevardzeitung nun teuer zu stehen. Das Boulevardblatt muss nun eine Entschädigung von 76.000 Euro bezahlen. Außerdem muss die Zeitung die Anwaltskosten Mosleys übernehmen, die auf rund 570.000 Euro geschätzt werden.

Das Gericht urteilte, dass die Berichterstattung über die Sexaffäre die Privatsphäre Mosleys verletzt habe. Auch dessen unkonventionelle sexuellen Aktivitäten seien Privatsache. Allerdings verweigerte Richter David Eady das von Mosley eingeforderte Präzedenzurteil. Es wolle keinen Präzedenzfall schaffen, der investigativen Journalismus in Zukunft behindern könnte. Die Zeitung muss deshalb auch nicht die geforderten Strafzahlungen in Millionenhöhe leisten.

Es ist davon auszugehen, dass die tatsächlichen Zahlungen von Springer an Mosley und seine Anwälte, deutlich höher Ausfallen, als die außergerichtlich Vereinbahrten Geldspenden. Angesichts des Hohen Streitwerts von 1,5 Millionen Euro dürften Gericht- und Anwalts-Kosten in erheblicher Höhe angefallen sein, die wohl auch vom Medienhaus zum Großteil getragen werden.

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