Zeitschriften-Gezicke im Gong-Verlag

Der Gong-Verlag hat gerade ein kleines Lehrstück geliefert, wie man an "Exklusives" rankommt. Man dementiert die "exklusive" Meldung der Schwesterzeitschrift. "die aktuelle" schrieb, dass es Karlheinz Böhm sehr schlecht gehe und er "zum Sterben heim in die Berge" wolle. Böhm dementierte in einem offenen Brief. Nun verkündete "die 2", die wie "die aktuelle" im Gong-Verlag erscheint: "Was wirklich hinter den bösen Verleumdungen steckt". Dass diese aus dem eigenen Verlag stammen, bleibt unerwähnt.

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Der Gong-Verlag hat gerade ein kleines Lehrstück geliefert, wie man an „Exklusives“ rankommt. Man dementiert die „exklusive“ Meldung der Schwesterzeitschrift. „die aktuelle“ schrieb, dass es Karlheinz Böhm sehr schlecht gehe und er „zum Sterben heim in die Berge“ wolle. Böhm dementierte in einem offenen Brief. Nun verkündete „die 2“, die wie „die aktuelle“ im Gong-Verlag erscheint: „Was wirklich hinter den bösen Verleumdungen steckt“. Dass die „bösen Verleumdungen“ aus dem eigenen Verlag stammen, bleibt unerwähnt.

Aber der Reihe nach. Da haben wir zunächst einmal „die aktuelle“. Die Zeitschrift kündigte auf dem Titel der Ausgabe 30/2009 unter dem Schlagwort „EXKLUSIV“ an: „Karlheinz Böhm – Zum Sterben heim in die Berge“. Darin wurde hingebungsvoll geschildert, das der ehemalige Schauspieler und Gründer der Äthiopien-Hilfsorganisation Menschen für Menschen, Karlheinz Böhm, so schwer krank sei, dass er sich zum Sterben „heim in die Berge sehne“. Sein Herz hoffe nur noch auf Frieden. Der vermeintlich todkranke 81-Jährige war dann immerhin noch fit genug, um dem Gong-Verlag in einem offenen Brief die Meinung zu schreiben. „Mein ‚Herz hofft‘ aber nicht ’nur noch auf Frieden‘, sondern verspürt auch eine andere ‚Sehnsucht‘ – nach sauberer journalistischer Berichterstattung“, schrieb Böhm trocken. Der Brief ist auf der Internet-Seite seines Hilfsvereins nachzulesen. Böhm schließt mit den Worten: „Ich bin weder ‚müde‘ noch habe ich ‚Äthiopien den Rücken gekehrt‘. Mir geht es gut und schon bald werde ich wieder in die Projektgebiete zurückkehren. Ich möchte Sie auffordern, in Zukunft Ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht nachzukommen und Ihre Storys besser zu recherchieren.“

Dieser Aufforderung kam nun eine andere Zeitschrift, die ebenfalls im Gong-Verlag in Ismaning erscheint, nach: „die 2“. Die aktuelle Ausgabe 33/2009 macht mit der Geschichte auf dem Titel auf: „Katharina Böhm – Die Wahrheit über mich & meinen Vater“. Darüber steht – natürlich – „Exklusiv!“ und darunter der Satz: „Was wirklich hinter den bösen Verleumdungen steckt“. Im Anlauftext zum „Exklusiv-Interview“ heißt es dann: „Karlheinz Böhm sei sterbenskrank und habe sich zurückgezogen, hieß es kürzlich.“ Und weiter: „Viel ist in den letzten Wochen über den Zustand von Karlheinz Böhm gerätselt worden. Bei der Vorstellung des ZDF-Films ‚Bis an die Grenze‘ traf sich Katharina Böhm (44) mit ‚die 2‘ und räumte auf mit bösen Unterstellungen, ihr Vater sei sterbenskrank.“

„Böse Verleumdungen“, „über den Zustand gerätselt“, „böse Unterstellungen“. Was „die 2“ nicht schreibt ist, dass es ihre Schwester-Zeitschrift „die aktuelle“ war, die diese „bösen Unterstellungen“ in die Welt gesetzt hat, die dann von dpa fröhlich weiterverbreitet wurden, wie das Bildblog berichtete. Ein solcher Schwestern-Krieg unter Zeitschriften ist zumindest bemerkenswert. „die 2“ wird geführt von Carsten Pfefferkorn, der beim Verlag als „Gong“-Chefredakteur begann und mittlerweile mehrere Titel unter seine Führung gebracht hat. Neben „Gong“/“Bild + Funk“ führt er noch „Super TV“ und „die 2“. Als sich der langjährige Chefredakteur von „die aktuelle“ und „die 2“, Tonio Montel, vor kurzem in den Ruhestand verabschiedete, wurden seine beiden Chefredaktionen aufgeteilt. Pfefferkorn bekam „die 2“. „die aktuelle“ wird von Anne Hofmann geführt, die von der Bauer Media Group zum Gong Verlag kam.

Bei Bauer war sie zuletzt Chefredakteurin von „das neue“. Auch dort gab es mal Ärger mit Prominenten. Der Kölner Anwalt Joerg Fischer trat im Auftrag Steffi Grafs im Jahr 2007 an den Bauer Verlag heran, weil unter anderem „das neue“ Geschichten einer Textagentur über das Familienleben der Graf/Agassis abgedruckt hatte, die offenbar frei erfunden waren. Es kam freilich nie zu einem Prozess. Man habe sich hinter den Kulissen mit den Graf/Agassis geeinigt, heißt es im Bauer-Umfeld.

Der Seitenhieb der Zeitschriftenschwester „die 2“ dürfte nicht zur Aufhellung des Betriebsklimas in der Münchner Straße 101 in Ismaning beitragen. Zumal es demnächst womöglich noch weitere Kompetenzen zu verteilen gibt. Die WAZ-Gruppe hat gerade beschlossen, die vier Frauenzeitschriften des Westdeutschen Zeitschriften-Verlags in Düsseldorf, „Das Goldene Blatt“, „Echo der Frau“, „frau aktuell“ und „Neue Welt“, nach Ismaning zu verlegen. Der DJV in Nordrhein-Westfalen fürchtet einen Totalverlust der rund 100 Stellen in Redaktion und Verlag in Düsseldorf. Das wäre bitter für die dort Beschäftigten, bedeutet aber auch, dass auf die bestehenden Redaktionen in Ismaning mehr Arbeit zukommt. Selbst wenn einige Mitarbeiter aus Düsseldorf nach Bayern umziehen sollten. Und die Gong-Chefredakteure könnten vielleicht noch einige Titel mehr unter ihre Verantwortung bringen.

Die WAZ-Gruppe und die beteiligten Chefredakteure wollten auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

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