Worüber Bauer und Tchibo sprechen

Ausgerechnet die in Online-Dingen als sehr zurückhaltend geltende Bauer Media Group könnte in Sachen Anzeigen vielleicht von Google lernen. Bei Bauer wird über eine Mobilfunk-Vermarktung der Zeitschriften "Das Neue", "Das Neue Blatt" und "Neue Post" nachgedacht. Das verriet die Chefredakteurin von "Das Neue Blatt", Petra Hansen-Blank, im MEEDIA-Interview. Ein potenzieller Partner ist offenbar der Hamburger Kaffeeröster Tchibo. Eine Möglichkeit der Zusammenarbeit: erfolgsabhängige Anzeigen.

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Ausgerechnet die in Online-Dingen als sehr zurückhaltend geltende Bauer Media Group könnte in Sachen Anzeigen vielleicht von Google lernen. Bei Bauer wird über eine Mobilfunk-Vermarktung der Zeitschriften „Das Neue“, „Das Neue Blatt“ und „Neue Post“ nachgedacht. Das verriet die Chefredakteurin von „Das Neue Blatt“, Petra Hansen-Blank, im MEEDIA-Interview. Ein potenzieller Partner ist offenbar der Hamburger Kaffeeröster Tchibo. Eine Möglichkeit der Zusammenarbeit: erfolgsabhängige Anzeigen.

Ein Bestandteil des Google-Erfolgsprinzip ist es, dass der Anzeigenkunde nur dann zahlt, wenn die Anzeige wirkt, also jemand darauf klickt und somit die Website des Kunden besucht. Anzeigenkunden bei Google können somit genau protokollieren, wieviele Kunden Google zu ihnen schickt. Sie können sogar erkennen, woher diese Kunden kommen und somit Rückschlüsse auf Konsumverhalten und potenzielle Kaufkraft ziehen. Simples Beispiel: Ein Kunde, der gerade vorher auf einer Yacht-Website zugange war, hat wahrscheinlich mehr Geld in der Tasche, als einer, der von geizkragen.de kommt.

Und nun die Printmedien. Die Anzeigen gehen zurück, die Auflagen sinken, online will das Geschäft nicht so richtig zünden. Was ist zu tun? Die Bauer-Yellows wie „Neue Post“, „Das Neue“ oder „Das Neue Blatt“ waren noch nie sonderlich anzeigenstark. Dort schalten in der Regel Firmen, die die tendenziell ältere Leserschaft ansprechen wollen. Also u.a. Medizinfirmen, Anbieter von Seniorenreisen usw. Von der aktuellen Medienkrise sind diese Blätter naturgemäß weniger betroffen. Wo wenig ist, kann man auch weniger verlieren – anzeigenmäßig. Und an das Sinken der Auflage hat man sich bei den Yellows schon gewöhnt. Aber: Die Auflagen sinken zwar, sind aber immer noch verdammt hoch. „Die Neue Post“ setzt jede Woche immer noch über 625.000 Hefte im Einzelverkauf ab. Selbst wenn Auflage im gleichem Tempo weitersinkt, werden solche Zeitschriften noch auf Jahre hinaus abertausende Käuferinnen finden.

Und jetzt die Frage: Was könnte man den älteren Damen, die „Die Neue Post“ oder „Das Neue Blatt“ lesen, denn noch so verkaufen außer einer Rheuma-Salbe und einer Flusskreuzfahrt? Wie wäre es eben mit einem Handy plus Vertrag, speziell zugeschnitten auf die ältere Zielgruppe? Viele Senioren würden gerne mobil telefonieren, sind mit dem Tarif-Dickicht der Anbieter und dem Bedienungs-Overkill der modernen Handys aber oft überfordert. Bei einem Unternehmen Tchibo könnte man sich nun offenbar vorstellen, den eigenen Mobilfunkvertrieb mit Medien, z. B. von der Bauer Media Group zu koppeln. Wie aus dem Bauer-Umfeld zu hören ist, wurde mit Tchibo-Vertretern über solche Kooperationsmöglichkeiten bereits gesprochen. Dabei stellt man sich auf der Seite der Kaffeemacher offenbar vor, dass Anzeigen flexibel, also erfolgsabhängig entlohnt werden.

Spruchreif ist noch nichts. Aber rein hypothetisch ergibt so eine Idee absolut Sinn. Es wären viele Möglichkeiten denkbar. Bauer und Tchibo könnten einen eigenen Handy-Tarif inklusive seniorentauglichem Handy (große Tasten!) entwerfen und über die Zeitschriften anbieten. Bauer und Tchibo würden sich dann die Erlöse teilen. Oder man versieht solche Print-Anzeigen mit Gutschein-Codes oder speziellen Hotline-Telefonnummern. Auch auf diese Weise könnte man feststellen, welcher Kunde von welchem Medium kommt und eine entsprechende Provision pro Kunde festlegen.

Für die Bauer-Yellows wäre das eine Möglichkeit, in ganz neue Anzeigen-Dimensionen vorzudringen. Und Tchibo könnte ein bisschen Wachstum auch ganz gut gebrauchen. 2007 brach das Tchibo-Ergebnis um 37 Prozent ein. Die Non-Food-Produkte, die in den Filialen angeboten werden ziehen nicht mehr so wie früher. Tchibo setzt daher verstärkt auf Dienstleistungen wie Mobilfunk, Finanzdienstleitung, Reisen und seit neustem mobiles Internet.

Das ganze wäre ein cleverer Mix aus den eher unter Abzock-Verdacht stehenden Direct-Response-Anzeigen (Klingeltöne) und Image-Werbung. Solche Gedankenspiele zeigen jedenfalls, dass die Ideen für eine neuartige und erfolgversprechende Vermarktung von Printmedien noch lange nicht ausgereizt sind.

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