Mercedes Bunz verlässt Tagesspiegel.de

Die Chefredakteurin von Tagesspiegel Online, Mercedes Bunz, wird nach MEEDIA-Informationen die Holtzbrinck-Tochter verlassen. Seit dem Frühjahr 2007 verantwortete die 37-Jährige die Web-Redaktion. Ihr Büro bestätigte auf Anfrage: "Frau Bunz ist bis Ende es Monats im Urlaub und fängt dann eine neue Tätigkeit an." Wie MEEDIA weiter erfuhr, wird Bunz nach London ziehen und dort einen neuen Job beim Guardian antreten.

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Die scheidende Chefredakteurin verriet inzwischen gegenüber DWDL.de, dass sie sich beim „Guardian“ um das Ressort Media & Technology kümmern und über neue Entwicklungen im Online-Journalismus berichten wird.
Inwieweit der Abgang der Chefredakteurin eine Reaktion auf die veränderten Hierarchien innerhalb des neuen Onlineverbundes von Zeit online und Tagesspiegel Online ist, ist nicht bekannt. Im Dezember 2008 hatte Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser angekündigt, die Redaktionen von Tagesspiegel.de, Zoomer.de und Zeit Online unter der Federführung von Zeit Online-Chef Wolfgang Blau zu bündeln. Bunz und ihr Zoomer-Kollege Frank Syré sollten in die Position von Redaktionsleitern zurücktreten. Bereits kurze Zeit später beendete Holtzbrinck das Zoomer-Experiment. Syré ist mittlerweile Stellvertretender Chefredakteur von Bild.de.

Mercedes Bunz arbeitet erst einmal beim „Tagesspiegel“ weiter, obwohl ihre Netz-Redaktion im Zuge dieser Umbauarbeiten auf nur noch sechs Redakteure eingedampft werden sollte. Bis zum heutigen Freitag führt das „Tagesspiegel“-Impressum die 37-Jährige noch immer unter der Überschrift „Chefredaktion Online“. Auch ist sie weiterhin verantwortlich im Sinne des Presserechts.

Die gebürtige Magdeburgerin hat eine bewegte journalistische Vergangenheit. 1997 gehörte sie zu den Gründern der Monatszeitschrift „Debug“, deren Chefredaktion sie 1999 übernahm. 2006 wurde Bunz Chefredakteurin des Berliner Haupstadtmagazins „Zitty“. Ein Jahr später wechselte sie als Chefredakteurin zu Tagesspiegel.de. Ihre Aufgabe bei der Hauptstadtzeitung war zunächst der Relaunch der Webseitej – ein Job, den sie mit Bravour erledigte. Die neuen Tagesspiegel.de-Seite überzeugt mit einem klarem Layout und einer höchst übersichtlichen Struktur.

Die Traffic-Entwicklung der Webseite blieb jedoch immer hinter den Branchen-Ewartungen zurück. Aktuell kommt Tagesspiegel.de auf rund zehn Millionen Page Impressions und 3,3 Millionen Visits. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Plus von 20 Prozent bei den Klicks und 15 Prozent bei den Visits.

Die Kulturwissenschaftlerin mit dem ausgeprägten sozialen Bewusstsein gehört einem neuen Typus von Medienschaffenden an, den sie selbst beschrieben hat. Seine Kennzeichen: gut ausgebildet, aber dauerhaft ohne finanzielle Absicherung. Für diese schlecht bezahlte kreative Elite prägte Bunz, damals noch als „Zitty“-Chefredakteurin, in einer Titelgeschichte den Begriff „urbane Penner“. Sie selbst fühlt sich dieser Gruppe ausdrücklich zugehörig.

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