„Wir sind die Stabilsten in der Krise“

Lange Zeit konnte Europas größter Zeitungsverlag dem Abwärtstrend trotzen - nun jedoch hat die Krise auf dem Anzeigenmarkt auch in der Unternehmensbilanz der Axel Springer AG ihre Spuren hinterlassen. Im ersten Halbjahr 2009 musste Konzernchef Mathias Döpfner sinkende Erlöse und Erträge verkünden – der Umsatz gab um 7 Prozent nach, während der Konzernüberschuss gar um 31 Prozent einbrach. Dennoch gab sich Döpfner trotz der Marktsituation optimistisch - zumindest mit Blick auf das eigene Haus.

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Nach einem starken Geschäftsjahr 2008 und einem guten Jahresauftakt bekommt die im SDax gelistete Axel Springer AG die Folgen der Rezession nun auch immer stärker zu spüren. „Axel Springer hat sich dem massiven Einbruch der Werbekonjunktur erwartungsgemäß nicht entziehen können“, erklärte Vorstandschef Mathias Döpfner heute Morgen bei Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das erste Halbjahr.
Mit Blick auf die Umsatzrendite gab sich Döpfner selbstbewusst: „In der Krise sind wir die Stabilsten.“ Der Konzern sei trotz des ungünstigen Umfeldes „weiterhin hoch profitabel“.

In nackten Zahlen bedeutet dies einen Rückgang sowohl bei Erlösen als auch Erträgen in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres. So lag der Konzernumsatz im ersten Halbjahr mit EUR 1,25 Milliarden Euro um 6,6 Prozent unter dem Wert des Vorjahres , der noch bei 1,34 Milliarden gelegen hatte. Bereinigt um Wechselkurseffekte gingen die Erlöse um 5,1 Prozent zurück. Die Werbeerlöse verminderten sich im ersten Halbjahr um 13,0 Prozent auf 541,5 Millionen Euro (Vorjahr: 622,4 Millionen Euro).

Empfindlicher Gewinneinbruch: Konzernüberschuss um 31 Prozent gesunken

Weitaus schmerzhafter fiel jedoch der Gewinneinbruch aus: So gab das um Sondereffekte und Kaufpreisallokationen bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 214 Millionen auf 162,3 Millionen nach. im Vorjahreszeitraum – das entspricht einem Rückgang von 24 Prozent. Gleichzeitig hielt Axel Springer die EBITDA-Rendite im zweistelligen Bereich (12,9 Prozent nach 15,9 Prozent).
 
Bereinigt um wesentliche nicht-operative Positionen belief sich der Konzernüberschuss im ersten Halbjahr auf EUR 77,5 Millionen nach 112,9 Millionen Euro im Vorjahr – das entsprach einem Gewinneinbruch von 31 Prozent. Das Ergebnis je Aktie lag nur noch bei EUR 8,84 (Vorjahr: EUR 16,96), das bereinigte Ergebnis je Aktie fiel auf 2,61 (Vorjahr: EUR 3,80).
 
Lichtblick Internetgeschäft: Zweistelliges Umsatzplus
 
Bis auf die Internet-Sparte mussten alle Geschäftsbereiche Umsatz- und Gewinneinbrüche verkraften. Das Segment Digitale Medien entwickelte sich im ersten Halbjahr mit steigenden Umsatzerlösen und einem deutlich verbesserten Ergebnis positiv: Insgesamt steigerte das Segment seinen Umsatz im ersten Halbjahr um 17,1 Prozent auf 200,8 Millionen Euro (Vorjahr 171,5 Millionen Euro) und trug damit bereits 16,0 Prozent zum Konzernumsatz bei (Vorjahr : 12,8 Prozent).
 
Die digitalen Medien erhöhten die Werbeerlöse um 15,1 Prozent auf 145,4 Millionen Euro (Vorjahr: 126,3 Millionen Euro). Noch stärker fiel der Zuwachs bei den übrigen Erlösen aus, die um 22,8 Prozent auf 55,5 Millionen Euro (Vorjahr EUR 45,2 Millionen Euro) zulegten. Das Segment konnte das EBITDA von EUR 6,0 Mio. auf EUR 16,9 Mio. mehr als verdoppeln und erreichte im ersten Halbjahr eine EBITDA-Rendite von 8,4 Prozent.

14 Prozent weniger Werbeerlöse im nationalen Zeitungs-Segment

Das Segment Zeitungen National blieb trotz zunehmender Auswirkungen der Konjunkturkrise weiter  profitabel und leistete den weitaus größten Beitrag zum Konzernergebnis.  Der Umsatz des Segments lag im ersten Halbjahr mit 590,6 Millionen  Euro  um 5,8 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres (627,0 Millionen).

Die Vertriebserlöse blieben infolge von Copypreiserhöhungen, vor allem der bei BILD und BILD am SONNTAG im Mai 2008 durchgesetzten Preisanhebungen, mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent auf  307,2 Millionen Euro  (Vorjahr  302,6 Millionen Euro) leicht im Plus. Die Werbeerlöse verminderten sich um 13,8 Prozent auf 269,4 Millionen Euro  (Vorjahr  312,6 Millionen Euro). Das EBITDA des Segments belief sich auf 129,5 Millionen Euro  nach EUR 159,5 Millionen  im Vorjahreszeitraum.

Massiver Einbruch  im nationalen Zeitschriften-Segment

Auch das Segment Zeitschriften National verzeichnete im ersten Halbjahr rückläufige Umsatzerlöse und Erträge. Allerdings fielen die Rückgänge im zweiten Quartal durchweg moderater aus als im ersten Quartal 2009. Der Segmentumsatz lag im ersten Halbjahr mit 263,3 Millionen Euro um 8,4 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres (287,4 Mio Millionen Euro). Deutliche Einbußen verzeichneten die Zeitschriften bei den Werbeerlösen – sie verminderten sich von  93,6 Millionen um 22,1 Prozent auf 72,9 Millionen Euro.  Das EBITDA des Segments belief sich im ersten Halbjahr auf  31,8 Millionen Euro nach EUR 51,0 Millionen Euro  im Vorjahr.

Internationalem Printgeschäft brechen Werberlöse um  40 Prozent weg

Im internationalen Printgeschäft belasteten die teilweise tiefgreifenden Auswirkungen der Wirtschaftskrise weiterhin die Umsatz- und Ertragsentwicklung. Dabei erwiesen sich vor allem die Bedingungen in den wichtigen osteuropäischen Märkten und in Spanien als schwierig, während das Geschäft in der Schweiz und in Frankreich relativ stabil blieb. Nach einem geringen Verlust im ersten Quartal 2009 kehrte das Segment Print International jedoch durch Kostensenkungen in die Gewinnzone zurück und erreichte im zweiten Quartal eine EBITDA-Rendite von 5,7 Prozent.

Im ersten Halbjahr ging der Segmentumsatz um 27,1 Prozent auf 151,6 Millionen  (Vorjahr 207,9 Millionen Euro) zurück.  Die Werbeerlöse gingen um 40,1 Prozent -währungsbereinigt um 31,8 Prozent – zurück: Sie beliefen sich auf 53,9 Millionen Euro nach 90,0 Millionen Euro im Vergleichzeitraum des Vorjahres. Vielfältige Kostensenkungsmaßnahmen in den Landesgesellschaften trugen dazu bei, dass das EBITDA trotz der erheblichen Umsatzeinbußen mit EUR 2,1 Millionen Euro (Vorjahr: EUR 10,4 Millionen Euro) gerade noch positiv ausfiel.
Ausblick: „Noch keine Anzeichen für eine Erholung in unseren wichtigsten Märkten“
Entsprechend verhalten fiel dann auch der Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Geschäftsjahres aus: „Derzeit sehen wir noch keine Anzeichen für eine Erholung in unseren wichtigsten Märkten“, erklärte Mathias Döpfner.

Gleichzeitig kündigte der 44-jährige Konzernchef weitere Investitionen in Krisenzeiten an: „Wir haben die Krise bisher unter anderem für eine sehr selektive Bereinigung unseres Portfolios genutzt und konzentrieren uns noch stärker als zuvor auf unsere starken Print- und Online-Marken. Dazu gehören auch Investitionen in die Werbung für unsere eigenen Medien-Angebote, um so gerade in schwierigen Zeiten Marktanteile zu gewinnen.“
Anleger reagierten auf Ausblick und Konzernergebnis unterdessen relativ unbeeindruckt. Die Springer-Aktie  bei 64 Euro mit marginalen Abschlägen praktisch unverändert auf Vortagesniveau.

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