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Großer Relaunch bei stern.de

Bei Gruner + Jahr werden online zur Jahresmitte ganz dicke Bretter gebohrt. Für den kommenden Sonntag ist ein umfassender Relaunch von stern.de vorgesehen. Die Website des Verlags-Flaggschiffs "stern" wird optisch komplett erneuert. Bilder sollen noch stärker in den Vordergrund rücken, der ganze Auftritt emotionaler werden. Dazu wird eine Marketing-Kampagne mit einem Media-Budget von 2,3 Mio. Euro gezündet. Die Ansage ist klar: G+J will mitstern.de endlich zu Spiegel Online und Bild.de aufschließen.

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Die neue Homepage von stern.de wird als Blickfang ein einziges großes Aufmacher-Thema über die gesamte Breite zieren. Ein Bild oder eine Grafik spielen dabei die dominante Rolle. Es folgt eine so genannte „Bühne“ auf der aktuelle Videos und Bilder-Galerien präsentiert werden. Darunter sortieren sich die Ressorts. Komplettiert wird das neue Layout von einer rechten Spalte mit allerlei Elementen wie News-Ticker, Verweise auf „stern“-Hefte oder „stern TV“, meistgesehene Videos, meistgelesene Artikel usw.

Ein Dummy-Screenshot der neuen stern.de Homepage. Das große Aufmacherbild zieht die Blicke auf sich

Der Unterschied zum bisherigen Auftritt ist deutlich. Das neue stern.de wirkt optisch viel großzügiger und aufgeräumter. stern.de soll im Wettbewerb als das bildstärkste und emotionalste publizistische Nachrichten-Angebot im Netz wahrgenommen werden. Gleichzeitig wird die Service-Kompetenz gestärkt. Dem Vorbild des erfolgreichen Online-Gesundheit-Ratgebers sollen weitere Ratgeber-Specials folgen.

Um deutlich zu machen, wen man als Zielgruppe im Auge hat, wurde im Verlag die virtuelle Nutzerin Sandra Müller entwickelt. Eine Art digitale Fortschreibung des berühmten Lieschen Müllers aus Zeiten von „stern“-Gründer Henri Nannen. Zu seiner Zeit verlangte Nannen stets, dass auch „Lieschen Müller“ den „stern“ verstehen müsse. Auf die Frage, wer denn diese Lieschen Müller sei, soll der große Alte geraunzt haben: „Ich bin Lieschen Müller!“. Die „Sandra Müller“ von stern.de entstand weniger aus einem Bauchgefühl heraus, sondern aus Nutzerdaten und Erkenntnissen der Marktforschung. Demnach ist die gute Dame eine Mittdreißigerin, schlau, sympathisch, interessiert sich für Nachrichten und Hintergründe, den „Spiegel“ findet sie zu abgehoben und die „Bild“ zu krawallig. Die typische „stern.de“-Nutzerin halt.

Bei Gruner hoffen sie nun, noch eine ganze Menge solcher Sandra Müllers oder deren männliche Pendants für „stern.de“ zu begeistern. Es gibt nämlich Nachholbedarf. Was das Wachstum der Reichweite betrifft, sind Spiegel Online und Bild.de der Konkurrenz stern.de und Focus Online seit 2004 geradezu enteilt. SpOn und Bild.de spielen in einer eigenen Liga und auch Focus Online hat stern.de in Sachen Visits nach IVW mittlerweile überholt. Ein Blick auf den MEEDIA-Analyzer zeigt es.

Am Baumwall ist man vor allem stolz, die Page Impressions, vulgo: Klicks, deutlich gesteigert zu haben. Die PIs kletterten tatsächlich innerhalb eines Jahres um 31 Prozent. Seit März 2009 allerdings verstärkt durch Klicks aus dem IVW-Segment „Spiele“ und nicht bei den redaktionellen Inhalten. Auch was die Unique User betrifft, die von der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung in der Studie Internet Facts erhoben werden, liegt stern.de hinter der Konkurrenz. Laut der jüngsten Internet-Facts-Studie kommt stern.de auf 2,08 Mio. Unique User, Focus Online auf 3,99 Mio., Bild.de auf 5,52 Mio. und SpOn auf 5,77 Mio..

Werbung mit überraschender Auflösung. Warum auf „Schnappi“ geschossen wird, erfährt der Leser nach dem Klick auf stern.de

Mit dem Relanuch will stern.de-Chef Thomsen zur Aufholfjagd blasen. Damit das auch jeder mitkriegt, wird ordentlich geworben. Die Motive zeigen Bilder mit verpixelter Pointe. Sobald man draufklickt, gibt es die Auflösung bei stern.de. Die Botschaft ist klar: stern.de liefert die Hintergründe.Dazu der Claim: „Mehr Bilder. Mehr Zusammenhänge. Mehr Antworten.“ Zu den Antworten passt ganz gut, dass die Macher über eine so genannte Q+A-Community nachdenken. Also ein Feature, bei dem Nutzer die Fragen von anderen Nutzern beantworten können.

Das Schwester-Angebot Brigitte.de hatte sowas schon mal. Die Rubrik hieß „No Problem“ und war eine Kooperation mit dem Angebot Lycos IQ. Nun gibt es mittlerweile Lycos nicht mehr und auch die „No Problem“-Rubrik ist bei Brigitte.de verschwunden. Bei stern.de wird noch daran getüftelt, ob solch ein Feature gestartet werden soll.

Während stern.de für seinen Relaunch trommelt, ist die Konkurrenz nicht faul. Bild.de läuft immer besser, und sowohl Focus Online als auch Spiegel Online haben ihrerseits umfassende Relaunchs in Vorbereitung. Der Wettstreit im Online-Nachrichtengeschäft ist härter denn je.

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