Ex-Chefredakteur wirft Schleichwerbung vor

Ein Beitrag in den deutschen Science-Blogs hat eine Diskussion über Schleichwerbung in der "Ärzte Zeitung" losgetreten. Auslöser war der Beitrag "Homöopathie - Werbung in der Ärzte-Zeitung" im Weblog "Frischer Wind - Das Blog zur Energiewende". Der Artikel kritisierte, dass die "Ärzte Zeitung" online ein homöopathisches Mittel bei schwerwiegenden Durchfall-Erkrankungen empfahl. In einem Kommentar warf dann der Ex-Chefredakteur der "Ärzte Zeitung" vor, Schleichwerbung zu betreiben.

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Das Blog-Netzwerk Science Blogs ist ein Verbund von Blogs, die sich mit wissenschaftlichen Themen auseinandersetzen. Der deutsche Ableger des erfolgreichen US-Blog-Netzwerks wird von Burda betrieben. Christian Reinboth, Autor des Science Blogs „Frischer Wind“, kritisierte, dass die „Ärzte Zeitung“ bei ernsten Durchfall-Erkrankungen mit blutigem Stuhl ein homöopathisches Mittel empfahl. Zitat aus dem Science Blog: „Wenn der gesamte Content im Internet zweitverwertet wird, lesen das nicht nur Ärzte, sondern auch Otto-Normalbürger wie ich. Und wenn die lesen, dass eine D12-Aloe-Potenz bei Fleisch- und Fischvergiftungen sowie ‚blutigem Stuhl‘ als Behandlung vollkommen ausreicht, dann glauben sie das möglicherweise auch, zumal die ‚Ärzte Zeitung‘ trotz mancher Kritik ja eigentlich einen guten Ruf hat.“

In einem Kommentar von Dr. med. Thomas Kron, ehemaliger Chefredakteur der „Ärzte Zeitung“, erhob dieser den Vorwurf, dass Homöopathie-Themen nur in die „Ärzte Zeitung“ gelangen würden, weil das Pharma-Unternehmen Deutsche Homöpathie Union (DHU) dafür bezahlen würde. Der Kommentar wurde offenbar nach Intervention der DHU in den Science-Blogs gelöscht. Kron prangerte weiter an, dass es sich bei dem Beitrag in der „Ärzte Zeitung“ um „bezahlte Redaktion“ handeln würde. Außerdem kritisierte er, dass die „verantwortlichen Chefredakteure“ keine Mediziner seien und nichts von dem verstehen würden, „was in dem Blatt an Medizin drin ist.“ Mittlerweile hat sich Dr. Kron von diesen Aussagen wieder distanziert.

Kron übernahm 2006 die Chefredaktion der „Ärzte Zeitung“, im Oktober 2007 stieg er als geschäftsführender Chefredakteur zum Mitglied der Geschäftsleitung auf. 2008 wurde er Director Media Development bei Springer Business Media, dem Verlag, der unter anderem auch die „Ärzte Zeitung“ herausgibt. Mittlerweile arbeitet er als freier Medizin-Journalist. Gegenüber MEEDIA bestätige Kron, der Urheber des Kommentars zu sein. Er wollte sich wegen seines Interessenskonflikts als ehemaliger Chefredakteur jedoch nicht weiter zum Thema äußern.

Auf Anfrage von MEEDIA sagte Wolfgang van den Bergh, derzeit Chefredakteur der „Ärzte Zeitung“: „Die ‚Ärzte Zeitung‘ wirbt in ihrem redaktionellen Teil nicht für homöopathische Behandlungsmethoden. Allerdings gehört es zu unserem journalistischen Anspruch, neben der klassischen Schulmedizin, Themen zu alternativen Behandlungsmethoden aufzugreifen. Das erwarten die Leser der ‚Ärzte Zeitung‘ von uns.“ Zu den Vorwürfen von Dr.Kron wollte van den Bergh keine Stellung nehmen. Dass die „Ärzte Zeitung“ im redaktionellen Teil Artikel gegen Bezahlung veröffentliche, bestritt er. Im Übrigen stimme es zwar, dass er als Chefredakteur kein Mediziner sei, die verantwortliche Redakteurin und Ressortleiterin Medizin sei aber Ärztin. Auch die Leiterin des Newsrooms sei Medizinerin. „Die Verantwortlichkeiten sind in der Redaktion der ‚Ärzte Zeitung‘ klar geregelt, so dass Texte mit medizinischem Inhalt immer von Fachkollegen gegengelesen werden. Dabei kann es natürlich vorkommen, dass sich hier und da der Fehlerteufel einschleicht. Das ist ärgerlich, aber leider nicht immer vermeidbar“, so van den Bergh gegenüber MEEDIA.

Inzwischen hat Kron seine Vorwürfe gegenüber der „Ärzte Zeitung“ in den Kommentaren des Science Blogs relativiert. Er will seine Kritik jetzt als allgemeinen Hinweis auf mangelnde Qualität in den Medien verstanden wissen. „Dass Berichterstattung mit Bezahlung in Gestalt von Anzeigen in Verbindung steht, ist weder etwas Besonderes bei dem oben genannten Medium noch bei Medien überhaupt. Wer sich nur ein wenig mit Medien beschäftigt, kann das kaum übersehen“, schreibt er in einem neuen Kommentar. Vielleicht hat er die Wirkung seiner allzu offenen Worte unterschätzt.

Update:

Mittlerweile hat Dr. Thomas Kron gegenüber dem Pharma-Unternehmen DHU den Vorwurf, dass für den Artikel in der „Ärzte Zeitung“ bezahlt worden sei, zurückgenommen. Folgendermaßen erklärte sich Kron gegenüber der DHU: „Ich bin kein Gegner der Homöopathie und habe als Ressortleiter der Ärztezeitung wie als Chefredakteur eine qualifizierte Berichterstattung darüber immer befürwortet. Worum es mir in diesem konkreten Fall ging, war allein die Qualität der Berichterstattung in der Ärztezeitung. Diese Qualität ist aus meiner Sicht unzureichend gewesen und der Homöopathie kaum förderlich. Meinen Vorwurf, die DHU habe für die Berichterstattung gezahlt, gleichgültig in welcher Form, nehme ich zurück.“

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