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Döpfners Schienbeintritte gegen die Rivalen

Bilanz-PKs der Springer AG sind seit Krisenbeginn Veranstaltungen besonderer Art. Man weiß nicht im Detail, was einen erwartet, umso mehr jedoch in Bezug auf die generelle Linie: Einbrüche auf dem Werbemarkt? Nicht schön, aber alles halb so schlimm. Drastische Sparmaßnahmen? Nicht nötig, schließlich halten wir Kostensdisziplin. Verärgerte Aktionäre? Wieso, wir sind hochprofitabel. Keine Frage: Niemand gibt in diesen Zeiten so unerschütterlich den Optimisten wie Vorstandschef Mathias Döpfner.

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Bilanz-PKs der Springer AG sind seit Krisenbeginn Veranstaltungen besonderer Art. Man weiß nicht im Detail, was einen erwartet, umso mehr jedoch in Bezug auf die generelle Linie: Einbrüche auf dem Werbemarkt? Nicht schön, aber alles halb so schlimm. Drastische Sparmaßnahmen? Nicht nötig, schließlich halten wir Kostensdisziplin. Verärgerte Aktionäre? Wieso, wir sind hochprofitabel. Keine Frage: Niemand gibt in diesen Zeiten so unerschütterlich den Optimisten wie Vorstandschef Mathias Döpfner.
Ohne Zweifel sind die am Donnerstag vorgelegten Konzernzahlen angesichts der Rahmenbedingungen beachtlich. Eine Umsatzrendite von 13 Prozent im ersten Halbjahr trägt zum insgesamt positiven Gesamteindruck ebenso bei wie das in diesem Zeitraum realisierte Einsparpotenzial von rund 50 Millionen oder steigende Marktanteile von „Bild“ oder „Welt“.
Doch in den Führungsetagen der konkurrierenden Medienhäuser reagiert man auf die Public Relations-Strategie von Springer eher irritiert. Schließlich treffe die Krise doch alle mit gnadenloser Wucht, und da werden einige Döpfner-Statements geradezu als Verniedlichung empfunden. Manche sehen darin gar eine Nestbeschmutzung auf Kosten der Branche, die allerorten Sanierungskonzepte gegen erbitterte Widerstände durchboxen muss.
Auch Zeugen der Auftritte des eloquenten Springer-Vorstandschefs fällt auf, dass der 46-Jährige derzeit den Komparativ in seinen Lageberichten kultiviert. Man ist nicht gut, sondern besser als die Rivalen. Man hat, im Gegensatz zu denen, „zum Glück keine brachialen Personalmaßnahmen nötig“, man sei „kerngesund“, weil man „früher als andere“ auf Kostendisziplin geachtet und weil man die Digitalisierung und Integration von Print und Online konsequenter vorangetrieben habe als anderswo. Und man könne nun von der Krise auch deswegen profitieren, weil man finanziell einen größeren Spielraum für Investitionen habe als manch anderer. Da tritt ein Konzernlenker unverkennbar kräftig gegen die Schienbeine rivalisierender Medienmanager.
Die Selbsteinschätzung gipfelte im Superlativ: „Wir sind die Stabilsten in der Krise“, und am Ende gab der Vorstandschef seine Befindlichkeit preis: „Keine Krise wäre schöner, aber Arbeiten kann auch in der Krise Spaß machen.“
Die konjunkturelle Misere, so das Signal nach innen und außen, wird den Konzern treffen, aber nicht vom Kurs abbringen. Ob dies auch für die nächsten Jahre gilt, bleibt abzuwarten. Eine Trendwende konnte letztlich auch Döpfner nicht versprechen. Die Analysten reagierten unbeeindruckt – der Aktienkurs bewegte sich gestern praktisch nicht.

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