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Wirtschaftspresse ruft Ende der Krise aus

Es ist ein Sommer nach Maß: Die schönste Jahreszeit zeigt sich von ihrer besten Seite, der konjunkturelle Abschwung scheint gestoppt und die Aktienmärkte steigen, als wäre es noch einmal 1999. Auch die Wirtschaftspresse hat nach Monaten der Skepsis umgeschwenkt und ihre Zurückhaltung aufgegeben – es wird wieder mit dem Comeback aufgemacht. Trügt der heikle Titelseitenindikator, der die gegenwärtige Stimmung voraussagt - oder sollten sich Unternehmen wieder für den nächsten Aufschwung rüsten?

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Es ist ein Sommer nach Maß: Die schönste Jahreszeit zeigt sich von ihrer besten Seite, der konjunkturelle Abschwung scheint gestoppt und die Aktienmärkte steigen, als wäre es noch einmal 1999. Auch die Wirtschaftspresse hat nach Monaten der Skepsis umgeschwenkt und ihre Zurückhaltung aufgegeben – es wird wieder mit dem Comeback aufgemacht. Trügt der heikle Titelseitenindikator, der die gegenwärtige Stimmung voraussagt – oder sollten sich Anleger und Unternehmen wieder für den nächsten Aufschwung rüsten?

Sechs Jahre ist es her, als die Werbe-Abteilung der Deutschen Bank der Mut packte. Als einer der ersten Finanzinstitute weltweit wagte sich die deutsche Nummer eins weit vor mit dem Testimonial „Der Wind an den Märkten hat gedreht“. Die gewagte These sollte sich bewahrheiten – vier weitere Sommer begleiteten Anleger steigende Kurse, ehe die Immobilienkrise aufzog und im Frühherbst 2008 schließlich die Weltbörsen in Schutt und Asche stürzen ließ.
Seitdem ist fast ein Jahr vergangen – untergegangen sind trotz der größten Krise seit der Weltwirtschaftskrise weder die Banken noch die Notierungen an Weltbörsen. Schon wieder bei über 5400 Zählern notiert der Dax in diesen Tagen – fast 2000 Punkte oder 50 Prozent höher, als noch im März dieses Jahres ausgewiesen wurden.

Anlegermagazine schüren Hoffnung: „Investieren Sie, aber richtig“

Inzwischen scheint auch die Wirtschaftspresse, die sich mitten in der tiefsten Krise eher noch als großer Mahner geriert hatte, der Erholung zu trauen – und beschäftigt sich intensiv mit ihrer Nachhaltigkeit und den Anlagemöglichkeiten, die sich daraus ergeben. „Ist das Schlimmste vorbei?“ fragt sich etwa „Wirtschaftswoche“ in der am Montag erschienenden Ausgabe.

Wenige Tage zuvor schürten bereits „Börse Online“, „Focus Money“ und vor allem „Der Aktionär“ die Hoffnung, die Erholung sei nachhaltig, und der nächste Bullenenmarkt habe längst begonnen. „8 Gründe, warum die Börsen weiter steigen“, liefert etwa der Gruner + Jahr-Titel „Börse Online“, während die Münchner Konkurrenz von „Focus“ schon die „Besten Aktien der Welt“ ausgegraben hat. „Investieren Sie, aber richtig“, lässt das Kulmbacher Anlegermagazin den Börsenexperte und TV-Moderator Dr. Bernhard Jünemann ebenfalls Kaufsignale verkünden.

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„Heikler Titelseitenindikator: Ist es auf dem Cover des ‚Time Magazines‘, ist es vorbei“

Um dann heute noch einmal mit Reichtums-Fantasien aufzumachen: „Lust auf 1000 Prozent“, lässt der „Aktionär“ seinen Chefredakteur Bernd Förtsch, in Börsenkreisen seit seinen 3.Sat-Börsenspiel-Kaufempfehlungen als „Mr. Dausend“ bekannt, seine Leser dann schon wieder von exorbitanten Gewinnen träumen lässt.

Spätestens hier beginnen für erfahrene Anleger die Gefahren – der Titelseitenindikator verheißt nämlich nicht Gutes. Es zählt zu den ungeschriebenen Gesetzen der Börse, dass die auf dem Cover verbreitete Konsensmeinung oft der Auftakt zur exakten Gegenreaktion an den Märkten ist – weil der Großteil der Marktteilnehmer bereits entsprechend positioniert ist. „Ist es auf dem Cover des ‚Time Magazines‘, ist es vorbei“, lautet eine alte Börsenweisheit, auf die seit Jahrzehnten als Kontraindikator Verlass ist.
Hausse noch nicht im Mainstream angekommen

Nicht nur im schweren Bärenmarkt der frühen 80er oder dem Bullenmarkt der spätestens 90er-Jahre bewahrheitete sich der Titelseitenindiaktor – auch im vergangenen Herbst wies die mediale Erregung, die sich in wochenlangen Titelgeschichten der großen Nachrichtenmagazine niederschlug, den Weg für den antizyklischen Investor.

Hierin liegt die Hoffnung für Börsenbullen: Bis zum Mainstream-Publikum ist die Erholung längst noch nicht durchgedrungen. Wenn „Spiegel“, „Focus“ und Bild-Zeitung“ mit Börsenboom-Geschichten aufmachen, wird es problematisch. Demnach könnte die noch junge Rallye durchaus noch weiter laufen, als viele denken – was Rallies und Crashs ohnehin seit jeher zu tun pflegen…

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