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Grotkamp verliert WAZ-Familienstreit

Ende eines langen Familienstreits vor dem Oberlandesgericht Hamm. Die Grotkamps haben laut "Kress" in letzter Instanz gegen die übrigen WAZ-Gesellschafter verloren. In dem Streit ging es um die Ausschüttung des Verkaufserlöses von RTL-Anteilen 2005. Damals hatte die WAZ ihre 7,4 Prozent an Bertelsmann verkauft. Geschätzter Erlös: rund 520 Millionen Euro. Den Großteil des Geldes ließen sich die Gesellschafterfamilien auszahlen. Die Grotkamps erhielten zwar ebenfalls Millionen, waren aber dagegen.

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Das Urteil ist ein Schlusspunkt unter einen Zwist aus alten Tagen. Die WAZ wird von den beiden Familienstämmen Brost und Funke kontrolliert, die sich noch vor wenigen Jahren unversöhnlich zerstritten gegenüberstanden. Unter den Geschäftsführern Bodo Hombach und Christian Nienhaus ist mittlerweile zwar so etwas wie geschmeidige Harmonie in die WAZ-Führungsetage eingezogen, manchmal sorgt der Zank aus der Vergangenheit aber noch für einen Nachhall.
br>Die Grotkamps gehören auch zum Famlienstamm Funke. Günther der ehemalige Geschäftsführer Günther Grotkamp hat eine Funke-Tochter geheiratet. Im jetzt entschiedenen Verfahren war sich der Funke-Stamm untereinander aber auch nicht grün.

Günther Grotkamp, eingeheiratet in den Familienstamm der Funkes, war lange Zeit einer der beiden WAZ-Geschäftsführer. Sein interner Gegenspieler war auf Brost-Seite der in die Familie adoptierte Erich Schumann, der 2007 verstarb. Die Interessen des Funke-Stammes sind in der Funke-Familien-Gesellschaft (FFG) gebündelt. Normalerweise beäugten sich die beiden Familien misstrauisch und blockierten auch schon einmal wichtige Entscheidungen in der WAZ -Führung. Der eine Milliardär gönnte dem anderen eben nicht die goldene Butter auf dem Brot. Im aktuellen Fall allerdings war der Sachverhalt komplizierter. Die Funke-Familie war innerhalb der FFG auch dafür, Kasse zu machen. Angeblich wurden von den 520 Millionen Euro aus dem RTL-Verkauf knapp 410 Millionen Euro ausgeschüttet.

Nur Günther Grotkamp war strikt dagegen. Er war der Auffassung, das Verteilen des Verkaufserlöses unter den Gesellschaftern, also auch ihm selbst, sei nicht rechtens. Grotkamp wollte das Geld lieber in die Firma stecken. Außerdem ging ihm die Aktion angesichts der Millionen-Beträge zu schnell über die Bühne. Rechtlich argumentierte er so, dass das Einstimmigkeitsprinzip verletzt sei. Der Brost- und der Funke-Stamm müssten einvernehmlich entscheiden. Und innerhalb des Funke-Stammes müsste wiederum auch in der FFG Einstimmigkeit herrschen. Und wenn er, Günther Grotkamp, nicht dafür sei, dann gebe es auch keine Einstimmigkeit. So ungefähr die Basta-Logik hinter dem Rechtsstreit.

Grotkamps juristischer Gegenspieler war mit dem Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner ausgerechnet der Sprecher der FFG, also das Sprachrohr des Funke-Stammes, dem Grotkamp selbst ja auch angehörte. Bereits das Essener Landgericht hatte die Klage Grotkamps abgewiesen. Ein Urteil, das vom Oberlandesgericht Hamm nun bestätigt wurde. Laut „Kress“ wurde eine Revision untersagt. Damit ist das Urteil rechtskräftig und die WAZ-Familienmitglieder dürfen endlich ihre RTL-Millionen ausgeben.

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