Ex-„Titanic“-Chef stürmt Schlämmer-PK

Es sollte das Medienereignis des Tages werden: Mehr als 30 Kamerateams waren vor Ort, als Comedian Hape Kerkeling bei einer Pressekonferenz in Berlin seinen neuen Film "Isch kandidiere" und Wahlprogramm vorstellen wollte - zwei TV-Sender übertrugen das Event zudem im Fernsehen und Internet. Doch es kam anders: Bevor Kerkeling mit seiner Kunstfigur Horst Schlämmer punkten konnte, wurde ihm die Show gestohlen – Ex-"Titanic"-Chef Martin Sonneborn stürme die Pressekonferenz und teilte gegen Schlämmer aus.

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Sieben Wochen sind es noch bis zur Bundestagswahl – Zeit also, die heiße Wahlkampfphase einzuläuten. Während Frank-Walter Steinmeiers Kampagnenauftakt müde in Fahrt kommt und Angela Merkel noch gar nicht begonnen hat, nutzt Comedian Hape Kerkeling die Gunst der Stunde, um seinen Film „Isch kandidiere“ aktiv zu bewerben.
„Machen Sie sich keine Illusionen“, warnte Hape Kerkelings Kunstfigur Horst Schlämmer auf der heutigen Pressekonferenz in Berlin eine vermeintliche Reporterin in Gerhard Schröder-Manier. Doch tatsächlich geht es genau darum: Um das Spiel mit Illusionen, mit dem Was-wäre-wenn, das in der Politik genauso verbreitet und funktioniert wie auf der Filmleinwand – mit der Farce der politischen Versprechungen und Versprecher.

Manchmal jedoch schlägt die Farce zurück, bevor man richtig ausgeholt hat. Diese Erfahrung musste Kerkeling samt seines Film-Alter Ego Horst Schlämmer heute in Berlin mache. Bevor der 44-jährige Bestseller-Autor die Bühne betrat, saß dort bereits jemand anderes – nämlich der gleichaltrige Ex-„Titanic“-Chefredakteur Martin Sonneborn.

Und der zog dann gleich kräftig vom Leder, wie im Videoclip von n24 zu sehen ist: „Ich begrüße Sie zur improvisierten Pressekonferenz von ‚Die Partei'“, gibt sich Sonneborn betont staatstragend und macht sich daran, eine attraktive Kanzlerkandidatin zu präsentieren – den absoluten Gegenentwurf zum bewusst schnoddrigen Wald- und-Wiesen-Reporter Horst Schlämmer, der ja nun Kanzler werden will – zumindest in den nächsten Wochen für die Kinos, in denen er ab 20. August zu sehen sein wird.

Nach nur zwei Minuten ist Sonneborns kleiner Eklat gegen die „Spaßpartei“ von Horst Schlämmer, die „nicht ernst zu nehmen ist und vom Wahlleiter sicher abgemahnt werden wird“ dann vorbei – Security-Kräfte befördern den Satiriker in Jubelpose von der Bühne.
Kerkeling ist damit die Show gestohlen, doch das lässt sich der Comedian nicht anmerken. Routiniert spult er sein Horst Schlämmer-Programm herunter – genauer: das Wahlprogramm seiner „Horst Schlämmer-Partei (HSP)“, die keine Lösungen zur Wirtschaftskrise anzubieten hat, prinzipiell „gegen die Schweingegrippe“i st und für die „soziale Gerechtigkeit“ eintreten will. 
So richtig lustig ist das nicht – auch nicht die gestellten Nachfragen von „Journalisten“, die ernste Miene von Werner Sonne oder bewusst politisch unkorrekten Avancen an potenzielle Praktikantinnen („Besuch mich im Ritz, Zimmer 187“).

Wie schwer das viel zitierte Sommerloch den beiden Bericht erstattenden Sendern n-tv und n-24 zusetzen muss, beweist der peinlich berührte Kommentar von n-tv-Anchor Ulrich von der Osten. „Die Presse kam auf ihre Kosten“, nuschelt von der Osten und fügt hinzu: „Bis zur Wahl ist es ja noch ein bisschen hin.“

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