Der „Observer“ ist in Gefahr

Die älteste Sonntagszeitung der Welt ist akut gefährdet: Der "Observer", seit 1791 meist prosperierend und immer hochangesehen, ist von der Einstellung bedroht. Offenbar gibt es beim Scott Trust, der auch den "Guardian" herausgibt, Planspiele, das Sonntagsblatt durch ein Nachrichtenmagazin am Donnerstag zu ersetzen. Die konkurrierende "Sunday Times" aus der Murdoch-Gruppe behauptet, Alternativen dazu seien eine drastische Reduzierung des Umfangs oder eine ersatzlose Einstellung des "Observer".

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Mit immer noch 420.000 Exemplaren ist der „Observer“ eine wichtige linksliberale Stimme in der britischen Öffentlichkeit, wird aber offenbar zu aufwändig produziert. Die von einer Stiftung getragene „Guardian“-Gruppe meldete Ende vergangener Woche einen Jahresverlust von 90 Millionen Pfund und muss sich inzwischen ernsthaft um ihr Hauptprodukt sorgen. Der 1993 übernommene „Observer“ könnte dabei zum Opfer werden. Die „Financial Times“ zitiert einen Leitenden Redakteur: „Es gab vor fünf Jahren einen ähnlichen Plan, der wurde abgewehrt. Diesmal soll es um die Rettung des ‚Guardian‘ gehen – also ist es sehr viel ernster“.
Die FAZ stützt sich bei ihrem mitleidenden Bericht auf Zitate aus der „Sunday Times“, dem Hauptrivalen des „Observer“: Danach gebe es schon Probeexemplare eines Nachrichtenmagazins, das donnerstags erscheinen könnte, einen Tag vor dem „Economist“ und am selben Tag wie die „Spectator“ und „New Statesman“. Laut „Sunday Times“ stünden die Chancen für ein Wochenmagazin oder die Beibehaltung einer gestrafften Zeitung fünfzig zu fünfzig.
Bei den Zahlen der „Guardian“-Gruppe schockierte besonders der Einbruch der bislang stabilen Lokal- und Regionalzeitungen, die 2008 noch fast 15 Millionen Pfund Gewinn machten. Derzeit operieren sie im Minus.

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