Apples App Store: Ärger mit der FCC

Die Ablehnung der iPhone-Applikation 'Google Voice' durch Apple hat ein schnelles juristisches Nachspiel. Wenige Tage nach der Blockade schaltete sich die US-Behörde Federal Communications Commission ein und verschickte an Apple, Google und den Mobilfunkbetreiber AT&T Nachfragen. Für den iPhone-Anbieter könnte die Befragung unangenehm werden, hinterfragt sie doch die Geschäftspraktiken von Apples beliebtem App Store. Weder Apple noch der Vertriebspartner AT&T wollten sich bisher äußern.

Anzeige

Es war eine echte Überraschung: Google, dessen CEO Eric Schmidt in Apples Aufsichtsrat sitzt, durfte seine Applikation ‚Google Voice‘ nicht im App Store veröffentlichen. Das höchst bewertete Internet-Unternehmen der Welt ließ daraufhin gestern gegenüber „TechCrunch“ leicht säuerlich verlauten: „Wir arbeiten hart daran, Google-Applikationen auf mobile Plattformen wie das iPhone zu bringen. Apple hat ‚Google Voice‘, das wir vor sechs Wochen eingereicht haben, aber nicht akzeptiert. Wir werden daran arbeiten, unseren Service auch iPhone-Nutzern zur Verfügung zu stellen – zum Beispiel, indem sie mobile Browser benutzen.“

So weit, so unbefriedigend. Die Ablehnung dürfte in erster Linie auf Druck des Mobilfunkproviders AT&T erfolgt sein, dem das Geschäftsmodell wegbricht, wenn Gratis- (SMS) oder günstigere (Fernverbindungen) Angebote via einer Applikation ermöglicht werden. Tech Crunch schreibt ironisch: „Natürlich ist nicht schwer zu erraten, wer hinter den Restriktionen steckt: unser alter Freund AT&T“.
Genau das will die US-Telekom-Aufsicht FCC (Federal Communications Commission) nun überprüfen. Und zwar schneller als erwartet: Gerade mal ein paar Tage nach Bekanntwerden der App-Blockade versandte der neue FCC-Vorsitzende Julius Genachowski, der im Wahlkampfteam von Barack Obama bereits für die Ressorts „Technologie und Innovationen“ zuständig war, am Freitag die unangenehmen Nachfragen an die Protagonisten.

Das ist ein überraschender Wandel gegenüber den 1,5 Jahren, die die FCC seinerzeit brauchte, um den Zusammenschluss Sirius und XM Satellite zu überprüfen. „Wenn Konsumenten und Unternehmen eines von der neuen Administration unter Julius Genachowski erwarten können, dann, dass alles schneller geht als unter der letzten“.

Zu welchem Ergebnis das im jüngsten Fall der Google-Applikation führt, ist noch völlig offen. Bis zum 21. August hat Apple nun Zeit, auf die sechs Fragen der Vizepräsidentin Catherine A. Novelli zu antworten. Man sei an einem „umfassenderen Verständnis der Situation“ interessiert, hieß es.

Man wolle wissen, warum Apple die Applikation abgelehnt habe, ob Apple allein oder nach Rücksprache mit dem Vertriebspartner AT&T gehandelt habe, ob AT&T generell auf den Prozess der Applikations-Freigabe Einfluss nehme – und welche Standards bei der Freischaltung von iPhone-Anwendungen im AppStore generell eine Rolle spielen? Fragen über Fragen – für den erfolgsverwöhnten Branchenprimus, der eher Nachfragen zu neuen Produktlaunches gewohnt ist, eine ungewöhnliche und unangenehme Situation.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige