Sat.1-Sprüche, WAZ-Katzen, Otto-Computer

ProSiebenSat.1 hat das neue Programm vorgestellt und endlich wieder einen neuen Claim für Deutschlands Claim-Sender Nr.1, Sat.1: "Colour your Life!" heißt der neue Spruch, der perfekt in die Reihe seiner Vorgänger passt. Bei der WAZ-Gruppe wittert Geschäftsführer Bodo Hombach weitere Synergien, diesmal in Sachen Katzen-Content, "Spiegel Online" sucht das Sommerloch in Alicante, findet aber bloß Ulla Schmidts Dienstwagen und der Versender Otto zeigt, wie man mit peinlichen Pannen sein Image aufpolieren kann.

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ProSiebenSat.1 hat das neue Programm vorgestellt und in alter Gewohnheit auch einen neuen Werbespruch für Sat.1: „Colour your Life!“ Das weckt ungute Erinnerungen an verblichene Claims vergangener Tage. Sat.1 probierte es schon mit „Powered by Emotion“ (2001), „Volle Stunde, volles Programm“ (1995), „Ich drück dich“ (1995), „Die beste Zeit des Tages“ (1993), „Sat.1 zeigt’s allen“ (2004) und der dümmste Claim von allen: „Ja.“ (2003). Alt-Eigentümer Haim Saban fand englischsprachige Claims doof. Das hat sich nun offenbar wieder geändert. Bei ProSieben findet man englische Claims schon immer gut. 2002 hieß es dort „Entertainment XXL“ und ab 2003 bis heute „We love to entertain you“.

Bei der WAZ-Gruppe wird gerade gewühlt und gemacht, wie vielleicht noch nie zuvor. Ex-„Spiegel“-Chef Stefan Aust entwickelt Zeitschriften-Konzepte, die „Landlust“ wird mit der Kopie „LandIdee“ angegriffen, die Mantel-Redaktionen der Zeitungen in NRW wurden zentralisiert, Claus-Dieter Grabner soll die Tier-Zeitschriften in München neu aufstellen. Es nimmt kein Ende. Jetzt kam die finale Entscheidung, dass auch die Yellows des Westdeutschen Zeitschriftenverlags (unter anderem „Echo der Frau“, „Das Goldene Blatt“) nach München verlegt werden. Gewerkschaft und Betriebsrat heulen auf, aber die WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach und Christian Nienhaus werden sich in ihrem EIfer nicht aufhalten lassen. Hombach lieferte jetzt in der „FTD“ sogar ein Bekenntnis zu Katzen-Content: „Es ist doch Unsinn wenn in Essen ein Zeitungsjournalist über Katzen schreiben soll – und wir haben lauter Katzenexperten in München.“ Schreibende Katzenfreunde in Essen: aufgepasst!

Die arme Ulla Schmidt. Hätten die Räuber in Alicante nicht ihren Dienstwagen geklaut, wäre sie noch immer unangefochtene Star-Gesundheitsministerin im SPD-Schattenkabinett. Jetzt gilt sie als angezählt aber die Medien-Meute hatte etwas, worauf sie sich im Sommerloch stürzen konnte. Besonders „Spiegel Online“ hat sich in die Geschichte regelrecht verbissen und schickte sogar eine Reporterin an Ulla Schmidts Urlaubsort. Von dort wurden dann ultra-exklusive Nachrichten in die Welt geschickt. So erfuhren die Leser, dass es die Diebe nicht „gezielt“ auf Ulla Schmidts Dienstwagen abgesehen hatten. Ach? Nicht? Und das ausführlich befragte deutsche Mitglied des Stadtrats von Dénia, ein gewisser Horst Glöde, wusste zu berichten: „Wenn es sich um einen normalen Wohnungseinbruch handelt, nehmen die Diebe den Wagen oft als Fluchtfahrzeug. In den nächsten Tagen wird er dann 20 bis 30 Kilometer weiter gefunden.“ Diebe nehmen ein geklautes Auto als Fluchtfahrzeug? Gibt’s ja nicht!
br>Jetzt hat auch Otto seine Erfahrungen mit der wunderbaren Welt des Web2.0 gemacht. Der Versand hat in seinem Online-Shop versehentlich teure Apple-Laptops zu den Preisen von Taschen-Sets ausgezeichnet. So kostete laut Otte.de das 1.700 Euro teure Edel-Notebook MacBook Air schlappe 49,95 Euro. Über Twitter verbreitete sich der Lapsus in windeseile und innerhalb weniger Stunden hatten 2.565 Besteller 6.534 Apple-Rechner zum Super-Schnäppchenpreis bestellt. Hätte Otto die Rechner zu den Fantasie-Preisen ausgeliefert, hätte dies das Unternehmen Millionen Euros gekostet. Zunächst versuchten sich die Ottos aus der Nummer rauszumogeln und die Laptop-Bestellungen wurden flugs zu Bestellungen von „Taschen-Sets“ umdeklariert. Dann hat man kurze Zeit so getan, als hätten die Kunden eben diese Taschen-Sets bestellt. Als sich die in helle Aufregung versetzte Twitter-Meute damit nicht abspeisen ließ, trat Otto die Flucht nach vorne an. Man entschuldigte sich, versprach allen Bestellern einen Brief und einen 100 Euro-Gutschein und verloste noch 50 MacBooks Airs unter den Bestellern. Über all dies informierte Otto dann zeitgemäß via Twitter. Das Ende vom Lied: ein Haufen Aufmerksamkeit für Otto, Applaus für die souveräne Lösung nach anfänglichem Wegducken und vielleicht ein paar neu gewonnene Kunden. Die 256.500 Euro für die Gutscheine könnten sich für Otto richtig lohnen.

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