AOL will Online-Medienhaus Nr.1 werden

AOL wandelt sich zu einem großen Online-Medienhaus. Laut Michael Arrington von "TechCrunch" hat AOL mittlerweile einen Newsroom mit 500 fest angestellten Journalisten. Weitere 1.500 Journalisten arbeiten auf freier Basis für den Konzern, der noch zu Time Warner gehört. AOL will von der Krise der us-amerikanischen Print-Medien profitieren.

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AOL wandelt sich zu einem großen Online-Medienhaus. Laut Michael Arrington von „TechCrunch“ hat AOL mittlerweile einen Newsroom mit 500 fest angestellten Journalisten. Weitere 1.500 Journalisten arbeiten auf freier Basis für den Konzern, der noch zu Time Warner gehört. AOL will von der Krise der us-amerikanischen Print-Medien profitieren.

Es ist zunächst kaum zu glauben, was TechCrunch-Macher Michael Arrington da schreibt. Der siechende Ex-Online-Riese AOL schart viele der entlassenen Print-Journlisten in den USA um sich. Arrington berichtet, dass AOL bereits 500 Vollzeit-Schreiber angestellt habe, weitere 1.500 würden auf freier Basis arbeiten.

Was auf den ersten Blick wie Irrsinn aussieht, könnte sich als geschickter Schachzug erweisen. Das Kalkül: Print-Medien und traditionelle Medienhäuser schwächen sich selbst, indem sie massiv Mitarbeiter abbauen. AOL könntedadurch zu einem Info-Powerhouse ohne Gleichen aufsteigen. AOL hat aber auch kaum eine andere Wahl. Das alte Zugangsgeschäft schwächelt und wurde weitgehend von DSL-Anbietern übernommen, im Online-Werbemarkt kann AOL gegen Primus Google und das neue Werbe-Kombinat Microsoft/Yahoo keinen Blumentopf gewinnen. Also stürzt man sich mit voller Kraft auf das Info-Geschäft. Das kann gut gehen, muss aber nicht.

Haupt-Problem:

Das Inhalte-Geschäft ist teuer. 1.500 Journalisten wollen bezahlt sein. Ob sich die mutmaßlich horrenden Personalkosten jemals über Werbung refinanzieren lassen – man weiß es nicht. Immerhin schaffen es die großen traditionellen US-Medienhäuser auch nicht, ihre Web-Angebote mit großen Gewinnen zu betreiben.

Aber es gibt auch Chancen:

Falls AOL die Nerven und das Geld hat, die Sache eine Weile durchzuziehen, könnte das Unternehmen einige pleite gegangene Zeitungen und/oder TV-Sender aufkaufen. Dann könnte der neue Mega-Newsroom auch Zeitungen oder spezialisierte Print-Produkte liefern. Immerhin sind Inhalten skalierbar. Das heißt: Die Produktionskosten für die Inhalte sind zwar erstmal ziemlich hoch, bleiben im Wesentlichen aber gleich. Egal, wie hoch die Reichweite steigt und wie viele  Medienkanäle bedient werden.

Das Internet-Zugangsgeschäft von AOL befindet sich zwar auf dem absteigenden Ast, derzeit spült es aber, zumindest in den USA, noch Geld in die Kassen. „TechCrunch“ schreibt von rund 1 Mrd. Dollar pro Jahr für die nächsten 18 bis 24 Monate. Das Geld könnte dazu genutzt werden, eine Position als führend Anbieter von Inhalten im Web aufzubauen.

Time Warner will sich ja von AOL trennen. Sollte AOLs riskante Strategie unter dem neuen CEO Tim Armstrong aufgehen, könnte Time Warner da ein mächtiger Konkurrent heranwachsen.

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