Apple / Google: Von Freunden zu Rivalen

Es ist nicht weniger als ein echter Affront: Die Applikation Google Voice, die etwa günstigere Gespräche und kostenlose SMS ermöglicht, hat es nicht in den App Store geschafft, sondern wurde vorerst von Apple geblockt. Das teilte Google leicht säuerlich mit. Doch es geht um mehr als nur die iPhone-App: Tatsächlich sind die Risse in der Apple-Google-Allianz nicht mehr zu übersehen, seit Google mit dem mobilen Betriebssystem Android und einem eigenen Web-Browser "Chrome" in Apples Terrain wildert.

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Es war einmal eine wunderbare Freundschaft: Apple, der Computer-Pionier, dessen Macintoshs selbst in schwersten Krisenzeiten zur Grundausstattung des Silicon Valley zählten, und der Internet-Emporkömmling Google knüpften seit Mitte des Jahrzehnts immer engere Bande. Der Hintergrund war klar: Gemeinsam gegen den ungeliebten Technologie-Platzhirsch Microsoft verbünden. Was passte auch besser? Zusammen waren Google und Apple DAS Internet: Der eine bietet die Hardware, der andere den Zugang zur Suche.
Untermauert wurde die Allianz 2006 durch die Berufung von Google-CEO Eric Schmidt in den Aufsichtsrat. Apple-Gründer und -Vorstand Steve Jobs kommentierte den Schritt seinerzeit so: „Wir glauben, dass Erics Fachwissen und Erfahrung sehr wertvoll ist, um für Apple den richtigen Weg für die kommenden Jahre zu finden.“
PR-Stunt hin oder her – gegen Ende des Jahrzehnts stehen Apple und Google als Last Men Standing der Technologie- und Internetbranche da. „Krise, welche Krise?“ fragt man sich in Cupertino und Mountain View immer wieder – die Geschäftsbilanzen belegen diese Ausnahmestellung.
Auch bei den in den vergangenen Wochen vorgelegten Quartalszahlen demonstrierten Google und Apple inmitten der tiefsten Rezession seit Jahrzehnten, warum sie die Branche fast nach Belieben beherrschen – abermals zweistelliges Gewinnwachstum konnten die Ausnahmeunternehmen vorweisen. Entsprechend zählen die Apple- und Google-Aktien zu dem Besten, was die Technologiebörse Nasdaq in Krisenzeiten zu bieten hat: Gerade mal 20 Prozent unter den einstigen Höchstkursen notiert Apple heute, während Google mit einem Abschlag von 40 Prozent ebenfalls weitaus besser dasteht als der Leitindex des Nasdaq Composite.
Dank der Monopolstellung bei der Internetsuche bzw. dem Kult-Status auf dem Hardware-Markt (Macintosh-Computer, iPods, iPhone) haben Google und Apple im laufenden Jahrzehnt eine Erfolgsstory hingelegt, die dem einst heruntergewirtschafteten Tech-Pionier und dem Internet-Start-up noch vor zehn Jahren keiner zugetraut hatte: Mit enormen 143 Milliarden Dollar ist Apple inzwischen an der Börse bewertet, Google folgt mit 139 Milliarden Dollar marginal dahinter.
Zum Vergleich: Gemeinsam wären Apple und Google damit deutlich höher bewertet als der jahrelange Platzhirsch der Tech-Branche, Microsoft, der es nach einem zuletzt happigen Gewinneinbruch nur noch auf einen Börsenwert von 209 Milliarden Dollar bringt. Verläuft die Wachstumsdynamik entsprechend unterschiedlich weiter, erscheint es nicht vermessen, wenn Apple und Google in mittelfristiger Zukunft wertvoller werden als der Software-Monopolist aus Redmond.
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere: So viel Erfolg lässt Verbündete zu Rivalen werden. Genau dieser Trend scheint sich nämlich bei Google und Apple abzuzeichnen. Zunächst war da Googles überraschender Eintritt in den lukrativen Mobilfunkmarkt. Zwar lässt Google im Gegensatz zu Apple keine eigene Hardware fertigen, doch das „G-Phone“ steht dank des Betriebssystems „Android“ dann doch letztlich in Konkurrenz zum Kassenschlager iPhone.
Dann der noch überraschendere Launch des eigenen Web-Browsers „Chrome“ pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der Internetsuchmaschine im letzten Herbst. Und schließlich vor wenigen Wochen die völlig überraschende Veröffentlichung des eigenen Betriebssystems „Google Chrome OS“, das das Technologieportal „TechCrunch“ eine „Nuklearbombe für Microsoft“ nannte.
Vielleicht aber bekommt eben auch Apple etwas von der Sprengkraft zu spüren, schließlich ist das Kult-Unternehmen aus Cupertino eben nicht nur eine Hardware-Schmiede, sondern einer der letzten All-in-One-Anbieter im Silicon Valley: Auf allen Macs läuft bekanntlich das Betriebssystem „Mac OS“, das im September in der Version 10.6 runderneuert wird.
Entsprechend könnte das Signal verstanden werden, das Apple an Google zur Ablehung der Applikation Google Voice für das iPhone sandte. Das höchst bewertete Internet-Unternehmen der Welt ließ daraufhin gestern gegenüber „TechCrunch“ leicht säuerlich verlauten: „We work hard to bring Google applications to a number of mobile platforms, including the iPhone. Apple did not approve the Google Voice application we submitted six weeks ago to the Apple App Store. We will continue to work to bring our services to iPhone users — for example, by taking advantage of advances in mobile browsers.“
Die Ablehnung dürfte in erster Linie auf Druck des Mobilfunkproviders AT&T erfolgt sein, dem das Geschäftsmodell wegbricht, wenn Gratis- (SMS) oder günstigere (Fernverbindungen) Angebote via einer Applikation ermöglicht werden. Tech Crunch schreibt ironisch: „Natürlich ist nicht schwer zu erraten, wer hinter den Restriktionen steckt: unser alter Freund AT&T“.
Und doch passt die erstmalige Blockade-Haltung zum neuen Umgang zwischen Apple und Google, der zunehmend von Rivalität geprägt ist. Tage zuvor hatte Apple bereits die Google-Anwendung „Latitude“ auf dem iPhone geblockt – diesmal ohne ersichtlichen Grund.
Google-CEO Eric Schmidt hat den aufziehenden Konflikt längst erkannt und offen die Frage gestellt, wie lange er wohl noch dem Aufsichtsrat angehören werde. US-Journalisten haben sich auf Schmidt bereits eingeschossen und nach spätestens nach dem Launch vom „Chrome OS“ klar Stellung bezogen: „Mr Schmidt, es ist Zeit für Sie zu gehen“, fordert etwa Tom Kraznit bei CNET auf. Klingt nach einem harten Ende einer einst wunderbaren Freundschaft.

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