„Nicht aus Versehen wählen“

Die Macher des umstrittenen Wahl-Virals "Geh nicht hin!" haben am Dienstag der Presse das vollständige Video präsentiert. Nachdem der erste Wurf kontrovers diskutiert wurde, lässt die Langversion keine Zweifel mehr an der eigentlichen Botschaft des Politik-Spots. Friedrich Küppersbusch, Geschäftsführer der Probono Fernsehproduktion und Mit-Initiator der Aktion, bringt es auf den Punkt: "Was immer Sie am 27. September tun, tun Sie es nicht aus Versehen!".

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Das betreffende Video, in dem Prominente scheinbar zum Wahlboykott aufgerufen haben, sorgte in der vergangenen Woche für reichlich Gesprächsstoff in zahlreichen Web-Foren und Kommentarspalten. Längst war klar, dass die Aktion kein Bekenntnis zur Politikverdrossenheit sein sollte. Dennoch meinten viele Beobachter, dass die eigentliche Intention weit verfehlt wurde. Der jetzt veröffentlichte Spot darf durchaus als gelungen bezeichnet werden. Gekonnt spielen die Akteure (Jan Hofer, Sönke Wortmann, Sarah Kuttner u.a.) mit der Ironie, die am Ende genauso wie beim US-Vorbild, dem Five-Friends-Spot, aufgelöst wird.

Auf der Pressekonferenz wollen die beiden Initiatoren, TV-Produzent Friedrich Küppersbusch und Stefan Gehrke, Chef von Politik-Digital.de, erklären, worauf sie eigentlich abgezielt haben. „Wahlverzicht kann Politikverzicht sein. Oder das Gegenteil. Wenn Leute nicht zur Wahl gehen, kann es an den Leuten liegen – klar. Oder an der Wahl“, so das offizielle Pressestatement. Vor allem aber sorgen die Protagonisten des Videos für die nötigen Erklärungen. Einmütig erklärten „Tagesschau“-Chefsprecher Jan Hofer, Schauspieler Tyron Ricketts und MTV-Moderator Patrice Bouédibéla, dass der Aufruf, nicht wählen zu gehen, blanke Ironie sei. Enttäuscht sei man vor allem von den so genannten Intellektuellen. Diese seien nicht in der Lage gewesen, das Video richtig zu verstehen.

Friedrich Küppersbusch formuliert das Anliegen nun ganz klar: „Wenn wir eine Botschaft haben, dann die: Was immer Sie am 27. September tun, tun Sie es nicht aus Versehen!“ Die Videos bauen auf das Vorbild der amerikanischen Five-Friends-Spots auf – allerdings mit einer anderen Ausrichtung. „Drüben ging es darum, sich zur Wahl registrieren zu lassen. Hier sollen Wähler und vor allem Nichtwähler tatsächlich erreicht werden“, so Küppersbusch.
Es ginge den Machern darum, der allgemeinen Politikverdrossenheit etwas entgegenzusetzen.  Web-Unternehmer Gehrke begründet diese Meinung mit Erfahrungen aus eigenen Veranstaltungen von Politik-Digital.de: „Wenn wir Chats mit bekannten Politikern veranstalten, spüren wir hautnah, wie viele Bürger offenbar generell mit dem Funktionieren der Demokratie unzufrieden sind.“

Gehrke legt Statistiken vor, die die Politikverdrossenheit in Deutschland belegen. Laut einer Umfrage von infratest dimap aus dem vergangenen Jahr haben 82 Prozent der Bundesbürger „kein Vertrauen in die Parteien“, die Beteiligung an Landtagswahlen ist in den vergangenen 20 Jahren von rund 80 Prozent auf rund 60 Prozent gefallen, bei der Europawahl gingen bundesweit 43 Prozent, in Berlin gar nur noch ein Drittel der Bürger (35,1 Prozent) zur Wahl.

In den USA, so Küppersbusch und Gehrke, sei es der Demokratischen Partei gelungen, ganze Gruppen von Wählern, die für die Demokratie verloren schienen, wieder anzusprechen. Bei den deutschen Parteien seien keinerlei derartige Initiativen zu beobachten. Der stärksten Partei – den Nichtwählern – wolle man mit dem Video eine Stimme geben.

Um eine Diskussion zum Thema „Nicht wählen“, Politikverdrossenheit und nicht zuletzt auch über die Videos zu ermöglichen, haben Politik-Digital.de und probono Fernsehproduktion auf der Webseite www.gehnichthin.de ein Forum eingerichtet.

Am Projekt „Geh nicht hin!“ waren folgende Prominente beteiligt:

Natalia Avelon, Bernhard Brink, Detlev Buck, Manuel Cortez, Boris Entrup, Nilam Farooq, Jan Hofer, Susanne Hoppe, Joe Rilla & Tyron, Alissa Jung, Alexandra Kamp, Markus Kavka, Franziska Knuppe, Mike Krüger, Sarah Kuttner, Dennis Lisk, Sascha Lobo, Sandra Maischberger, Massiv, Anne-Sophie Mutter, Peter Nottmeier, Buddy Ogün, Patrice Bouédibéla, Ralf Richter, Raúl Richter, Tyron Ricketts, Claude Oliver Rudolph, Axel Schreiber, Susan Sideropoulos, Ralf Zacherl, Denise Zich.

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