„Crowd funding“ für Meeres-Reportage

Die amerikanische Nachwuchs-Journalistin Lindsey Hoshaw hat über die Sponsor-Website Spot.us mehr als 5000 Dollar eingesammelt, um eine Reportage für die "New York Times" zu finanzieren. Die Aktion sorgt für Kopfschütteln, ist aber womöglich zukunftsweisend. Immer mehr Fonds für Investigativ-Journalismus werden gegründet. Medien-Professor Jeff Jarvis äußert sich im "Guardian" skeptisch: "News brauchen ein Geschäftsmodell. Wir sind ja nicht in der Kirche."

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Die „FAZ“-Autorin Nina Rehfeldt zeichnet die Entstehung einer spenden-finanzierten Reportage nach, wie sie nach den Vorstellungen mancher Zeitungs-Strategen künftig öfter vorkommen kann. Die junge Reporterin Lindsey Hoshaw stellte der „NYT“ mit einer Praktikums-Bewerbung eine Idee vor, die die Zeitung interessant fand, aber nicht vorfinanzieren mochte.  Man zwinge mitnichten eine junge Journalistin zur Bettelei, vielmehr sei es Gepflogenheit der „Times“, Reisekosten nur für in Auftrag gegebene Artikel zu übernehmen, rechtfertigte etwa „NYT“-Redakteur Clark Hoyt das Verhalten seiner Arbeitgeber.

Die Reportage handelt von dem sogenannten „Great Pacific Garbage Patch“; einem Müllteppich im Pazifik, den Hoshaw an Bord eines Schiffes inspizieren will. 10.000 Dollar soll die Recherche kosten, mehr als die Hälfte wurden der Journalistin über die „Crowd funding“ Website Spot.us innerhalb von drei Wochen zugesagt. Sollte sie bis September 6.000 Dollar eingesammelt haben, wolle sie den Rest über Bankdarlehen finanzieren.

Zu den Sponsoren gehören Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales (20 Dollar) und Medienunternehmer Tim O’Reilly (100 Dollar), der – wie Rehfeld schreibt – „außerdem seine achthunderttausend Mann starke Twitter-Gefolgschaft zu Spenden für das Projekt aufrief und damit weitere 400 Dollar für die Geschichte zusammenbrachte“.
In den USA und in Großbritannien sind inzwischen mehrere Fonds gegründet worden, die Gelder für Invetigativ-Geschichten sammeln. So unterstützt etwa das Bureau of Investigative Journalism im Vereinten Königreich Reporter mit entsprechenden Ideen. In den USA hat das Polit-Blog Huffington Post eine Nonprofit-Einheit für Investigativ-Recherche gegründet, in deren Topf sich 1,75 Millione  Dollar befinden.

Web-Vordenker Jeff Jarvis sieht diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Zwar sucht er als Professor an der City Univertity of New York auch nach neuen Wegen, guten Journalismus zu finanzieren. Aber das Spendenmodell ist ihm offenbar zu sehr von Mildtätigkeit abhängig. „Nachrichten müssen profitabel bleiben, wenn sie überleben wollen“, sagt Jarvis.

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