Griff „Tagesschau“ in die ZDF-Archivkiste?

Unerschrockene Reporter berichten direkt von den gefährlichen Krisenherden der Welt - diese Image geben sich die Macher der großen Nachrichtensender gern. Peinlich, wenn dann rauskommt, dass angeblich aktuelles Material gar nicht neu ist. Dieser Frage geht derzeit der NDR in eigener Sache nach. Wie die "Welt am Sonntag" meldet, hat die Redaktion von ARD aktuell am vergangenen Mittwoch einen Afghanistan-Beitrag offenbar mit drei Monate altem und für das ZDF gedrehtem Video-Material garniert.

Anzeige

Laut „WamS“-Veröffentlichung baute die ARD die Bild-Sequenzen in einen Bericht über die Militär-Offensive der vergangenen Woche ein, an der auch hunderte deutsche Einsatzkräfte beteiligt gewesen sind. „Seit Tagen rücken Bundeswehrsoldaten vor, im Unruhedistrikt Char Darah bei Kundus“, habe es einleitend geheißen. Und dann: „Hier Amateuraufnahmen.“ Die Zuschauer sahen allerdings wenig Bewegung, was auch nicht erstaunlich ist, denn: Das angeblich brandaktuelle Material soll vor drei Monaten für die Kollegen des Zweiten gedreht worden sein.
Auf Anfrage der Zeitung bestätigte der NDR, dass in Verbindung mit dem zuständigen Korrespondentenbüro geprüft werde, ob „aktuelle Amateuraufnahmen mit weniger aktuellen Einstellungen ergänzt wurden“. Mögliche Erklärung, die auf Senderfluren kursiert: Angeblich hätte der Beitrag schon früher vom Hauptstadt-Büro als einfacher Einspieler produziert werden sollen, doch Afghanistan-Korrespondent Florian Meesmann habe die Berliner mit dem Argument hingehalten, er selbst habe aktuelle Aufnahmen, die einen Korrespondentenbericht erforderlich machen würden. Nun wird sich der MDR-Mann wohl erklären müssen, warum diese – zumindest überwiegend – tatsächlich aus dem Mainzer Archiv stammten.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige