„Der Spiegel“ führt Oettinger vor

In seiner aktuellen Ausgabe interviewt der "Spiegel" den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger. Die Themen könnte man auf den Dreiklang bringen: Pleiten, Pech und Pannen. Egal, ob seine Niederlage im Auto-Streit mit Niedersachsen, die Wirtschaftskrise, private Verstrickungen und politische Problemzonen – der "Spiegel" lässt kein gutes Haar an Oettinger. Das Gespräch ist weit weg von den weichgespülten Sommer-Interviews, die man sonst in den Ferienmonaten vorgesetzt bekommt.

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In seiner aktuellen Ausgabe interviewt der „Spiegel“ den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger. Die Themen könnte man auf folgenden Dreiklang bringen: Pleiten, Pech und Pannen. Egal, ob seine Niederlage im Auto-Streit mit Niedersachsen, die Wirtschaftskrise, private Verstrickungen und politische Problemzonen – der „Spiegel“ lässt kein gutes Haar an Oettinger. Das Gespräch ist weit entfernt von den weichgespülten Sommer-Interviews, die man sonst in den Ferienmonaten vorgesetzt bekommt.

Oettinger reagiert für einen Polit-Profi ungewohnt angefasst. Das Interview gipfelt im Ausruf des Ministerpräsidenten: „Ihre Ironie können sie sich sparen.“ Die „Spiegel“-Fragen sind genau in der Art, wie sie ein Politiker nicht schätzt, oft handelt es sich um schlichte aber begründete Unterstellungen, die ihre Wirkung tun. Beispiele gefällig: „Uns kommen sie vor wie der Pannen-Ministerpräsident Nummer eins“, „ihre jüngste Pleite trägt den Namen Porsche“, „Angela Merkel macht ganz gern einen Witz auf Ihre Kosten“, „auch im Rest der CDU scheinen Sie humoristisches Freiwild zu sein“, „man wird den Eindruck nicht los, dass Sie immer das Falsche sagen, und das auch noch zum ungünstigsten Zeitpunkt“, „sind wir uns einig, dass Ihre Leistung noch steigerungsfähig ist?“, „insgesamt muss man doch feststellen, dass es in den vergangenen Monaten nicht wirklich rund gelaufen ist“. Peng. Das hat gesessen.

Oettinger gelingt es mit seinen Antworten nur sehr bedingt, dem Bombardement an „Spiegel“-Fragen etwas entgegenzusetzen. Schuld an den Missständen sind in seinen Repliken immer die anderen oder die äußere Umstände – die IG Metall, das VW-Gesetz, die Wirtschaftskrise, die Europäische Union. Als der „Spiegel“ andeutet, dass Oettinger persönliche Interessen mit Landespolitik vermischt haben könnte („Es kann doch kein Zufall sein, dass der Porsche-Manager Otmar Westerfellhaus just zu diesem Zeitpunkt gefeuert wurde, als bekannt wurde, dass er ein Verhältnis mit Ihrer Gattin Inken hat, von der Sie sich gerade scheiden lassen“) spricht der Ministerpräsident nur von der „blühenden Fantasie“ der Fragesteller und behauptet, er habe sich für den Rivalen sogar eingesetzt.

Das Interview ist ein Musterbeispiel für interessanten und unterhaltsamen Journalismus mitten im Sommerloch. Gerade Print-Interviews mit Politikern leiden oft an einer geradezu lähmenden Staatsgetragenheit. Das liegt zum einen daran, dass die Mächtigen furchtbare Angst haben sich festzlegen. Die fürchten, dass man ihnen irgendwann allzu deutliche Aussagen wieder um die Ohren haut. Zum anderen ist bei der Autorisierung eines gedruckten Interviews in der Regel ein Heer an PR-Beratern und Referenten beteiligt, die sonst noch jedes Fitzelchen Charakter oder Meinung vor der Veröffentlichung gnadenlos rausstreichen. Das Oettinger -Interview im „Spiegel“ liest sich dagegen, als habe man einfach nur gedruckt, was gesagt wurde. Und das ist sehr erfrischend. Fast könnte einem der „holzkasperlehafte“ Oettinger („FAZ“) schon wieder leid tun, so jammervoll wie er da rüberkommt. Aber auch nur fast.

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