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Murdoch: Free Web is over. Pay!

Rupert Murdoch, der aufgrund seiner Fokussierung auf das Zeitungsgeschäft in den USA als einer der Verlierer der letzten Jahre gilt, plant einen riskanten Strategiewechsel: Er will bei den Internet-Aktivitäten seiner weltweiten Zeitungen auf ein Pay-Model umschwenken. Murdoch: „The current days of free Internet are over“. Diese Meinung vertreten in den USA inzwischen immer mehr Internet-Größen, wie die gerade zu Ende gegangene Fortune Brainstorm Conference in Pasadena gezeigt hat

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Rupert Murdoch, der aufgrund seiner Fokussierung auf das Zeitungsgeschäft in den USA als einer der Verlierer der letzten Jahre gilt, plant einen riskanten Strategiewechsel: Er will bei den Internet-Aktivitäten seiner weltweiten Zeitungen auf ein Pay-Model umschwenken. Murdoch: „The current days of free Internet are over“. Diese Meinung vertreten in den USA inzwischen immer mehr Internet-Größen, wie die gerade zu Ende gegangene Fortune Brainstorm Conference in Pasadena gezeigt hat 

Am Rande der hochkarätig besetzten Tagung in Kalifornien, die unter dem Motto „Global crisis, global opportunity“ stand, wurde bekannt, dass Murdoch in den letzten Wochen ein „Global Team“ mit Sitz in New York, London und Sydney gebildet hat. Die Aufgabe: Einführung eines Pay Models bei möglichst vielen Websites seiner weltweiten Zeitungen. Der 78jährige Verleger, der sich für einen „digital immigrant“ hält und das Internet als „an emerging medium that is not my native language“ bezeichnet, könnte damit zum Wegbereiter für Pay Content im Internet werden.  

Murdoch hat mit Bezahlen im Web gute Erfahrung gemacht. Seine Neuerwerbung „Wall Street Journal“ ist eine der wenigen Zeitungen weltweit, die bisher mit Paid Content Erfolg hat. Die Online-Site hat inzwischen über 1 Mio. Abonnenten und erlöst damit geschätzte 60 Mio Dollar
Murdoch: „If it is possible to charge for content on the web, it is obvious from the Journal’s experience. We are now in the midst of a debate over the value of content and it is clear to many newspapers the current model ist malfunctioning. We have been at the forefront of that debate.“ 
Im Herbst soll das Pay-Modell beim Wall Street Journal verfeinert werden. Dann wird die Zeitung auf Vorschlag von Dow Jones-Chefredakteur Robert Thomson auch  „Micro-Payment“ anbieten. Man will Leser, die keine 100 Euro für ein Jahresabo ausgeben wollen, die Möglichkeit geben, Artikel auch einzeln zu kaufen. Im Verlag heißt es, die Zeitung „is looking for any and every way to get more people to pay directly for access to the WSJ in a variety of forms“. Dazu gehört auch, dass man zukünftig für die iPhone Apps vom WSJ zahlen muss. 
Allgemein rechnet man damit, dass als nächste Murdoch-Zeitung die Website der „Times“ in London kostenpflichtig wird. Zu Murdochs News Corp. gehören weltweit über 100 Tageszeitungen. Bekannt ist in den USA vor allem noch die „New York Post“ und in Großbritanien The Sun“. Bei beiden Zeitungen ist aber aufgrund der Boulevard-Ausrichtung ein Bezahlmodell schwer vorstellbar.

Murdochs Strategie-Wechsel gilt als riskant und aus der Not geboren. Der Aktienkurs der News Corp. ist erheblich unter Druck gekommen. Lag er Anfang 2007 noch bei 25 Dollar, so ist er Anfang dieses Jahres auf 7 Dollar gefallen, hat sich aber in den letzten Wochen aufgrund rigider Kostenmaßnahmen auf 10 Dollar erholt. Im Juni hatte Murdochs neuer Digital Chief Jonathan Miller 30% der Belegschaft von MySpace gefeuert. 
Murdoch selbst war bei der „Fortune Brainstorm Tech 2009“ nicht anwesend, hatte aber Miller als Gastredner geschickt.  Miller sprach davon, dass „journalism increasingly becomes a paid model online“. Ähnliches äußerte sich auch IAC-Chairman Barry Diller, der mit Tina Browns „The Daily Beast“ eine sehr interessante redaktionelle Website unterhält. A myth“ nannte Diller kostenlose journalistische Inhalte im Web: „It is not free, and its not going to be“. 

Eine Wiedereinführung einer Bezahlmauer erwägt man auch bei der „New York Times“, dem großen Konkurrenten von Murdochs Wall Street Journal. Aus der Redaktion hört man, dass die Zeitung ab Herbst für ihre Website 5 Dollar monatlich verlangen will. Wie man Leser am besten zum Zahlen von redaktionellen Artikeln ködert, zeigt das Vorbild der „Financial Times“ in England: dort kann man nach Registrierung bis zu 10 Artikel im Monat kostenlos lesen. Wer mehr will, muss abonnieren.

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