ARD-Blog-Streit: die zweite Runde

Mitte der Woche stritten sich Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke und der ARD-Hauptstadtstudio-Leiter Ulrich Deppendorf öffentlich im Blog der Nachrichten-Sendung. Jetzt legt Deppendorf noch einmal nach. Das "Hamburger Abendblatt" zitiert den TV-Journalisten mit den Worten: "Ich bin dagegen, dass Chefredakteure bloggen, um ihre eigenen Befindlichkeiten darzustellen." Während dessen versucht Gniffke den Zoff mittels eines neuen Blogeintrages friedlich zu beenden.

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Der Chefredakteur schrieb Freitagnacht unter der Überschrift „Gegenstand der Berichterstattung“: „Sie haben es vielleicht gesehen: Mein Blog-Eintrag vom 21. Juli und der Kommentar von Uli Deppendorf haben ja ein nicht unerhebliches Medienecho gefunden. Als wir beide heute miteinander telefonierten, haben wir darüber herzlich gelacht. Dabei ist es doch immer wieder eine interessante Erfahrung, wenn man die Rolle tauscht und vom Berichterstatter zum Gegenstand der Berichterstattung wird.“

Obwohl sich Gniffke größte Mühe gibt, die Situation zu befrieden, muss er auch zugeben, dass ihn „Manches“ an der Berichterstattung schon „gewurmt“ habe, „beispielsweise wenn einige Medien schreiben, ich hätte das ZDF kritisiert oder über die Kollegen gelästert. Das geben meine Texte nicht her. Oder ich hätte die ‚Tagesschau‘ für überflüssig erklärt und madig gemacht.“

Generell scheint Gniffke enttäusche zu sein, dass sein Blogposting so hohe mediale Wellen schlägt. „Da wird man dann sofort als Kronzeuge genommen und es wird ein Eklat konstruiert“, so der Chefredakteur gegenüber dem „Spiegel“. „Man wird für seine Transparenz bestraft.“

Hintergrund: Dienstagnacht erklärte Gniffke im Tagesschau-Blog, dass das Sommerloch da sei und jeder Bericht in der 20-Uhr-Sendung „reine Kann-man-machen-Nummern“ waren. Diese Meinung teilen nicht alle ARD-Kollegen. In den Kommentaren widersprach Deppendorf, alsbald mit viel Ärger und Spott. Er schrieb: „Lieber Herr Dr. Gniffke, wie schön, dass Sie gestern fast jeden Beitrag der Tagesschau um 20 Uhr für entbehrlich hielten. Das hätten Sie uns ja dann auch schon etwas früher mitteilen können. Dann hätten die Kollegen und Kolleginnen aus dem Hauptstadtstudio und in der Republik ja schon eher die Arbeit für die Tagesschau einstellen können.“ Offenbar muss sich die Berliner Redaktion mächtig über ihren Chefredakteur geärgert haben. „Im Übrigen halte ich keines der Themen gestern für entbehrlich oder dem Sommerloch geschuldet.“

Die Ironie: Mit ihrem öffentlichen Disput bekämpfen die ARD-Journalisten nun eigenhändig das Sommerloch.

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