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Sankt Wendelin, „Stalinorgel“, ZDF-Forum

Wendelin Wiedeking spendet die Hälfte seiner Abfindung für soziale Zwecke und bedenkt auch notleidende Journalisten. Der DJV sorgt mit seinem Anti-Google-Aufruf für Separationsbewegungen des Bloggers Knüwer. ARD und ZDF machen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Kommunikation im Internet, worauf das ZDF gleich mal sein Forum zum neuen "heute"-Studio stumm schaltet. Und der Betriebsrat von Gruner + Jahr erweist seinem Unternehmen einen Bärendienst.

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Was für ein Abgang! Porsche-Manager Wendeling Wiedeking tritt bei Porsche zurück, bzw. er wird zurückgetreten von dem ebenso schlauen wie unheimlichen Strippenzieher Ferdinand Piëch. Zum Ende setzte sich der schlaue Wiede-King dann aber doch noch selbst ein Denkmal am Porsche-Standort Stuttgart-Zuffenhausen – und bei den Medien. Von seinen 50 Mio. Euro Abfindung spendet Wiedeking die Hälfte für eine neue Stiftung in Zuffenhausen, die sich für eine „sozial gerechte Entwicklung“ an den Porsche-Standorten einsetzt. Genial! Selbst nach seinem Abgang wird der Geist Wiedekings in den Porsche-Hallen präsent bleiben. Gleichzeitig bekommen der Sozialfonds der Landespresse Baden-Württemberg e.V., die Stiftung der Hamburger Presse und der Verein Kollegenhilfe niedersächsischer Journalisten e.V. je 500.000 Euro mit denen notleidende Journalisten im Alter unterstützt werden sollen. Ein Abgang mit Stil.

Für ordentlich Rummel‘>schimpfte kurz darauf über „Stalinorgel-Knüwer“ und ätzte: „Ein Verband der Onlinejournalisten à la Knüwer, Don Alphonso, Johnny Häusler, Peitschen-Borchert & Co wäre doch die Vorhölle auf Erden.“ Es bleibt spaßig im Web.

Ihre ganz eigenen Erfahrungen mit Transparenz machen gerade ARD und ZDF im Internet. Die ARD sorgte für einen lustigen, öffentlich ausgetragenen Disput zwischen „Tagesschau“-Chefredakteur Kai Gniffke und Ulrich Deppendorf, dem Leiter des ARD-Hauptstadtbüros. Gniffke schrieb einen launigen Beitrag im Blog der „Tagesschau“ über das beginnende Sommerloch und dass die Nachrichten der 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ allesamt „reine Kann-man-machen-Nummern“ gewesen seien. Darauf kommentirte Ulrich Deppendorf reichlich angesäuert, dass der Kollege mit dieser Meinung ruhig mal früher hätte um die Ecke kommen können: „Dann hätten die Kollegen und Kolleginnen aus dem Hauptstadtstudio und in der Republik ja schon eher die Arbeit für die Tagesschau einstellen können.“ Beim ZDF ärgerte man sich dagegen mit dem anschwellenden Bocksgesang in dem Forum zum neuen ultra-virtuellen Nachrichtenstudio herum. Jetzt wurde das eifrig besuchte Forum kurzerhand stumm geschaltet. Das Abschalten der Schreibfunktion sei bei dem Forum von Anfang an geplant gewesen, teilte die ZDF-Pressestelle auf Anfrage mit. Naja. Immerhin lesen kann man noch. Tausende Beiträge befassen sich mit dem neuen Studio, darunter sehr viele sehr kritisch. Die Einlassungen reichen von konstruktiver Kritik über schmutzige Details („Heute habe ich ganz genau kontrolliert: Der Tisch ist total dreckig!“) bis hin zu den üblichen Schmähungen („So etwas Beknacktes muss man sich erst einmal einfallen lassen!“). Immerhin: ein bisschen Lob fürs Studio und Verständnis für die Stummschaltung des Forums gab es auch. So schrieb ein Nutzer: „Mal ehrlich, was kam denn in den letzten Tagen so sinnvolles in diesem Forum? Die Kritik ist immer das gleiche und das unsachliche wie Beleidigungen und das Angemache wird auch immer mehr.“

Der Konzernbetriebsrat von Gruner + Jahr hat sicher schon fröhlichere Tage erlebt. Den Vorschlag, Mitarbeiter könnten dem Verlag mit einem Darlehen beispringen, in ein Strategiepapier zu schreiben – das kann man wohl, na ja sagen wir mal „nicht ganz klug“ nennen. Dem Verlag und letztlich auch den Mitarbeitern haben die Betriebsräte damit jedenfalls einen Bärendienst erwiesen. Man kann die Witzeleien schon ahnen, die sich manche G+J-Angestellten nun in der Mittagspause anhören müssen. Bei Twitter ging es auch gleich los, als Mediaplaner Thomas Koch ironisch anbot, er habe da noch einen 50-Euro-Schein übrig und fragte, an wen er sich denn nun wenden solle. Betriebsratschef Köhler kann froh sein, dass er bei der G+J-Tochter Dresdner Druck- & Verlagshaus arbeitet. Da muss er die dicke Luft, die er am Baumwall aufgewirbelt hat, nicht direkt einatmen.

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