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G+J: Mitarbeiter sollen Verlag Geld leihen

Überraschender Vorstoß: Die Branche diskutiert noch über die Möglichkeiten, von Kurzarbeit bei Gruner + Jahr und schon bringt der Aufsichtsrat und Konzernbetriebsratschef Bernd Köhler den nächsten Spar-Hammer ins Gespräch. Der Arbeitnehmer-Vertreter schlägt im "Handelsblatt" ein Darlehen der Mitarbeiter an das Unternehmen vor. So solle dem drohenden Umsatz- und Gewinneinbruch entgegengewirkt werden. Der Verlag selbst scheint von dem unerwarteten Vorschlag irritiert zu sein.

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Das „Handelsblatt“ zitiert aus einem internen Informationspapier. Darin heißt es: „Die Arbeitnehmervertreter könnten sich einen Beitrag in der Weise vorstellen, dass Mittel, die von ihnen zu Verfügung gestellt, in die Zukunft des Konzerns investiert werden“. Köhler weiter: „Dabei ist sicherzustellen, dass die Belastung der Mitarbeiter in Grenzen gehalten wird und eine befristete Maßnahme darstellt.“ Auf MEEDIA-Anfrage war Köhler zu keinem Kommentar bereit.

Köhlers Vorschlag wird von Gruner + Jahr nicht direkt beantwortet. „Die G+J-Unternehmenskommunikation spricht nicht für Organe des Betriebsrates. Das gilt auch für die vertraulichen Sondierungsgespräche mit dem Konzernbetriebsrat. Kein Kommentar dazu“, sagt G+J-Sprecher Kurt Otto gegenüber MEEDIA. „Generell legen wir Wert darauf, dass wir uns extern grundsätzlich nicht zu angekündigten, bzw laufenden betriebsinternen Gesprächen und Verhandlungen –auch mit Gremien auf der Betriebsratsseite – in irgendeiner Hinsicht äußern. Wir bitten das im Sinne unseres Fairplays zu respektieren.“

Bereits in der vergangen Woche trafen sich der G+J-Vorstand und Arbeitnehmervertreter, um über eine Lösung der Unternehmenskrise zu sprechen. Während der Runde soll – laut „Handelsblatt“ – die Konzernführung klar gemacht haben, dass sie finanzielle Zugeständnisse der Belegschaft erwarte. Die Wirtschaftszeitung geht nun davon aus, dass es das Ziel der Arbeitsnehmervertreter sei, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Deshalb wäre wohl die Kredit-Idee ins Spiel gebracht worden.

Nach Recherchen des „Hamburger Abendblatt“ soll der Erlös von Gruner + Jahr in diesem Jahr bei unter 2,5 Mrd. Euro liegen. Das würde bedeuten, dass sich das Ebit nur noch zwischen 130 und 160 Mio. Euro bewege. Im Vergangen Jahr sank der Umsatz bereits um 2,2 Prozent auf 2,77 Milliarden Euro. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern brach um knapp 15 Prozent auf 225 Millionen Euro ein.

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