ARD: Redaktions-Zoff ums Sommerloch

Sommertheater 2.0: Dienstagnacht erklärte ARD-Chefredakteur Kai Gniffke via Tagesschau-Blog, dass das Sommerloch da sei und jeder Bericht in der 20-Uhr-Sendung "reine Kann-man-machen-Nummern" waren. Diese Meinung teilen nicht alle ARD-Kollegen. In den Kommentaren widersprach Ulrich Deppendorf, Chef des Hauptstadtstudios, alsbald mit viel Ärger und Spott. Die Ironie: Mit ihrem öffentlichen Disput bekämpfen die ARD-Journalisten nun eigenhändig das Sommerloch.

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Unter der Überschrift  „Es ist da!“ hatte Gniffke gebloggt, „dass heute das Sommerloch erstmals für diese Saison sein sonnendurchflutetes Maul“ geöffnet habe. Der Chefredakteur befindet, dass man die „Viertelstunde Tagesschau“ zwar schon „achtbar füllen konnte. Aber wenn wir ehrlich sind, hätte man jedes, ja wirklich jedes unserer heutigen Themen auch lassen können. Alles reine Kann-man-machen-Nummern.“ Vor allem die Berichterstattung über den Kieler-Koalitionsstreit scheint Gniffke gelangweilt zu haben. „Bei unserem kleinen Schleswig-Holstein-Schwerpunkt hatte man ein schweres Déja-vu, in Nachterstedt gab’s auch keinen neuen Stand, Arnie Schwarzeneggers Pleite-Haushalt schon sehr abseitig, so dass Mathe-Olympiade und Sport fast schon die härtesten Brocken in der Sendung waren.“

Rund 14 Stunden später antwortete Ulrich Deppendorf über die  Kommentarspalte. Der Leiter des Hauptstadtstudios schrieb: “ Lieber Herr Dr. Gniffke, wie schön, dass Sie gestern fast jeden Beitrag der Tagesschau um 20 Uhr für entbehrlich hielten. Das hätten Sie uns ja dann auch schon etwas früher mitteilen können. Dann hätten die Kollegen und Kolleginnen aus dem Hauptstadtstudio und in der Republik ja schon eher die Arbeit für die Tagesschau einstellen können.“ Offenbar muss die Berliner Redaktion mächtig über ihren Chefredakteur geärgert haben. „Im Übrigen halte ich keines der Themen gestern für entbehrlich oder dem Sommerloch geschuldet.“
 
Der zweite Teil von Gniffkes Eintrag beschäftigt sich mit der ZDF-Konkurrenz. Wegen der Themenarmut „schaut man sich gerne mal an, was den Kollegen der anderen Nachrichtensendungen einfällt. Habe schon gewitzelt, ob wir im Erklärraum heute ein 3D-Modell des Sommerlochs sehen.“ Der ARD-Mann zeigt sich überrascht, wie „unterschiedlich etwa die heute-Redaktion diesen Sommertag bewertet hat“. Das sehe man daran, dass „unser Aufmacher dort gar nicht vorkam, während wir komplett auf Opel verzichtet haben, was wiederum im ZDF eine gewichtige Rolle spielte.“

Mit diesen Sätzen zur Konkurrenz erzürnte der Tagesschau-Chef seinen Star-Journalisten erst recht. „Warum schielen Sie immer auf das ZDF?“, schreibt Deppendorf. „Sie sind Chefredakteur von ARD-Aktuell. Bitte mehr Selbstvertrauen. Wir sollten auch nicht mit zu viel Hochmut auf das neue ZDF-Studio schauen. Warten wir erst einmal ab, ob unser neues Studio 2011 der große Hit wird. Ein wenig mehr Solidarität durch Schweigen mit dem anderen öffentlich-rechtlichen System wäre nicht schlecht. Vielleicht benötigen wir dessen Unterstützung ja irgendwann auch einmal.“ Immerhin endet der Kommentar mit versöhnlichen „besten Grüßen aus Berlin“.

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