Das Presse-Echo zu Raab und ARD

Die Zusammenarbeit zwischen Stefan Raab und der ARD beim "Eurovision Song Contest" beschäftigt die deutsche Medienlandschaft. Hans Hoff von der "Süddeutschen Zeitung" spricht vom "Sündenfall" bei der ARD, Michael Hanfeld von der "FAZ" sagt, man könne das Ganze "für einen Offenbarungseid des Senderverbunds" halten. Im Interview mit "Spiegel Online" bezeichnet NDR-Intendant Lutz Marmor die Kooperation als "Win-Win-Situation". Weitere Kooperationen mit Privatsendern hält Marmor für theoretisch vorstellbar.

Anzeige

Für Marmor ist Raab aufgrund seiner Erfahrung mit dem Grand Prix der ideale Mann für den Job: „Es geht darum, den bestmöglichen Interpreten mit dem bestmöglichen Song nach Oslo zu schicken. Und da glaube ich, dass Raab eine große Kompetenz besitzt, die er in den letzten Jahren unter Beweis gestellt hat.“ Dass der NDR mit dieser Kooperation eingestehen würde, die Veranstaltung nicht mehr alleine meistern zu können, bügelt der ARD-Intendant ab: „Das sehe ich nicht so. Ich fände es kleinkariert, so zu denken.“
 
Den Kritikern dieser Zusammenarbeit hält Marmor seinen Innovationsgeist entgegen: „Manchmal, glaube ich, haben Leute schlicht Lust, Dinge über Grenzen hinweg auszuprobieren.“ Weitere Kooperationen seien „rein theoretisch“ vorstellbar, er wolle aber auch nicht „alle Grenzen verwischen“.

In anderen Medien wird diskutiert, wie der Deal zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Privaten zu werten sei. Hans Hoff von der „Süddeutschen Zeitung“ findet die deutlichsten Worte: „Nun tritt er also doch ein: der Sündenfall. Die ARD beißt in einen ihr vor wenigen Wochen noch als viel zu sauer erscheinenden Apfel.“

Auch in der „FAZ“ äußert sich Michael Hanfeld kritisch: „Dass die ARD dabei auf Stefan Raab und dessen unbestrittene Kunstfertigkeit als Zampano des deutschen Musikfernsehens setzt, könnten Böswillige für einen Offenbarungseid des Senderverbunds halten.“ Doch gibt er sich direkt im Anschluss salomonisch: „Wer Interesse an dem großen musikalischen Euro-Auflauf hat, wird es aber einfach für eine gute Idee halten.“
Doch die Presse-Stimmen sind nicht nur negativ. Markus Ehrenberg vom „Tagesspiegel“ sieht angesichts des Engagements Raabs „noch Hoffnung für den Grand Prix“ und Ralf Siepmann von der „Frankfurter Rundschau“ bezeichnet den Deal als „Joint Venture des Jahres“. Für „Welt“-Autor Ralf Isermann steht nach blamablen Platzierungen in den letztenJahren fest: „Auch dem größten Optimisten war klar, dass ohne einen radikalen Neuanfang kein besseres Abschneiden der deutschen Beiträgen im europäischen Gesangswettbewerb zu erwarten ist.“

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige