Condé Nast holt Hilfe von McKinsey

Der US-Verlag Condé Nast hat die Unternehmensberatung McKinsey beauftragt, das komplette Verlagsgeschäft zu durchleuchten. Laut einem Memo von Condé-Nast-CEO Chuck Townsend ist der Verlag durch die massiven Anzeigenrückgänge gezwungen, sein gesamtes Geschäftsmodell auf den Prüftstand zu stellen. Die McKinsey-Berater sollen gemeinsam mit einer Projektgruppe nach neuen Erlös-Modellen suchen und das Geschäft optimieren. In der US-Medienszene wird über weitere Kosten- und Stellenkürzungen spekuliert.

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Das US-Medienblog Gawker hat in einem Beitrag zusammengestellt, welche Engagements McKinsey in der jüngeren Vergangenheit hatte und wie viele Mitarbeiter dabei jeweils entlassen wurden. Kommentar der Medien-Blogger von Gawker: „Das wird brutal.“ Als Verleger von zahlreichen Hochglanztiteln wie „Vanity Fair“, „Vogue“ und „Glamour“ ist Condé Nast von der akuten Anzeigenkrise in den USA besonders stark getroffen. Dazu hat der Verlag in einer Zeit als die Anzeigengelder üppig flossen teure Strukturen etabliert und teilweise astronomische Gehälter gezahlt.

Nun wird mit aller Macht gegengesteuert. Condé Nast hat in den USA bereits ein rigides Sparprogramm hinter sich. Die Budgets wurden verlagsweit um zunächst fünf, später um zehn Prozent zusammengestrichen. Verleger Si Newhouse trennte sich von der teuren aber erfolglosen Wirtschafts-Zeitschrift „Portfolio“, einem Renommierprojekt des Hauses. Die noch junge Deutschland-Ausgabe der „Vanity Fair“ wurde ebenfalls eingestellt.

Im ersten Halbjahr sind die Anzeigenumsätze für Monatsmagazine in den USA laut Marktforschungsinstituten um 23 Prozent gefallen. Condé Nast war dabei überpropotional stark betroffen. Die „New York Times“ berichtete, dass nur vier Condé Nast Magazine weniger als 30 Prozent verloren haben. Vor kurzem gaben die großen US-Verlage gegenüber der Branchenzeitschrift „AdAge“ bekannt, wie die Anzeigenbuchungen für die traditionell starken Herbst-Ausgaben im September sind. „Elle“ meldete ein Minus von 21 Prozent, „Harper’s Bazaar“ ein Minus von 25 Prozent, „Essence“ ein Minus von 16 Prozent. Und die Branchen-Bibel, Condé Nasts „Vogue“? Condé Nast weigerte sich, für die „Vogue“ Zahlen zu nennen. Kein gutes Zeichen.

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