Krisen-Liebhaber Stefan Aust

Während viele Verlage mit massiven Anzeigenrückgängen und Einnahme-Einbrüchen zu kämpfen haben, sieht Stefan Aust in der aktuellen Situation unzählige Chancen. „Die Krise ist für einen Journalisten etwas ganz Wunderbares. Überall passiert etwas“. Weiter gibt der ehemalige Chefredakteur des „Spiegels“ in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" zu: „Wenn ich meine Nachfolger beim „Spiegel“ um eines beneide, dann darum, in einer solchen Zeit ein solches Blatt machen zu können.“

Anzeige

Es ist jedoch gut möglich, dass der 63-Jährige schon bald wieder in den Genuss kommen könnte, in diesen schwierigen Zeiten ein Blatt zu machen. Denn in Auftrag der WAZ sondiert er gerade, „welche Möglichkeiten es für neue Projekte, vornehmlich auf dem Zeitschriftenmarkt, geben könnte.“
Bei solch einem breiten und doch konkret formulierten Forschungs- und Entwicklungs-Auftrag spekuliert die gesamte Branche bereits, ob Aust im Auftrag des Essener Medienhauses bereits an einem neuen „Spiegel“ arbeitet?
Ein klares Nein gibt es dazu im „Tagesspiegel“ nicht. Er nur: „Wir wollen uns nicht übernehmen. Der „Spiegel“ ist nach wie vor das Maß aller Dinge und die Zeitschrift, die sich von der Qualität und auch von der Auflage her am besten gehalten hat.

Trotz Krise glaubt der passionierte Pferdezüchter noch immer an eine erfolgreiche Print-Zukuft. „Die vertiefende Information, die Analyse, die Hintergrundberichterstattung ist in Zeitschriften nach wie vor sehr gut aufgehoben. Den Wochenpublikationen wie „Spiegel“, „Stern“, „FAS“ oder der „Zeit“ geht es in Wahrheit nicht schlecht.“ Weiter sagt Aust: „Das Problem liegt eher darin, dass die Verleger mit dem vielen Geld, das sie über die Jahre verdient haben, immer wieder neue Produkte auf den Markt geworfen und ihre eigenen Produkte dadurch kannibalisiert haben. Das schlägt sich jetzt nieder.“

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen kann der WAZ-Berater nicht so richtig daran glauben, dass sich im Internet mit Journalismus Geld verdienen lässt: „Ich kann nicht sehen, wo das Geschäftsmodell bisher irgendwo klappt.“
Ungewöhnlich ist, dass sich Aust auch zu der Frage der Nachfolger von „Focus“-Chef Helmut Markwort äußert: „Dass Kai Diekmann es könnte, steht außer Frage. Ob er das will, ist eine ganz andere Frage. Aber schwierig ist es. Das bisherige „Focus“-Konzept, „news you can use“, sprich Nutzwert, ist an seine Grenzen gekommen.“
Zum Abschluss des Gespräches wollen die „Tagesspiegel“-Autoren Joachim Huber und Sonja Pohlmann noch wissen, ob Aust Fernsehvorstand bei Springer wird („Über hypothetische Angebote denke ich grundsätzlich nicht nach“) und ob der „Focus“ noch vor dem „Spiegel“ sterben wird. Die knappe Antwort: „Beide angenommenen Sterbefälle sind purer Unsinn. Und das wissen Sie genauso gut wie ich.“

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige