Thomas Steg – der Berater als Medienstar

Er hat seinen neuen Job gar nicht offiziell, aber füllt ihn bereits aus: Thomas Steg, frisch gebackener Medienberater und Spin-Doctor des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier. Derzeit stiehlt er seinem Schützling fast die Schau und wird selbst zum Medienstar. Die Berufung des bisherigen Vize-Regierungssprechers zum Kandidaten-Vermittler kam überraschend. Seither rätseln Medien und politisch Interessierte: Was kann ein Medienberater gegen ein hölzernes Image und miese Umfrage-Werte ausrichten.

Anzeige

Dass Steg ein Top-Mann ist, darüber sind sich Medien und Politik-Beobachter einig wie selten. Die Aufgabe, Steinmeier populärer zu machen, halten viele für unmöglich. Steg hält das nicht auf – er fordert noch vor seinem Amtsantritt gleich mal seine Ex-Chefin Angela Merkel zum TV-Duell auf.

Im Interview mit der „Neuen Rhein Zeitung“ sagte Steg, dass ein TV-Duell zur politischen Kultur gehöre. Er fände es gut, wenn ein oder zwei Duelle stattfinden würden. Ein PR-Profi wie Thomas Steg macht solche Ankündigungen nicht ohne Grund. Ihm wird klar sein, dass der Kanzler-Kandidat Steinmeier gut vorbereitet bei einem TV-Duell nur gewinnen kann. Denn als farblos und ein wenig langweilig gilt er bereits jetzt. Steg gab in dem Interview auch einen Hinweis darauf, wie er seine Arbeit als Medienberater versteht. „Nach den Wahlen im August wird der Wahlkampf im September sicherlich nochmal eine Zuspitzung erfahren“, sagte er auf die Frage, ob Steinmeier sich nicht zum Haudrauf wandlen müsse. Es darf also auch ein bisschen gepoltert werden. Aber wirklich nur ein bisschen. Mit Angela Merkel hat der Herausforderer erstmals eine amtierende Kanzlerin als Gegenüber, da gilt es, den Ton zu wahren.

Steg ist für die Balance zwischen verbaler Kraftmeierei und gutem Ton offenbar der richtige Mann. Einhellig wird er von den Medien gelobt. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ attestierte ihm, ein Meister fein gesponnener Hinweise zu sein, die Raum für Interpretation ließen. Im Team mit dem der CSU angehörenden Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hat er bewiesen, dass er ein exzellenter Teamspieler ist und über Parteischranken hinweg denken und agieren kann. „Spiegel Online“ bezeichnete ihn als einen der besten Sprecher der Republik. Michael Spreng, der seinerzeit Edmund Stoiber beim Wahlkampf gegen Gerhard Schröder medial beraten hat, nennt Steg einen „hervorragenden Mann“. Spreng schränkt aber auch ein: „Kommunikationschef des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier. Das ist etwa so attraktiv wie Pressesprecher bei Vattenfall. Auch die SPD hat so viele Störfälle hinter sich, dass ihr am 27. September die Abschaltung droht.“

Thomas Steg wurde in Braunschweig geboren, studierte Soziologie. Politisch geprägt wurde er in den Gewerkschaften. In Niedersachsen wurde er Sprecher der SPD-Fraktion, als der niedersächsische Ministerpräsident Schröder Kanzler wurde, ging er mit ihm als stellvertretender Büroleiter ins Kanzleramt. Dort avancierte er zum erfolgreichen Redenschreiber für Schröder. Schließlich wurde er stellvertretender Regierungssprecher unter Bela Anda. Im Vergleich mit seinem damaligen Chef kommt Steg in den Medien deutlich besser weg. Stern.de schreibt: „Intellektuell Anda weit überlegen, litt er sehr unter dem kommunikativen Unvermögen seines Chefs ebenso wie unter dessen cholerischen Anfällen im internen Umgang.“

„Schröder-Flüsterer“, „Wunder-Vermittler“, „Aal“, „Roter Rotzlöffel“. Die Begriffe, mit denen Thomas Steg bisher bedacht wurde sind vielfältig. Die Erwartungen der SPD liegen hoch. Ende Juli soll er offiziell von Steinmeier vorgestellt werden. Sein Job hat da längst begonnen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige